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17.11.2005

Passivrauchen kann Asthma verstärken

Asthmatiker sollten nicht nur das Rauchen sein lassen, sondern sich auch vor verqualmten Räumen in Acht nehmen. Denn auch Passivrauchen kann sich negativ auf den Schweregrad einer asthmatischen Erkrankung auswirken. Dabei hängt das Ausmaß der Beschwerden offenbar direkt davon ab, wie viele Schadstoffe eingeatmet wurden.

Wer sich in einem verqualmten Raum aufhält, atmet pro Stunde so viele Giftstoffe ein, als würde er selbst eine Zigarette rauchen. Dabei scheint der Rauch für Asthmatiker besonders gefährlich zu sein. Denn Passivrauchen kann Asthmasymptome verstärken und das Risiko für Asthmaanfälle erhöhen - und damit möglicherweise auch die Häufigkeit von Notfallbehandlungen im Krankenhaus. Das berichten Dr. Mark Eisner von der Universität von Kalifornien und seine Kollegen in der Oktober-Ausgabe der Fachzeitschrift Thorax.

Je größer die Belastung durch Zigarettenrauch, umso problematischer die Beschwerden
An der Untersuchung nahmen 189 erwachsene Asthmatiker teil, die erst kürzlich wegen ihrer Atemwegserkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Jeder von ihnen erhielt eine Plakette, um für eine Dauer von sieben Tagen durchgehend die jeweiligen Nikotinmengen in ihrer Atemluft zu registrieren. Außerdem lieferte eine zweite Studiengruppe mit 138 Asthmatikern Haarproben ab (in denen sich CotininCotinin
  Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotins.

– ein Abbauprodukt des Zigaretteninhaltsstoff NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
nachweisen lässt). So ließ sich bei diesen die Nikotinbelastung auch über einen längeren Zeitraum – nämlich 3 Monate - messen. Gleichzeitig wurden Telefoninterviews geführt, um die Patienten nach ihren aktuellen Asthmabeschwerden zu befragen.

Bei der Datenauswertung stellte sich heraus, dass die meisten Patienten (nämlich 60% - 83%) während der Beobachtungszeit tatsächlich Zigarettenrauch ausgesetzt gewesen waren. Dabei traten die schlimmsten asthmatischen Beschwerden nach den höchsten, gemessenen Belastungen auf. Das Ausmaß der individuellen Asthmabeschwerden war also direkt auf die eingeatmeten Schadstoffmengen durch Passivrauchen zurückzuführen. Darüber hinaus schienen diejenigen Asthmatiker, welche die größte Nikotinbelastung in den vergangenen Monaten aufwiesen, vergleichsweise stärker gefährdet zu sein, wegen einem Asthmaanfall ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen. Denn sie hatten - nach Ansicht der Autoren der Studie - problematischere Beschwerden als weniger belastete Patienten. Allerdings räumen die Autoren ein, dass sie die Angaben zum Risiko einer Krankenhausbehandlung wegen der recht geringeren Teilnehmerzahl und dem Beobachtungscharakter der Untersuchungsmethode selbst noch nicht ganz überzeugend finden. Nichtsdestotrotz mache das Untersuchungsergebnis deutlich, dass nicht nur aktives Rauchen, sondern auch Passivrauchen Asthmatikern schadet. Deshalb sollten sie Zigarettenrauch möglichst meiden – was übrigens für jeden Menschen gelte.

Quelle: www.medscape.com