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08.05.2020

Patientenverfügung hinsichtlich Beatmung prüfen

In einer Patientenverfügung kann jede/r festlegen, welche medizinischen Maßnahmen er oder sie im Notfall wünscht. Im Fall einer Erkrankung an Covid-19, die bei schwerem Verlauf eine Beatmung erforderlich machen kann, sollte man seine Patientenverfügung bezüglich einer künstlichen Beatmung überprüfen und entsprechend anpassen.

Bei Covid-19 kann je nach Krankheitsverlauf eine künstliche Beatmung notwendig werden. „Wer eine Patientenverfügung verfasst hat, sollte das Dokument diesbezüglich nochmal aufmerksam durchlesen“, rät Sabine Wolter von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und gibt weitere Tipps für die Formulierung einer Patientenverfügung.

Als Erstes sollte man sich fragen: Was habe ich genau zum Thema künstliche Beatmung verfügt? Und dann: Hat sich meine Meinung zu den medizinischen Maßnahmen aufgrund der aktuellen Lage geändert? „Wenn ja, sollte man das Dokument entsprechend anpassen“, meint Wolter. Seine eigene Verfügung kann man jederzeit ändern - das ist auch ohne Notar oder Anwalt möglich.

Ärzte müssen sich an Patientenverfügungen halten. Sie legt fest, welche medizinischen Behandlungen und Maßnahmen gewünscht oder ablehnt werden, wenn sich ein Patient selbst nicht mehr äußern kann. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat aber klargestellt, dass die Angaben so konkret wie möglich sein sollten (Az.: XII ZB 61/16).

Idealerweise ist die Verfügung also individuell verfasst. „Zum Teil setzt sie sich aber auch aus vorformulierten Textbausteinen aus dem Internet zusammen“, hat Wolter beobachtet. Dadurch können sich jedoch Missverständnisse ergeben - etwa wenn jemand eine künstliche Beatmung ablehnt, wenn er sich „im unmittelbaren Sterbeprozess befindet“ oder „im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit, bei der der Todeszeitpunkt noch nicht absehbar ist“. Was gilt dann bei einer Covid-19-Erkrankung mit schwerem Verlauf?

Bei Covid-19 besteht die Chance, dass Patienten auch nach einem schweren Verlauf wieder gesund werden und die Krankheit nicht tödlich verläuft. Dafür stehen verschiedene Beatmungstechniken zur Verfügung. Insbesondere sollte man zwischen invasiver und nicht-invasiver Beatmung unterscheiden. Wer dennoch auf keinen Fall künstlich beatmet werden will, sollte dies ebenfalls explizit in die Verfügung hineinschreiben. Lehnt jemand zwar grundsätzlich eine künstliche Beatmung ab, will aber bei COVID-19, dass die Mediziner alles Erdenkliche tun, sollte er dies konkret so schreiben. „So lassen sich Missverständnisse vermeiden“, betont Wolter.

Wenn möglich, sollte man beim Verfassen einer Patientenverfügung Rücksprache mit einem Mediziner halten. So lassen sich prüfen, ob die verfügten Inhalte Sinn ergeben, erklärt Wolter. Musterformulare und Hinweise dazu gibt es beim Bundesjustizministerium auf https://www.bmjv.de/DE/Themen/FokusThemen/Corona/Patientenverf%C3%BCgung/Corona_Patientenverfuegung_node.html und der Bundesärztekammer auf https://www.bundesaerztekammer.de/patienten/patientenverfuegung/. Rechtlich kann man sich etwa bei einem Beratungsverein der Kommunen, einem Fachanwalt oder Notar beraten lassen - muss es aber nicht tun.

Quelle: dpa