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08.11.2021

Neue Regeln für die Diagnose und Behandlung von COPD

Die neue Leitlinie zur chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) wartet mit einigen Neuigkeiten auf: Zum Beispiel werden die Referenzwerte für die Lungenfunktionsmessung flexibler, aber der Einsatz von inhalativen Steroiden (CortisonCortison
Dies ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere auch selber herstellt. Es wird vor allem in Stresssituationen gebildet, reguliert aber auch das Immunsystem und kann überschießende Entzündungsreaktionen abschwächen. Cortison bewirkt ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut, verringert die Schleimproduktion, hemmt die allergische Reaktion und vermindert die Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien. Während Cortisontabletten in Abhängigkeit von der Dauer der Einnahme und der Dosis schwere Nebenwirkungen haben können, ist die Inhalation moderner Cortisonsprays auch in der Langzeitanwendung unproblematisch, auch wenn immer wieder in den Medien das Gegenteil behauptet wird.
) limitierter.

Bisher wurde für die spirometrische Diagnose der COPD ein starrer Grenzwert genutzt. Der Quotient aus Einsekundenkapazität und forcierter Vitalkapazität (FEV1/FVC) sollte nach Bronchodilatation unter 70 % liegen. Dieses Vorgehen ist zwar einfach, führt aber bei einem erheblichen Teil der älteren Patienten zur Überdiagnose. Ihnen wird eine COPD attestiert, obwohl sie nur eine physiologische Verschlechterung der LungenfunktionLungenfunktion
aufweisen. Umgekehrt wird das Lungenleiden bei jüngeren Menschen (? 55 Jahre) in mehr als 20 % der Fälle übersehen, wie eine retrospektive Analyse von über 17.000 Patienten ergab.

Die neue Nationale VersorgungsLeitlinie soll das Risiko für derartige Fehldiagnosen senken. Empfohlen wird, sich primär an den flexiblen Referenzwerten der Global Lung Initiative (GLI) zu orientieren. Demnach ist eine COPD anzunehmen, wenn der FEV1FEV1
Das so genannte FEV1 (= forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde) - das ist die Luftmenge, die der Patient mit aller Kraft und möglichst schnell innerhalb einer Sekunde ausatmen kann.
 
 
/FVC-Quotient niedriger ist als die untere Normgrenze für die jeweilige Altersgruppe. Das bisherige Kriterium, ein Tiffeneau-Index < 70 %, sollte nur angewandt werden, wenn es keinen GLI-Referenzwert gibt.

Wichtige Änderungen betreffen auch die medikamentöse Langzeitbehandlung. Man unterscheidet nun zwei Situationen: Dominieren Symptome und eingeschränkte Lungenfunktion das Bild oder leidet der Patient vorwiegend unter wiederholten Verschlechterungen (Exazerbationen)? In beiden Fällen sind lang wirksame Anticholinergika (LAMA) und Beta-2-Mimetika (LABA) die Basistherapie.

Inhalative Kortikosteroide (ICS) kommen zusätzlich in Betracht, wenn unter LAMA/LABA weiterhin vorrangig Exazerbationen auftreten. Die Indikation für ICS sollte regelmäßig überprüft werden, was nach Einschätzung der Leitlinienautoren derzeit noch zu selten geschieht. Ein Absetzen wird empfohlen, falls die Zahl bestimmter Entzündungszellen, der Eosinophilen, im Differenzialblutbild unter 100 Zellen/µl liegt und sich keine Asthmakomponente eruieren lässt. Denn dann sind ICS nach aktueller Datenlage wahrscheinlich nicht wirksam. Auch wenn Patienten unter der Steroidbehandlung eine Lungenentzündung entwickeln, ist ein Steroidverzicht wegen des erhöhten Rezidivrisikos sinnvoll. Bei hoch dosierten ICS kann eine langsame Dosisreduktion diesen Schritt erleichtern. Unerlässlich ist eine ärztliche Kontrolle des Befunds einige Wochen nach dem Absetzen bzw. bei einer Verschlechterung der Symptome.

Der Erfolg der COPD-Therapie steht und fällt damit, dass der Betroffene sich selbst zu helfen weiß. Deshalb empfiehlt die Leitlinie, allen Patienten einen schriftlichen Aktionsplan auszuhändigen. Dieser kann z.B. auf der Seite der Atemwegsliga heruntergeladen werden: www.atemwegsliga.de/informationsmaterial-COPD.html. Er hilft dem Patienten, immer die richtige Medikation in korrekter Dosis einzunehmen und Verschlechterungen rechtzeitig zu erkennen. Außerdem wird übersichtlich dargestellt, was im Notfall zu tun ist.

Quelle: Medical Tribune vom 8.10.2021; Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, AWMF-Register-Nr. nvl-003, www.awmf.org