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07.08.2020

Nicht jeder Husten ist ansteckend

Nicht jeder, der hustet oder Mundschutz trägt, ist mit dem Coronavirus infiziert. Zum Beispiel erleben viele Patienten mit MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
einen notwendigen Versorgungsgang in der Öffentlichkeit derzeit als Spießrutenlauf.

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Ein Husten in der Öffentlichkeit, ein Mundschutz im Gesicht – in der aktuellen CoronaCorona
-Krise häufig Grund für Anfeindungen oder Spott. Doch nicht jeder, der hustet oder Mundschutz trägt, ist mit dem Coronavirus infiziert. Und nicht jeder Husten ist ansteckend. Zum Beispiel erleben viele Patienten mit Mukoviszidose einen notwendigen Versorgungsgang in der Öffentlichkeit derzeit als Spießrutenlauf. Dabei gehören gerade sie zur besonders schützenswerten Risikogruppe der chronisch Kranken. Der Mukoviszidose e.V. setzt sich für die Betroffenen ein und fordert mehr Solidarität und aktiven Schutz dieser besonders vulnerablen Gruppe.

Mukoviszidose (Cystische Fibrose – CF) ist eine chronische, nicht ansteckende Lungenerkrankung, von der in Deutschland bis zu 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von Mukoviszidose betroffen. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei dieser unheilbaren Erbkrankheit, mit der jedes Jahr etwa 150 bis 200 Kinder hierzulande geboren werden, ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt.

„Inzwischen fühle ich mich dermaßen unwohl in der Öffentlichkeit – wenn ich überhaupt noch draußen bin. Beim letzten Wocheneinkauf, extra erst kurz vor Ladenschluss, war es besonders schlimm: Da waren ein paar Teenager, und neben Gelächter und dummen Sprüchen wurde dann noch extra gehustet beim Vorbeigehen, einer versuchte sogar mich anzuhusten!“, berichtet Miriam Stutzmann von ihren jüngsten Erlebnissen beim Lebensmittelkauf mit Mundschutz. Sie hat Mukoviszidose und ist seit einigen Jahren lungentransplantiert. Damit gehört sie zur Risikogruppe für Krankheitskeime aller Art, u.a. auch für das Coronavirus, denn seit der Transplantation nimmt sie immunsupprimierende Medikamente.

Ein Mundschutz in der Öffentlichkeit gehört für Miriam Stutzmann daher schon lange zum Alltag, auch vor der aktuellen PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
. Viele negative Erfahrungen hat sie damit schon gemacht, angefangen von Anfeindungen bis hin zur Verspottung als hysterisch und überängstlich. „Selbst in normalen Zeiten verbinden die meisten Menschen mit einem Mundschutz immer noch: Oh nein, die hat was Ansteckendes. Auf die Idee, dass ich diejenige bin, die sich schützen muss, kommen die wenigsten.“, berichtet Stutzmann und wünscht sich mehr Bewusstheit und Toleranz im öffentlichen Miteinander.

Auch Stephan Kruip, Bundesvorsitzender des Mukoviszidose e.V. und selbst von der Erkrankung betroffen, nimmt eine Veränderung in den Reaktionen der Menschen um sich herum wahr – Auslöser ist sein Husten, ein Hauptsymptom der Mukoviszidose. Aufgrund des infolge eines Gendefekts gestörten Wasser-Salz-Haushalt kommt es bei den Betroffenen zur Bildung sehr zäher Sekrete im Körper, die viele Organe schädigen, ganz besonders die Lunge. „Menschen, die an Mukoviszidose erkrankt sind, müssen sehr häufig und meist auch sehr heftig husten. Viele Leute um mich herum gehen aktuell sofort auf Distanz. Ich kann das gut verstehen, denn die anderen können ja nicht wissen, dass ich Mukoviszidose habe. Trotzdem fühlt es sich komisch an. Mein Körper reagiert dann unterbewusst oft mit einer regelrechten Hustenexplosion.“ Damit das verständliche Bedürfnis nach Eigenschutz nicht in Ablehnung und Feindseligkeit ausartet, ist umfassende Information wichtig.

Seit über 55 Jahren ist die Aufklärung über die Erkrankung eine der Kernaufgaben des Vereins Mukoviszidose e.V. – in Krisenzeiten wie der Corona-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
ist sie wichtiger denn je. So informiert der Verein täglich über Neuerungen im Corona-Geschehen auf seiner Internetseite und in den Social Media. Aktuell laufen zwei Aktionen auf Facebook und Instagram gegen eine Diskriminierung von Betroffenen in der Öffentlichkeit und mit der Bitte, die aktuellen Schutzmaßnahmen im gesellschaftlichen Leben ernst zu nehmen. Denn nur wenn alle Mitglieder der Gesellschaft zusammenhalten, sind die Schwachen geschützt.

Quelle: Mukoviszidose e.V.