LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

06.02.2019

Neuer therapeutischer Ansatz bei Lungenhochdruck

Braunalgenextrakt kann den strukturellen Umbau der Lungengefäße verhindern und die Beschwerden eines Lungenhochdrucks (pulmonale Hypertoniepulmonale Hypertonie
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
) lindern. Das berichten Forscher des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie, PH) ist eine schwere Krankheit der Lunge und des Herzens – und sie ist nicht heilbar. Zwar können Medikamente das Leiden Betroffener lindern, dennoch nimmt die Erkrankung in der Regel einen fortschreitenden und lebensbedrohlichen Verlauf, sodass letztlich eine Lungentransplantation erforderlich ist. „Charakteristisch für die pulmonale Hypertonie ist der krankhaft erhöhte Blutdruck im Lungenkreislauf, der zu Atemnot und verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit führt“, erklärt der Gießener Lungenforscher Prof. Dr. Ralph Schermuly, Zentrum für Innere Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Er forscht mit seinem Team am Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL, Hauptsitz an der Justus-Liebig-Universität Gießen) an neuen Therapien gegen Lungenhochdruck. Der unheilvolle Kreislauf bei dieser Krankheit: Damit die Lunge gut durchblutet wird, muss das rechte Herz stark pumpen, was langfristig zu mehr Muskelmasse des rechten Herzens und schließlich zu einer Herzmuskelschwäche führt.

Die Gießener Lungenforscherinnen und -forscher haben nun einen neuen Therapieansatz für Lungenhochdruck entwickelt: In einer aktuellen Studie belegen sie eine Verbesserung der experimentellen pulmonalen Hypertonie durch die Gabe des Braunalgenextraktes Fucoidan (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Online-Veröffentlichung am 17.12.2018). Chemisch gesehen sind Fucoidane Zuckerverbindungen mit angehängten Schwefelgruppen (sulfatierte Polysaccharide) und einem Fucose-Rückgrat, die hauptsächlich in braunen Meeresalgen vorkommen. In Japan und anderen asiatischen Ländern wird Fucoidan seit Jahrhunderten als natürliches Heilmittel mit antientzündlichen, antitumorösen und die Blutgefäße schützenden Eigenschaften verwendet.

Diese Symptome der pulmonalen Hypertonie wurden im Experiment durch die Gabe von Fucoidan deutlich abgeschwächt und der strukturelle Umbau der Lungengefäße verhindert. Die Wissenschaftlerin Dr. Tatyana Novoyatleva vom Universities of Giessen and Marburg Lung Centre (UGMLC) konnte auch den Wirkmechanismus aufklären: Fucoidan hemmt ein für die Immunreaktion wichtiges Protein (p-Selectin).

Ihren erfolgversprechenden therapeutischen Ansatz verfolgen die Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nun weiter, um einen möglichen Einsatz bei an Lungenhochdruck erkrankten Menschen zu erforschen.

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL e.V.) ist ein Zusammenschluss aus 29 führenden universitären und außeruniversitären Einrichtungen, die sich der Erforschung von Atemwegserkrankungen widmen. Im DZL wird die grundlagen-, krankheits- und patientenorientierte Forschung auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen koordiniert und auf internationalem Spitzenniveau durchgeführt, um so die Translation grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in neue klinische Konzepte zur Verbesserung der Patientenversorgung zu beschleunigen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.