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24.07.2008

Neurodermitis kann auch Asthma machen

Kinder, die unter der Hauterkrankung Neurodermitis leiden, sind doppelt so stark gefährdet wie Gesunde, im Lauf ihres Lebens auch an Asthma zu erkranken. Um einen Etagenwechsel zu vermeiden, sollte die Krankheit konsequent behandelt werden. Dazu raten die Lungenärzte vom Bundesverband der Pneumologen (BdP) in Heidenheim.

Wer in der Kindheit unter Neurodermitis leidet, hat ein doppelt so hohes Risiko im Erwachsenenalter neu an Asthma bronchiale zu erkranken oder aber dauerhaft - von der Kindheit ab bis ins mittlere Erwachsenenalter hinein - unter dieser chronischen Atemwegserkrankung zu leiden. Darauf weisen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) in Heidenheim hin unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen wissenschaftlichen Studie aus Australien, die in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology (, online-Vorabveröffentlichung im Juni 2008) veröffentlicht wurde. „Es war bereits bekannt, dass die Hauterkrankung Neurodermitis und die Atemwegserkrankungen Asthma bronchiale und Heuschnupfen miteinander assoziiert auftreten können“, erläutert Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied des BdP und praktizierender Pneumologe im Lungenzentrum Ulm. „Man spricht hier auch vom so genannten atopischen Formenkreis, zu dem weitere allergische Erkrankungen wie der allergische Schnupfen mit Bindehautentzündung (Rhinokunjunktivitis) und die Hausstaubmilbenallergie gezählt werden. Diese allergischen bzw. atopischen Erkrankungsformen können entweder allein, nacheinander oder auch parallel auftreten. Was jetzt aber neu erforscht wurde, ist die zeitliche Abfolge dieser Erkrankungen innerhalb eines Patientenlebens - also inwiefern die Krankheiten des atopischen Formenkreisesatopischen Formenkreises
Zum atopischen Formenkreis gehören: Asthma, Neurodermitis und allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung (Rhinokunjunktivitis) einschließlich Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie. Diese Erkrankungsformen können entweder allein, nacheinander oder auch parallel auftreten. Unter Atopie versteht man eine erbliche Veranlagung (genetische Disposition), bei Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) eine übersteigerte Abwehrreaktion und eine oder mehrere Erkrankungen des atopischen Formenkreis zu entwickeln.
auch über längere Zeitdauer hinweg noch miteinander zusammenhängen können. Dazu wurden in einer Langzeitstudie mehr als 8500 Menschen im Alter zwischen 7 und 44 Jahren untersucht“, berichtet Barczok.

Unbehandelt droht Etagenwechsel

Falls sie unbehandelt bleiben, neigen Erkrankungen des atopischen Formenkreises dazu, sich auszuweiten bzw. von der einen Form in eine andere überzugehen. „Insbesondere bei Heuschnupfen und Asthma spricht man auch vom so genannten Etagenwechsel der Erkrankung - von den oberen Atemwegen (Nasenschleimhaut) in die unteren Atemwege (Bronchien)“, erklärt Barczok. „Auch Neurodermitis in der Kindheit kann im späteren Leben zu Asthma oder auch Heuschnupfen führen – hier bestätigen die aktuellen Studienergebnisse unsere Hypothese vom Etagenwechsel. Daher sollte die Behandlung einer Neurodermitis bei Kindern unbedingt erst genommen und konsequent verfolgt werden. Nur so lässt sich die Gefahr abmildern, dass die kleinen Patienten nicht nur als Kinder, sondern auch als Jugendliche oder sogar im späteren Erwachsenenalter noch zusätzlich an Asthma bronchiale erkranken.“

Therapie konsequent verfolgen

Bei allergisch bedingter Neurodermitis gelten neben einer fachgerechten und behutsamen Pflege der Haut die allgemeinen Empfehlungen für die Therapie von Allergien. „Es gibt sowohl Medikamente gegen die allergischen Beschwerden als auch Maßnahmen, um die Allergie auslösenden AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
so gut wie möglich zu meiden. Viele Neurodermitiker leiden zum Beispiel an einer Hausstaubmilbenallergie, da ihre krankheitsbedingt in großen Mengen anfallenden Hautschuppen ein hervorragendes Nahrungsangebot für die Milben bieten, so dass sich diese besonders stark vermehren. Hier muss regelmäßig und vehement gegen den Hausstaub vorgegangen werden, was sich mit bestimmten Reinigungsmethoden und Verhaltensregeln erreichen lässt. Außerdem besteht auch bei Neurodermitis die Möglichkeit zu einer so genannten Hyposensibilisierung. Das ist eine ursächliche Behandlung der Allergie, die man bei einem Lungenfacharzt mit allergologischer Spezialisierung durchführen lassen kann. Dabei wird versucht, den Betroffenen schrittweise an seine Allergieauslöser zu gewöhnen, bis er schließlich nicht mehr überempfindlich (also allergisch) auf sie reagiert.“