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07.06.2019

PCT-Test erkennt bakteriell bedingte Infekte und spart somit Antibiotika ein

Bei Atemwegsinfektionen Antibiotika einnehmen - ja oder nein? Ob sie tatsächlich bakteriell oder aber viral bedingt sind, lässt sich mit dem Procalcitonin-TestProcalcitonin-Test
Der Biomarker Procalcitonin (PCT) im Blut lässt sich im Labor automatisiert bestimmen. Damit ist eine zuverlässige und schnelle Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen innerhalb von wenigen Stunden möglich. Nur bei einer deutlichen Erhöhung des PCT-Spiegels liegt eine bakterielle Infektion vor. Bei einer geringen oder keiner Erhöhung des PCT-Spiegels handelt es sich hingegen um virale Infektionen, Entzündungsvorgänge bei Autoimmunprozessen, chronische Entzündungen oder allergische Reaktionen.

(PCT-Test) einfach beantworten.

Sicher zwischen bakterieller und viraler Infektion differenzieren und damit Antibiotika einsparen: Das geht, betont der Pneumologe Dr. Justus de Zeeuw, der in einem Medizinischen Versorgungszentrum im Rolshover Hof, Köln-Poll, niedergelassen ist.

Welche Bedeutung hat für Sie der Procalcitonin-Test?

Dr. Justus de Zeeuw: Bei Atemwegsinfekten werden viel zu oft Antibiotika verordnet. Zum Ersten wirken sie nicht, weil es sich in der Regel um Virusinfekte handelt. Zum Zweiten verursachen sie Nebenwirkungen, etwa indem sie das Mikrobiom des Darms schädigen, was übrigens die Infektanfälligkeit der Lunge steigert – das heißt, es ist sogar kontraproduktiv. Zum Dritten entstehen dadurch Resistenzen. Ziel muss also sein, Antibiotika nur einzusetzen, wenn es sinnvoll ist. Dabei hilft der  Procalcitonin-Test. Er trennt sehr gut zwischen bakterieller und nicht-bakterieller Infektion.

Wie verlässlich ist der Test?

Dr. de Zeeuw: Bleibt der Test negativ, hat der Patient ziemlich sicher keine bakterielle Infektion. Das ist beim C-reaktiven Protein (CRP) völlig anders. Ist der Infekt gerade erst im Anfangsstadium, kann es noch normal ausfallen. Es gibt allerdings auch beim PCT einen Graubereich – nicht negativ, nicht eindeutig zu hoch. Dann rede ich mit dem Patienten offen darüber. Wer unbedingt ein Antibiotikum will, bekommt eines.

Gibt es einen Point-of-Care-Test?

Dr. de Zeeuw: Ja, allerdings benötigt man für solch eine patientennahe Diagnostik eine spezielle Qualifikation, die im Normalfall nur Labormediziner haben. Der übliche PCT-Test erfordert jedoch keinen großen Aufwand: Sie nehmen mit einem normalen Serumröhrchen Blut ab und schicken es ans Labor. Das Ergebnis kommt am gleichen, spätestens am nächsten Tag.

Aber das zehrt natürlich am Laborbudget …

Dr. de Zeeuw: Nein, eben nicht. Der PCT-Test ist in diesem Fall budgetneutral, weil er genau für diese Indikation, zur Klärung „Antibiotikum: ja oder nein“, von der KBV unterstützt wird. Dies ist durch die EBM-Symbolziffer 32004 dokumentiert.

Was sagen Sie dem Patienten?

Dr. de Zeeuw: Das Arzt-Patienten-Gespräch wird durch den PCT-Test enorm erleichtert. Patienten erwarten ja, dass wir etwas für sie tun – und sei es die Verordnung eines Antibiotikums. Bevor man da lange fruchtlos diskutiert, zückt man im Zweifel schon mal den Rezeptblock. Nun kann ich dem Patienten sagen: Wir machen jetzt erst einmal einen Labortest und schauen, ob Sie tatsächlich ein Antibiotikum brauchen. Dann fühlt er sich ernst genommen und ist am Ende zufrieden und erleichtert, wenn er keine Tabletten schlucken muss. Der PCT-Test ist für mich nicht nur ein Instrument zur Sicherung meiner Diagnose, sondern auch ein Tool für mehr Patientenzufriedenheit. Ich verordne 80 % weniger Antibiotika, seit wir den Test regelmäßig nutzen.

Quelle: Medical Tribune