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04.06.2014

Optimale Beatmung verringert Infektionsrisiken

Ungefähr jeder achte Patient auf den Intensivstationen sowie über 10.000 COPD-Patienten jährlich sterben hierzulande unnötigerweise, weil sie nicht optimal beatmet werden. Dabei erhöht die nicht-invasive Beatmung über eine abnehmbare Nasen- oder Mund-Nasen-Maske nicht nur die Überlebenschancen erheblich, sondern hat gegenüber der konventionellen, invasiven Beatmung (Intubation) auch noch weitere entscheidende Vorteile. Darauf weisen die Lungenärzte vom Verband Pneumologischer Kliniken (VPK) hin. Anliegen der Lungenärzte ist es, dass mehr Intensivmediziner Expertise in der Technik der nicht-invasiven Beatmung erwerben, damit diese Beatmungsform auch hierzulande häufiger zum Einsatz kommen kann.

In Zukunft dürften immer mehr Menschen beatmet werden müssen. Zum einen werden chronische Lungenerkrankungen immer häufiger. Zum anderen werden die Patienten aufgrund des medizinischen Fortschrittes und der Altersstruktur unserer Bevölkerung immer älter und weisen damit auch mehr Begleiterkrankungen auf. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen, die eine intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung erforderlich machen. „Allerdings sterben hierzulande immer noch zu viele Menschen unnötigerweise, weil sie nicht optimal beatmet werden“, warnt Dr. med. Thomas Voshaar, Vorsitzender des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und Chefarzt der Medizinischen Klinik III im Krankenhaus Bethanien Moers. „Das betrifft schätzungsweise jeden achten Patient auf den Intensivstationen sowie über 10.000 COPD-Patienten jährlich.“

Nicht-invasive Beatmung erhöht Überlebenschancen erheblich

Gegenüber der konventionellen, invasiven Beatmung (Intubation) über einen fest integrierten Beatmungsschlauch (Tubus) bietet die in den 80er Jahren entwickelte und stetig bis zur Jahrtausendwende optimierte, nicht-invasive Beatmung über eine abnehmbare Nasen- oder Mund-Nasen-Maske einige entscheidende Vorteile. „Insbesondere erhöht die nicht-invasive Beatmung die Überlebenschancen der Patienten erheblich. Das ist jetzt aktuell auch wieder in einer großen Studie an 14 Intensivstationen in Frankreich überzeugend belegt worden (siehe Intensive Care Medicine 2014, Band 40/4, Seite 582-591): Die Erfolgsrate für die Behandlung von Patienten mit akutem Atemversagen konnte dort mithilfe der nicht-invasiven Beatmung im Vergleich zur konventionellen Intubation von 69% auf 84% gesteigert und die Sterblichkeit der Patienten innerhalb von 60 Tagen von 27% auf 9% gesenkt werden.“, berichtet Dr. Voshaar.

Weniger Infektionen, schnellere Genesung

Vor allem, was die Vermeidung von Atemwegsinfekten und Lungenentzündungen angeht, ist die nicht-invasive Beatmung der konventionellen Intubation weit überlegen. „Zum einen transportieren Beatmungsmasken, die mit einem virusdichten Filter ausgestattet sind, weniger ansteckende Erreger als invasive Luftröhrenschläuche (sog. Beatmungstubi) - sie sind also keimärmer und erfordern nur einen geringen Reinigungsaufwand“, erläutert Dr. Voshaar. „Außerdem - und das ist der Hauptgrund für die Lebensverlängerung - ermöglicht die nicht-invasive Maskenbeatmung (im Gegensatz zur invasiven Beatmung mit einem fest integriertem Luftröhrenschlauch) den Patienten, sich selbständig von infektiösem Schleim frei zu husten. Dazu wird die Maske einfach kurz abgenommen. Dadurch treten deutlich weniger Beatmungsgerät bedingte Lungenentzündungen auf.“ Demgegenüber müssen Patienten zur invasiven Beatmung über einen Tubus oder eine Trachealkanüle (Intubation) ruhig gestellt werden, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich aktiv von infektiösem Lungensekret zu befreien – dieses muss stattdessen vom Krankenpersonal abgesaugt werden. „Neben dem selbständigen Abhusten erlaubt die nicht-invasive Beatmungsform den Patienten außerdem auch, zu sprechen und zu essen, was ihre Genesung deutlich beschleunigt. Da sich Patienten am Maskenbeatmungsgerät verständigen können, lässt sich auch die Psyche der oft reaktiv-depressiven Patienten leichter stabilisieren“, erklärt Dr. Voshaar.

Besondere Expertise für Beatmungsmedizin erforderlich

Gerade die Behandlung von Langzeitbeatmungspatienten, die nach einem Luftröhrenschnitt über einen invasiven Beatmungsschlauch an das Beatmungsgerät fixiert sind und daher z.B. weder sprechen noch selbstständig essen können, erfordert eine große Behandlungsintensität und absorbiert rund 50 Prozent der Ressourcen einer Intensivstation, was natürlich nicht jede Station adäquat leisten kann. Da die meisten beatmungspflichtigen Patienten an Lungenerkrankungen leiden, sind zudem spezielle lungenfachärztliche Kenntnisse über die Pathophysiologie und den Verlauf solcher pneumologischer Krankheiten erforderlich, um Beatmungstherapien angemessen und erfolgreich durchführen zu können. „Insofern spielen Fachwissen und Erfahrung auf dem Gebiet der PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
wie auch auf dem Gebiet der Beatmungsmedizin eine wichtige Rolle innerhalb der Intensivmedizin“, betont Dr. Voshaar. „Unser Anliegen ist es, dass mehr Intensivmediziner Expertise in der Technik der nicht-invasiven Beatmung erwerben, damit diese Beatmungsform auch hierzulande häufiger zum Einsatz kommen kann."

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.lungenaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patienteninformationsportals der Lungenärzte-im-Netz verlinken.