LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

18.06.2018

Neue Klasse von Antibiotika gegen Tuberkulose im Test

Die klinische Erprobung eines neu entwickelten Medikaments gegen Tuberkulose startet – einem in Deutschland entwickelten Antibiotikum, das auch gegen multiresistente Erreger wirksam ist.

Das erste in Deutschland entwickelte Antibiotikum gegen Tuberkulose wird jetzt klinisch erprobt. Die neu entwickelte Prüfsubstanz mit der Bezeichnung BTZ043 ist auch gegen multiresistente Erreger wirksam, die weltweit eine Behandlung zunehmend erschweren. Das Projekt wird von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Instituts (HKI) in Jena geleitet. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Konsortium InfectControl 2020 unterstützen einen Großteil der Studien.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Problem der Antibiotikaresistenz weltweit dramatisch verschärft. Wir stehen heute vor der Herausforderung, dass es immer mehr unempfindliche (resistente) Keime gibt, gegen die nur noch wenige Antibiotika helfen. Im Falle der Tuberkulose ist die Situation besonders schwierig, denn für ihre Behandlung müssen nach wie vor mehrere Antibiotika gleichzeitig verabreicht werden. Hinzu kommt, dass die Tuberkulose verursachenden Mykobakterien über viele Mechanismen verfügen, um sich gegen die Wirkung einzelner Antibiotika zu schützen. Um neue Therapieformen zu entwickeln, werden daher dringend mehrere neue Wirkstoffe benötigt, idealerweise mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.

BTZ043 ist die am HKI in Jena entdeckte Substanz einer neuen Klasse von Antibiotika – chemisch den Benzothiazinonen zugehörig. „Der Wirkstoff bindet irreversibel an ein Enzym, das zum Aufbau der Bakterienzellwand gebraucht wird“, erklärt Dr. Florian Kloß, Leiter der Transfergruppe Antiinfektiva im Rahmen des Konsortiums InfectControl 2020 am HKI. „Dieses Enzym kann dadurch nicht mehr arbeiten, in den Zellwänden der Mykobakterien entstehen Löcher und sie laufen aus“, ergänzt DZIF-Wissenschaftler Prof. Michael Hoelscher, Direktor des Tropeninstituts der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dieser Angriff auf die Tuberkuloseerreger sei so gezielt, dass nur die Mykobakterien, nicht aber andere Bakterien bekämpft werden.

Nach Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Ethikkommission der Bayerischen Landesärztekammer können nun die ersten Probanden für die klinische Erprobung von BTZ043 rekrutiert werden. Unter Leitung von Prof. Hoelscher werden bis zu 40 in freiwillige Teilnehmer am Studienzentrum der Firma Nuvisan Neu-Ulm das Antibiotikum erhalten. „Wir wollen sicherstellen, dass das Medikament im Körper aufgenommen und gut vertragen wird. Hierzu wird eine sehr geringe Dosis einmalig verabreicht, die dann bei den nächsten Probanden Schritt für Schritt erhöht wird“, erklärt Hoelscher das Vorgehen. Ziel der Studie ist es, die Dosierung zu erreichen, die im Tiermodell eine gute Wirksamkeit gezeigt hat. Diese wirksame Dosis liege weit unter der Höchstmenge, die die Tiere noch gut vertragen haben.

Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung