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24.03.2011

Patienten-Compliance - Schlüssel zu größerem Therapieerfolg

Der Therapieerfolg bei der Behandlung von chronischen Atemwegspatienten könnte um einiges verbessert werden, wenn eine größere Therapietreue (Compliance) erreicht würde. Wie man die Ursachen für eine mangelnde Patienten-Compliance zurückdrängen könnte, wird Prof. Dr. med. Wolfgang Petro vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Bad Reichenhall und Gesundheitszentrum Schlossberghof Marzoll in Bad Reichenhall auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen näher erläutern.

Compliance bedeutet die Fähigkeit von Arzt und Patient, optimal miteinander zu kommunizieren. Dadurch lassen sich die Therapietreue und die Therapieeffizienz deutlich erhöhen. Besonders bei chronischen Krankheiten bestimmt das Ausmaß der Compliance den Therapieerfolg. Denn eine hohe Compliance bedeutet eine geringere Sterblichkeit, eine verminderte Krankheitsschwere sowie sinkende Therapie- und Krankheitskosten.

Häufig scheint es um die Patienten-Compliance allerdings schlecht bestellt zu sein. Nur so lassen sich bei einer modernen Atemwegstherapie die Diskrepanzen zwischen den theoretischen Möglichkeiten auf der einen und der therapeutischen Wirklichkeit auf der anderen Seite erklären.

Ursachen mangelnder Patienten-Compliance
Die Analyse der Ursachen zeigt, dass diese sowohl auf der Arztseite als auch auf der Patientenseite liegen. Gelänge es, eine Annäherung zwischen den Vorstellungen und dem Verhalten des Patienten auf der einen Seite und den Empfehlungen und Ratschlägen des Arztes auf der anderen Seite zu erreichen, könnte der Therapieerfolg zweifellos verbessert werden. Zu den compliance-hindernden Ursachen sind zu zählen:

Der Wissensmangel der Patienten z.B. über

  • die Krankheit selbst und deren Verlauf. Erst aus Krankheitsverständnis folgt Therapieverständnis
  • die Wirksamkeit, den Wirkungseintritt und die Wirkungsdauer einzelner Medikamente
  • die Unterschiede zwischen den verschiedenen Medikamentengruppen
  • die Notwendigkeit, einer chronischen Erkrankung mit einer Langzeit-Therapie zu
    begegnen.

Mängel in der Medikamenten-Handhabung der Patienten und die daraus resultierende fehlerhafte Anwendung von Medikamenten, wie z.B. das falsche Inhalieren mit einem Dosieraerosol oder einem Pulverinhalator.

Das fehlende Vertrauen der Patienten und die daraus resultierende innere Ablehnung der Therapiemaßnahme, z.B. durch

  • fehlendes Vertrauen in die positiven Wirkungen des Medikaments.
  • schlechte Erfahrungen mit einem Medikament und Verallgemeinerung der negativen Erfahrungen.
  • unkontrollierte Ängste vor Nebenwirkungen von Medikamenten ganz allgemein oder des verordneten Medikaments, z.B. beim inhalativen CortisonCortison
    Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
    .
  • Vertrauensmangel zum behandelnden Arzt.

Verstärker mangelnder Compliance
Die Ursachen der Compliance-Verweigerung können verstärkt werden, wenn
die Anzahl der für die Therapie notwendigen Medikamente und die Häufigkeit der täglichen Anwendungen relativ groß sind.

Außerdem beeinflussen andere Faktoren die Compliance negativ, z.B. wenn

  • die Erkrankung und die Medikation schon lange andauern.
  • die chronische Erkrankung besonders schwer ist und der Patient resigniert.
  • der Patient bereits relativ alt ist.
  • die Krankheitseinsicht fehlt und die Krankheit nicht angenommen wird.
  • Angst und Depressivität sehr ausgeprägt sind.

Maßnahmen zur Compliance-Verbesserung
Seitdem Patientenschulung und Patientenverhaltenstraining praktiziert werden, weiß man, dass solche strukturierten Maßnahmen geeignet sind, die Patienten-Compliance und damit die Therapieergebnisse zu verbessern.

Patienten-Information:
Vermittlung von Basiswissen mit allen heute verfügbaren Medien in einer patientenverständlichen Sprache.

Patientenschulung:
Ziel ist eine strukturierte, themenzentrierte, interaktive und durch ein berufsübergreifendes Team durchgeführte Patientenschulung nach einem modular aufgebauten Schulungsprogramm.

Patienten-Verhaltenstraining:
Ergänzt die Patientenschulung um Übungs- und Trainingsmodul. Insbesondere geht es dabei um die fachgerechte Peak-flow-Kontrolle, die Interpretation der Messergebnisse und um eine eventuelle Therapieanpassung.

In Studien wurde nachgewiesen, dass

  • geschulte Patienten sich eher an die Therapie-Vereinbarungen mit ihrem Arzt halten.
  • Patientenschulung mit speziellem Inhalationstraining den Einsatz von Dosieraerosolen oder von Pulverinhalatoren optimiert.
  • Patientenschulung das Vertrauen gegenüber dem Arzt, den Therapiemaßnahmen und den Medikamenten verbessert.
  • Patientenschulung die Kosten senkt, da weniger Krankenhauseinweisungen und kürzere Krankenhausverweildauern entstehen, weniger Notarzteinsätze erforderlich werden und die Medikamente gezielter eingesetzt und richtig angewendet werden.
  • Patientenschulung Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessert.

Quelle: Prof. Dr. med. Wolfgang Petro vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Bad Reichenhall und Gesundheitszentrum Schlossberghof Marzoll in Bad Reichenhall, der auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen zum Thema Patienten-Compliance einen Vortrag halten wird.

4. Symposium Lunge
"COPD und Lungenemphysem" - Von der Diagnose bis zur Lungentransplantation. Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen den Betroffenen heutzutage zur Verfügung?“ am Samstag, 7. Mai 2011 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte - Gebläsehalle - Werksstraße 31-33
45527 Hattingen/Ruhr

Anfragen bezüglich des Symposiums Lunge 2011 richten Sie bitte an die Organisationsleitung Jens Lingemann Lindstockstraße 30
45527 Hattingen
Telefon: 02324 - 999 959
symposium-org@lungenemphysem-copd.de
www.lungenemphysem-copd.de/pages/oeffentlich/pages/symposium-lunge-2011/symposium-lunge-2011.php