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10.12.2009

Nasenspülung nicht dauerhaft, sondern nur bei akuten Infekten anwenden

Eine Nasendusche kann bei akuten Infekten der Nasennebenhöhlen helfen, die Beschwerden zu lindern. Von einer dauerhaften Anwendung muss aber dringend abgeraten werden, weil dies mehr schadet als nutzt. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover aufmerksam.

Nasenspülungen sollten nur bei akuten Infektionen der Nasennebenhöhlen und dann nicht länger als eine Woche täglich angewendet werden. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover. „Wer dauerhaft über einen längeren Zeitraum seine Nase mit einer Salzlösung spült, läuft Gefahr, sie ihres natürlichen Immunschutzes zu berauben“, erläutert Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der DLS. „Denn in der Nasenschleimhaut sind wichtige Immunzellen enthalten, die Abwehrstoffe wie z.B. ImmunglobulinImmunglobulin
Das sind Antikörper in Form von Eiweißstoffen (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der so genannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden und die so entstehenden Immunkomplexe unschädlich gemacht werden.
Erhöhte Ig-Mengen weisen auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
IgA und IgG, Lactoferrin, Lysozym, Alpha- und Beta-Defensin produzieren und deren Zusammensetzung sich verändert, wenn sie ständig ausgewaschen werden. Außerdem schädigt das ständige Spülen mit einer hypertonen (wie auch übrigens mit einer hypotonen) Salzlösung den so genannten Flimmerepithelteppich der Nase. Das sind Millionen von Zellen mit rhythmisch schlagenden Häärchen, deren Aufgabe es ist, eingedrungene Staubteilchen und Bakterien wie auf einem Förderband nach außen oder in Richtung Rachen abzutransportieren. Infektionen können also nicht mehr so effektiv abgewehrt werden, wenn der Immunschutz und die Reinigungsfunktion der Nasenschleimhaut gestört ist.“

Häufigere und wiederkehrende Infektionen durch vermeintlich vorbeugende Therapie

Manche Leute schwören auf eine tägliche Nasenspülung, weil sie meinen, dadurch Infektionen der Nasennebenhöhlen vorbeugen zu können. „In Wahrheit aber fördern sie wiederkehrende Infektionen mit dieser Art von Therapie“, warnt Morr. Das hat eine Studie ergeben, die Anfang November auf der Jahreskonferenz des American College of Allergy, Asthma & Immunology in Miami Beach vorgestellt wurde. Bei 68 Patienten, die unter wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen litten und täglich ihre Nasen mit einer Salzlösung spülten, wurde untersucht, wie oft es zu Infektionen kam – und zwar zum einen für zwölf Monate während fortlaufender täglicher Nasenduschen und zum anderen für 12 Monate nach Beendigung der Nasenmanipulation. Tatsächlich sank die Häufigkeit wiederkehrender Entzündungen der Nasennebenhöhlen um 63 Prozent, als die Studienteilnehmer auf ihre tägliche Nasenspülung verzichteten. Auch in einem anderen Experiment, für das 24 Studienteilnehmer über 12 Monate täglich ihre Nasen mit einer Salzlösung spülen sollten, traten wiederkehrende Infektionen der Nasennebenhöhlen um 50 Prozent häufiger auf als in der Kontrollgruppe. „Bei akuten Infekten ist also die tägliche Anwendung einer Nasendusche über mehrere Tage bis zu einer Woche durchaus empfehlenswert. Diese hilft, den eitrigen Schleim in den entzündeten Nasennebenhöhlen zu verflüssigen, so dass er besser abfließen kann, was die Beschwerden der betroffenen Patienten dann lindert“, betont Morr. „Von einer dauerhaften Anwendung einer Nasendusche muss aber dringend abgeraten werden, weil dies mehr schadet als nutzt. Und noch eins : Bei wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen sollte man am besten einen Facharzt aufsuchen, der die Ursache feststellen und entsprechend behandeln kann. Möglicherweise liegt ja ein unbehandelter allergischer Schnupfen vor oder aber ein schwelender Infektionsherd, der mit geeigneten Antibiotika behandelt werden muss.“