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07.08.2013

Neue Medikamente zur Behandlung der COPD in Entwicklung

Die aktuelle Situation in der medikamentösen Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist - nachdem viele Jahre keine neuen Entwicklungen auf dem Markt gekommen sind - wieder äußerst spannend. Deshalb wird Prof. Dr. A. Gillissen von der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin in Kassel neben aktuellen Medikamenten vor allem auch die in der Pipeline steckenden Wirkstoffe zur Behandlung von COPD in seinem Vortrag vorstellen, den er auf dem 6. Symposium Lunge am Samstag, den 12. Oktober 2013 in Hattingen halten wird.

Die bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verordneten Medikamente werden bis auf einige wenige Ausnahmen vorzugsweise inhalativ angewendet. Im Notfall können die meisten Substanzen (Kortikosteroide, ß2-Mimetika) auch intravenösintravenös
Gabe von Medikamenten über eine Vene. Das Gefäß wird dazu mit einer Nadel punktiert. Anschließend wird eine kleine Plastikkanüle in die Vene geschoben und eine Infusion angeschlossen. Sobald diese beendet ist, wird die Plastikkanüle wieder entfernt.
verabreicht werden.

Die aktuelle Situation in der COPD-Therapie ist - nachdem viele Jahre keine neuen Entwicklungen auf dem Markt gekommen sind - wieder äußerst spannend. Neue Substanzen und Medikamentenkombinationen von diversen Firmen befinden sich in der medizinischen Prüfung und werden 2013 oder später auf den Markt kommen. Die Entwicklung für neue Pharmaka hat im Augenblick folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklung neuer langwirksamer inhalativer Anticholinergika
  • Entwicklung neuer langwirksamer ß2-Mimetika
  • Fixkombinationen, bestehend aus einem oder zwei Substanzen in einem

Wenn man die Kombinationen einmal außer Acht lässt, steht die Neuentwicklung von Pharmaka zur COPD-Therapie auf zwei Säulen: Erstens der Entwicklung von antientzündlichen und zweitens von bronchialerweiternden Substanzen.

Beispiele zukünftiger antientzündlich wirkender Medikamente
Es sind viele Mechanismen bekannt, auf deren Grundlage die bronchiale Entzündung bei der COPD beruht, welche EnzymeEnzyme
Das sind (für den Stoffwechsel aller Lebewesen) unentbehrliche Eiweißkörper, die als Biokatalysatoren biochemische Vorgänge ermöglichen, sie beschleunigen und in eine gewünschte Richtung ablaufen lassen, ohne selbst dabei verändert zu werden. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Enzyme, jedes ist für einen bestimmten Vorgang zuständig. Enzyme funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, das heißt jedes Enzym hat eine spezielle Eiweißstruktur, die es befähigt, den Stoff, dessen Reaktion es steuern soll, gezielt zu erkennen (Substratspezifität). So sind im Organismus gleichzeitig eine Vielfalt von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen möglich. 
eine Rolle spielen, welche Zellen aktiviert sind und welche Entzündungsmediatoren diese frei setzen. Somit liegt der Gedanke nahe, diese Entzündungswege zielgerichtet zu blockieren. Ein guter Kandidat ist die p38 MAP Kinase (Mitogen activated protein kinase). Kinasen regulieren Entzündungsabläufe und deren Hemmung könnte die nachgeschaltete Entzündung reduzieren. Eine andere Möglichkeit besteht in der Hemmung potenter ZytokineZytokine
Das sind körpereigene Substanzen (Peptide), die vom Immunsystem (von aktivierten T-Zellen u.a.) freigesetzt werden, um die Bildung von Abwehrzellen und Entzündungszellen anzukurbeln. Zytokine tragen auch zur Reparatur von Gewebeschäden bei und wirken als Wachstumsfaktoren auf viele Zellen ein.
 
, einer weiteren Gruppe von Entzündungsmediatoren. Ein wichtiger Kandidat stellt TNF (tumor necrosis factor) dar, wobei in der Rheumatologie mit TNF-Hemmern schon positive Erfahrungen gesammelt wurden. Oder man könnte die genetische Umschreibung einer pro-entzündlichen Antwort über die Hemmung von sogenannten Transkriptionsfaktoren negativ beeinflussen. Etwas mehr an der möglichen praktischen Umsetzung steht die Entwicklung von den Phosphodiesteraseinhibitoren (PDE4-Hemmern), von denen seit ca. zwei Jahren das Roflumilast für die COPD-Therapie zugelassen wurde. Neuentwicklungen zielen darauf ab, die Nebenwirkungen eventuell auch mittels einer inhalativen Anwendungsform zur reduzieren und die Wirksamkeit von Substanzen aus dieser Substanzklasse zu steigern.

Beispiele zukünftiger bronchialerweiternder Medikamente
Zunächst ist die Entwicklung neuer bronchialerweiternder Medikamente auf die Optimierung schon bekannter ß2-Mimetika und Anticholinergika fokussiert. Zudem wird versucht, auf chemischem Weg Hybridmoleküle herzustellen, die sowohl den ß2-Rezeptor aktivieren als auch anticholinergisch wirken. Wie auch bei der Entwicklung neuer antientzündlich wirkender Moleküle wird bei den bronchialerweiternden Medikamenten auf die Erkenntnisse der Grundlagenforschung zurückgegriffen. Mögliche Angriffspunkte wären der EP4-Rezeptor, über den das Prostaglandin E2 seine bronchialerweiternde Wirkung entfaltet. Eine andere diesbezüglich interessante Wirkungsstelle für Medikamente sind die sogenannten bitter taste-Rezeptoren (TAS2Rs) der Zunge, die sich aber auch im Bronchialepithel nachweisen lassen. Deren Aktivierung führt ebenfalls zu einer Erweiterung der Bronchien.

Alle diese jetzt vielleicht exotisch klingenden Entwicklungen wurden schon mit Substanzen tierexperimentell evaluiert. Aus Erfahrung wissen Wissenschaftler und die pharmazeutische Industrie, dass leider die meisten Neuentwicklungen - so logisch und erfolgsversprechend deren zugrunde liegenden Mechanismen und Hypothesen auch sind - nicht die Marktreife erreichen. Trotzdem bleibt es spannend und wir werden in der Zukunft immer wieder neue Präparate bekommen, die helfen, die COPD noch besser zu therapieren.

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. A. Gillissen von der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin in Kassel, auf dem 6. Symposium Lunge am Samstag, den 12. Oktober 2013 in Hattingen.
Anfragen bezüglich des Symposiums richten Sie bitte an:

Organisationsbüro Symposium-Lunge 2013
Jens Lingemann
symposium-org@copd-deutschland.de
Telefon: 02324 - 999 959

Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier: Symposium-Lunge 2013