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10.05.2017

Pneumologische Notfallversorgung muss durch die Einrichtung von Respiratory Failure Units verbessert werden!

Eine aktuelle, besorgniserregende Studie hat inakzeptable Mängel bei der Notfallversorgung von Patienten mit der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD aufgezeigt, die aufgrund des Symptoms Atemnot stationär behandelt werden mussten. Die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) fordern daher - analog zu den bereits existierenden, sehr erfolgreichen Stroke-Units und Chest-Pain-Units - die deutschlandweite Einrichtung so genannter Respiratory Failure Units.

Analog zu den sehr erfolgreichen Stroke-Units zur Behandlung von Schlaganfällen und Chest-Pain-Units zur Behandlung von Herzinfarkten ist es für eine adäquate pneumologische Notfallversorgung dringend erforderlich, so genannte Respiratory Failure Units zur Behandlung von Patienten mit Atemnot bzw. Atemversagen einzurichten, die in den USA auch unter dem Namen Lung Attack Units laufen. Darauf haben die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin hingewiesen unter Berufung auf die besorgniserregenden Ergebnisse einer aktuellen Studie (European COPD Audit - siehe European Respiratory Journal 2016, Band 47/1, Seite: 113-121). Diese hat inakzeptable Mängel bei der Notfallversorgung von Patienten mit der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD, die aufgrund des Symptoms Atemnot stationär behandelt werden mussten, in 13 europäischen Ländern und 422 Krankenhäusern aufgezeigt.

Essentielle Untersuchungen und Therapien nicht durchgeführt
„Nur bei der Hälfte der über 16.000 Studienteilnehmer mit Atemnot erfolgte eine Lungenfunktionsuntersuchung, obwohl diese notwendig ist, um das Ausmaß der Atemwegsverengung feststellen zu können“, berichtet Dr. med. Thomas Voshaar, Vorsitzender des VPK und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien Moers. „Entscheidend für eine risikoadjustierte Versorgung der Patienten ist außerdem eine Analyse der Blutgase - also die Bestimmung von Sauerstoff und Kohlendioxid sowie des ph-Wertes des Blutes.“ Nur so lassen sich Patienten erkennen, die das Kohlendioxid nicht mehr abatmen können und daher zum einen eine Übersäuerung des Blutes (respiratorische AzidoseAzidose
Darunter versteht man eine Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts, die zu einer Übersäuerung des Organismus führt - das heißt die Anzahl chemischer Verbindungen, die Protonen (H+-Ionen) abgeben, hat Überhand genommen.
 
 
) infolge der Anhäufung von Kohlendioxid (Hyperkapnie) entwickeln und zum anderen eine Lungenüberblähung (Lungenemphysem), die auch das Einatmen erschwert. „Denn gerade die respiratorische Azidose ist mit einem deutlich erhöhten Todesrisiko verbunden - sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch 90 Tage nach der Entlassung aus der Klinik“, erläutert Dr. Voshaar. Dennoch wurde in der Studie auch die Blutgasanalyse nicht bei allen Atemnotpatienten durchgeführt. Um Todesfälle durch respiratorische Azidose zu vermeiden, ist eine nicht-invasive Beatmung erforderlich. Diese lebensrettende Maßnahme erhielten in der Studie aber nur 45 Prozent der Patienten mit leichter Azidose und 77 Prozent der Patienten mit schwerer Azidose. So starben während der Beobachtungsphase elf Prozent der über 16.000 Patienten, davon 46 Prozent noch im Krankenhaus.

COPD ist weltweit die vierthäufigste Todesursache und wird künftig noch häufiger vorkommen
COPD-Erkrankungen stellen weltweit die vierthäufigste Todesursache – nach Herzinfarkt, SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
und Lungeninfektion – dar und kosten pro Jahr mehr als drei Millionen Menschen das Leben. Auch in Deutschland gehört die COPD mit einer Prävalenz von etwa 13 Prozent zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Da sie Menschen in einem Alter über 40 Jahre betrifft, ist auch aufgrund der demografischen Entwicklung hierzulande mit einer Zunahme der Häufigkeit zu rechnen. So ist die COPD unter den zehn am häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen die einzige mit zunehmender Prävalenz.

COPD-Verschlechterung genauso gefährlich wie Herzinfarkt
Insbesondere eine schwere Verschlechterung der COPD (sog. Exazerbation - zum Beispiel infolge eines Atemwegsinfekts), die im Krankenhaus behandelt werden muss, ist mit einer vergleichbar hohen Sterblichkeit verbunden wie ein Herzinfarkt. „Während bei einem Verdacht auf Herzinfarkt allerdings jeder sofort alarmiert ist und auch die Ärzte genau wissen, wie sie das Leben der Patienten retten können, ist ein solches klar strukturiertes Vorgehen sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie von COPD-Exazerbationen gerade in Allgemeinkliniken mitunter nicht garantiert“, betont Dr. Voshaar. „Dazu wären Lungenspezialisten und ein pneumologischer Wissenstransfer in die Allgemeinkliniken notwendig. Dies hat sich übrigens auch in der European-COPD-Audit-Studie abgezeichnet: Wenn ein Lungenspezialist vorhanden war, fiel die Sterblichkeit im Krankenhaus geringer aus.“

Richtige Beatmung gewährleisten
Um die pneumologische Notfallversorgung zu verbessern, beabsichtigen die Lungenärzte des VPK die Etablierung und Evaluation von sog. Respiratory Failure Units – also speziellen Einheiten im Krankenhaus zur Behandlung von Patienten mit Atemnot nach pneumologischen Richtlinien. Zu den wesentlichen Strukturvorgaben sollte ein erfahrenes Team von Pneumologen gehören, um Untersuchungen wie Lungenfunktionsprüfung, Blutgasanalyse, Ultraschall und Echokardiografie, aber auch lebensrettende Maßnahmen durch die richtige Art der Beatmung zu gewährleisten. „Bei Atemnot ist Sauerstoffmangel ja nicht das einzige Problem. Deshalb darf bei der Beatmung von hyperkapnischen COPD-Patienten nicht einfach nur Sauerstoff zugeführt werden. Es geht auch nicht nur darum, die Ausatmungsphase zu verlängern, um das Kohlendioxid vermehrt abatmen zu können. Vielmehr lässt sich nur mit der nicht-invasiven Beatmung eine Unterstützung, Entlastung und Erholung der überbelasteten Atemmuskulatur erreichen und somit eine größere Leistungsfähigkeit der Atempumpe erzielen, so dass die Patienten davon mit weniger Atemnot und einer größeren körperlichen Belastbarkeit profitieren“, fasst Dr. Voshaar zusammen.

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: http://www.lungenaerzte-im-netz.de/. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.