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12.07.2017

Nutzen einer Immuntherapie gegen Lungenkrebs für Patienten künftig besser vorhersagbar

Welche Lungenkrebspatienten von einer personalisierten Immuntherapie profitieren, könnte eine neu entdeckte Art von Immunzellen vorhersagen: die sog. tissue-resident memory T-cells. Darauf weist die Deutsche Lungenstiftung unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse hin.

© fotoliaxrender_Fotolia.com

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LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
gehört zu den Krebsarten, die immer noch vergleichsweise schlecht zu behandeln sind, so dass betroffene Patienten nur geringe Überlebenschancen haben. Als Therapieoption zur Chemotherapie hat sich zur Behandlung von nichtkleinzelligem Lungenkrebs, der erneut Tochtergeschwulste (RezidiveRezidive
Darunter versteht man das Wiederauftreten von Tumoren. Solche neuen Geschwülste können abermals in der Lunge oder auch in anderen Körperregionen auftreten – und das selbst wenn zuvor offenbar bereits eine völlige Abheilung des Krebses erfolgt war. 
) bildet, die Immuntherapie erfolgreich bewährt, bei der die T-Zell-basierte Immunantwort des Patienten zur Bekämpfung der Krebszellen mit einem immunstimulierenden AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
aktiviert wird. Künftig könnte eine neu entdeckte Art von Immunzellen, die sog. tissue-resident memory T-cells (TRM cells),die Vorhersage verbessern, welche Lungenkrebspatienten im Einzelnen von einer Immuntherapie profitieren - und damit den Erfolg einer personalisierten Behandlung von Lungenkrebs weiter vorantreiben. Darauf weist die Deutsche Lungenstiftung unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse hin (siehe Nature Immunology, Online-Veröffentlichung am 19.6.2017). „Wie Forscher von der University of Southampton in Großbritannien und des La Jolla Institute for Allergy & Immunology in Kalifornien berichten, war die Wahrscheinlichkeit zu sterben bei Lungenkrebspatienten, die viele TRM-Zellen im Tumorgewebe aufwiesen, um 34% geringer“, erläutert Prof. Dr. Rudolf M. Huber, Mitglied des Beirates der Deutschen Lungenstiftung und Leiter der Abteilung PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Thorakale Onkologie am LMU Klinikum der Universität München. „Neben der Anzahl dieser Immunzellen spielt auch ihr Verhalten bei der Bekämpfung des Lungentumors eine entscheidende Rolle: Die TRM-Zellen richten sich gezielt auf das Lungentumorgewebe und bilden dort Substanzen, welche die Tumorzellen angreifen und zerstören. Somit verleihen sie dem körpereignen ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
mehr Effektivität bei der Abwehr des Lungentumors.“

Nebenwirkungen und Kosten einer Krebstherapie künftig reduzierbar
Anhand des Vorhandenseins von TRM-Zellen lässt sich der individuelle Nutzen einer Immuntherapie für den Patienten künftig besser vorhersagen. Unnötige Kosten und Nebenwirkungen der Krebstherapie lassen sich damit reduzieren. Sollte ein Patient zu wenige TRM-Zellen aufweisen, kommt eine Immuntherapie erst gar nicht in Frage, da deren Wirkung zu gering ausfallen dürfte. Dann wird für den betroffenen Patienten eine andere Art von Lungenkrebstherapie gewählt, die in diesem Fall erfolgsversprechender ist. Das erspart den Patienten von vornherein überflüssige Nebenwirkungen und dem Gesundheitssystem unnötige Kosten. „In Zukunft denkbar ist möglicherweise auch die Entwicklung spezifischer Impfstoffe gegen den jeweils vorliegenden Typ von Lungenkrebs, der nach dem Vorbild der körpereigenen TRM-Zellen entwickelt werden könnte. Bei den TRM-Zellen handelt es sich ja - direkt übersetzt - um Gewebe-spezifische T-ZellenT-Zellen
T-Lymphozyten oder T-Zellen kommen hauptsächlich in der Lymphflüssigkeit vor und reifen im Thymus (daher das T) heran. Sie sorgen (wie die B-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen", weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Fremdstoffe (bzw. deren Antigene), mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen.
mit Gedächtnisfunktion, die das Potenzial haben, eine spezifische Immunabwehr gegen Lungentumorgewebe zu erwerben und somit gezielte Abwehrmechanismen gegen diesen Tumor zu aktivieren“, erklärt Prof. Huber.

Personalisierte Krebstherapie optimaler nutzbar
Durch Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung pneumologischer Themen und durch Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Pneumologie will die Deutsche Lungenstiftung Patienten – aber auch Ärzten, die einen pneumologischen Fachrat wünschen - helfen, unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse aus der Wissenschaft Lungenerkrankungen besser zu verstehen und Therapien optimal zu nutzen. „Da bei den meist komplexen Erkrankungsbildern nur Experten über den aktuellen Stand des medizinisch-wissenschaftlichen Wissens informiert sind, bietet die Deutsche Lungenstiftung Patienten und Ärzten ein Informationsforum im Internet an. Dort können Fragen zu Lungen- und Atemwegserkrankungen gestellt werden, die dann von einem Expertenrat nach aktuellem Wissensstand fachkundig beantwortet werden“, berichtet Prof. Huber.

Quelle: äin-red

Dies ist eine Pressemeldung der Deutschen Lungenstiftung e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: http://www.lungenaerzte-im-netz.de/. Bei Veröffentlichung in Online-Medien ist diese Quellenangabe (in Form eines aktiven Links entweder auf die Startseite oder auf eine Unterseite der Webseite der Lungenärzte-im-Netz) erforderlich, bei Veröffentlichung in Printmedien ist ebenfalls ein Hinweis auf diese Webadresse notwendig.