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09.07.2018

Neue Krebswirkstoffe auch gegen Lungentumore einsetzbar

Neu entwickelte Wirkstoffe gegen Krebs - so genannte SHP2-Inhibitoren – können offenbar auch besonders aggressive und schwer therapierbare Tumore wie Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs bekämpfen…

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Ein neuer Anti-Krebswirkstoff könnte künftig gegen mehr Krebsarten eingesetzt werden, als bisher angenommen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigte im Mausmodell und an Patientenproben, dass eine neue Wirkstoffklasse - so genannte SHP2-Inhibitoren - auch gegen aggressive und schwer therapierbare Tumore wie Lungenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs wirken (siehe Nature Medicine, Online-Veröffentlichung am 28.5.2018). In laufenden klinischen Studien sind diese Krebsarten bisher ausgeschlossen.

LungenkrebsLungenkrebs
Das ist der im Brustkorb gelegene Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem die Brusteingeweide untergebracht sind - also das Herz, zugehörige Nerven, Gefäße und Lymphknoten. Die Pleuren (Rippen- und Lungenfell), welche die beiden Brustfellhöhlen mit den Lungenflügeln auskleiden, bilden eine Trennwand zwischen Mediastinum und Lunge. Nach vorne und hinten wird dieser Raum vom Brustbein und der Brustwirbelsäule begrenzt, von oben und unten erstreckt er sich etwa ab Höhe des Schlüsselbeins bis hinunter zum Zwerchfell. 
- und Bauchspeicheldrüsenkrebsarten werden auch als KRAS-Tumore bezeichnet, da sie einen Fehler im Erbgut gemeinsam haben. Diese Mutation, führt dazu, dass das KRAS-Protein, das unter anderem für die Zellteilung verantwortlich ist, nicht mehr korrekt funktioniert und dauerhaft aktiv ist. Aus diesem Grund teilt sich die Zelle unkontrolliert und Tumore entstehen. Diese KRAS-Tumore machen etwa ein Drittel aller menschlichen Tumore aus. Das Problem: Das KRAS-Protein ist auch in gesunden Zellen aktiv und so wichtig, dass es sich therapeutisch nicht einfach ausschalten lässt.

Deshalb haben Prof. Hana Algül, Mildred-Scheel-Professor für Tumormetabolismus und Leiter der Gastrointestinalen Onkologie der Medizinischen Klinik II am Klinikum rechts der Isar, und sein Team sich auf die Suche nach anderen Angriffspunkten gemacht. „Man glaubte bisher, dass die KRAS-Mutation so starke Auswirkungen hat, dass Angriffe an anderen Stellen folgenlos bleiben würden.“ erläutert Prof. Agül. Die Forscherinnen und Forscher bewiesen in ihrer neuen Studie aber das Gegenteil: Sie zeigten, dass das regulatorische Protein SHP2, entgegen der bisherigen Annahme in der Fachwelt, auch in KRAS-Tumoren ein geeignetes Ziel für Medikamente ist und dass die neuen SHP2-Inhibitoren wirken.

Die Forschenden arbeiteten unter anderem mit Mäusen, die ein fehlerhaftes KRAS-Protein hatten. Entfernten sie zusätzlich das Protein SHP2 bei den Tieren, bildeten diese keine Tumore mehr. Das Forschungsteam konnte somit beweisen, dass SHP2 für die Tumorbildung essentiell ist und deshalb SHP2 auch in den aggressiven KRAS-Tumoren ein entscheidendes Ziel für Therapien sein könnte.

Die Ergebnisse bestätigten sich, als sie die neuen SHP2-Inhibitoren im Mausmodell einsetzten: Bestehende Tumore wuchsen unter Einsatz des SHP2-Hemmstoffs langsamer und konnten besser kontrolliert werden.

Künftig könnte sich möglicherweise auch ein weiteres Problem bei der Therapie von KRAS-Tumoren lösen lassen: Ihre häufige Entwicklung von ResistenzenResistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln - das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam.
Resistente Erreger entwickeln sich - insbesondere bei großen Erregermengen - entweder durch spontane Genveränderungen (Mutationen) oder durch selektive Vermehrung (Selektion) von natürlich vorkommenden resistenten Bakterien-Subpopulationen, z.B. aufgrund einer unzureichenden oder zu früh abgebrochenen Therapie.
gegen Medikamente. Das Team testete den neuen Wirkstoff in Kombination mit sogenannten MEK-Inhibitoren, die bereits therapeutisch eingesetzt werden. „Sie sind zwar wirkungsvoll, erzeugen aber bei vielen Patienten schon nach kurzer Zeit resistente Krebszellen“, erklärt Katrin Ciecielski, Mitautorin der Studie. Der neue SHP2-Inhibitor, so zeigte die Studie, machte die resistenten Krebszellen auch wieder zugänglich für die alten MEK-Inhibitoren. Eine Kombination beider Wirkstoffe könnte somit eine neue Therapiemöglichkeit bei resistenten Tumoren sein, meint Hana Algül.

„Wir zeigen, dass diese neue Wirkstoffklasse sowohl alleine als auch kombiniert Erkrankten künftig helfen könnte. Für viele Patientinnen und Patienten kann das lebensverlängernd sein“, betont Prof. Algül. Er empfiehlt daher, Patienten mit aggressiven KRAS-Tumoren in die laufenden klinischen Studien aufzunehmen.

Quelle: Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Fotos: https://mediatum.ub.tum.de/1444702