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06.10.2009

Nachlese Symposium Lunge 2009

Wer am 3. Oktober nicht an der Veranstaltung in Hattingen für Patienten mit COPD und Asthma sowie für deren Angehörigen teilnehmen konnte, kann hier die wichtigsten Dinge nachlesen. Zudem sind alle gehaltenen Vorträge der namhaften Referenten und Lungenspezialisten auf DVD aufgezeichnet worden, die bald über die Veranstalter erhältlich sein wird.

Am 3. Oktober 2009 fand in Hattingen an der Ruhr (NRW), das Symposium Lunge 2009 statt, das in diesem Jahr unter folgendem Motto stand: COPD und Lungenemphysem: Welches sind die entscheidenden Therapiesäulen? Von der Prophylaxe bis zur operativen Behandlung.

Trotz Regen und Sturm besuchten auch in diesem Jahr 1247 Betroffene, Angehörige, Ärzte und andere Interessierte das zum dritten Mal stattfindende Symposium, welches sich nicht nur an Patienten mit einer chronisch–obstruktiven Lungenerkrankung (wie COPD - d.h. einer einengenden Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem bzw. -Überblähung oder aber oder mit Asthma bronchiale), richtet, sondern auch an die Angehörigen der Patienten, die bei der Bewältigung der Krankheit eine wichtige Rolle spielen. Zumal, wie Jens Lingemann betonte, vor allem die COPD nach wie vor hinsichtlich ihrer Belastungen für die Lebensqualität der Betroffenen und für das Gesundheitswesen in der Öffentlichkeit nur unzureichend wahrgenommen werde.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Jens Lingemann, dem Initiator und Organisator des Symposiums und gleichzeitigem Gründer und Koordinator der Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-COPD Deutschland sowie Vorsitzender des COPD-Deutschland e.V. Dabei wies er in seiner Begrüßung darauf hin, dass an der Organisation des Symposiums insgesamt drei Patientenorganisationen beteiligt waren: Neben der Selbsthilfegruppe Lungenemphysem-COPD Deutschland auch die Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.
sowie COPD-Deutschland e.V. Alle drei Veranstalter sind stets bemüht, durch ihre intensive Kooperation COPD-, Emphysem- und Asthmapatienten Rat und Hilfe anzubieten.

Auf der Basis einer richtigen Diagnose und der Akzeptanz der Therapie müssten Arzt und Patient die Erkrankung gemeinsam managen. Nur über ein ausgewogenes Verhältnis von Informationen, eigenem Krankheitsmanagement, Vorbeugung und der konsequenten Einhaltung der vom Arzt verordneten medikamentösen und physikalischen Therapien kann es den Betroffenen gelingen, trotz schwerer irreversibler Erkrankung und den damit einher gehenden Einschränkungen ein zufrieden stellendes Leben mit einer positiven Einstellung zu führen. Alle Bemühungen seien selbstverständlich nur dann erfolgreich, wenn man dem NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
absolut entsagt. Schaffe man dies nicht, ist eine schnell voranschreitende Verschlimmerung der Erkrankung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten.

Seine ganz persönliche Botschaft an alle Betroffenen und deren Angehörige lautete daher: Resignieren und kapitulieren Sie nicht vor Ihrer Erkrankung, im Gegenteil, lernen Sie MIT IHR zu leben! Trauen Sie nicht all den Aktivitäten nach, die Sie aufgrund Ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr machen können, sondern erfreuen Sie sich an all den Aktivitäten, die Sie noch problemlos umsetzen können. Genießen Sie jede Minute Ihres Lebens! Auch mit einem FEV 1-Wert von 15 % einer rund um die Uhr angewendeten Sauerstofftherapie und einer nächtlichen nicht invasiven Beatmung kann man noch Berge versetzen. Man muss die zu versetzenden Berge nur entsprechend seiner persönlichen Kräfte und Möglichkeiten auswählen.

Das Leben endet nicht mit der Diagnose COPD-Lungenemphysem. Es beginnt neu, nur auf eine andere Art und Weise als bisher. Winston Churchill hat einmal gesagt: Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen als man umgeworfen wird. Wenn man sich daran orientiere, dann könnte man der Krankheit noch lange trotzen.

Die gesamte Veranstaltung wurde wie bereits im Jahr 2008 wiederum von einem professionellen Filmteam begleitet. So wurden u. a. alle Vorträge von namhaften Referenten, die auf dem Gebiet der PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
national und international als Kapazitäten ihres Fachs anerkannt sind, aufgenommen. Diese werden auf eine DVD übertragen, die in einigen Monaten nach Fertigstellung angefordert werden kann. Darüber werden die Veranstalter zu einem späteren Zeitpunkt auf ihren Internetseiten über Einzelheiten informieren.
Die Teilnehmer, vor allem aber diejenigen, die das Symposium Lunge nicht besuchen konnten, können sich die Vorträge in aller Ruhe ansehen und anhören.

Im Anschluss an die Vorträge wurden, moderiert von Prof. Dr. med. Susanne Lang, Fragen von Patienten zu allen Aspekten der COPD von Prof. Dr. med. Helmut Teschler und Prof. Dr. med. Kurt Rasche beantwortet. Die Fragestunde dauerte rund 45 Minuten. Zusammengefasst lautete die Botschaft an die Patienten: Eine COPD kann - nach den heutigen Erkenntnissen - nicht geheilt werden, aber man kann lernen, mit einer COPD zu leben.

Außerdem wurden auf dem Symposium Lunge 2009 zwei Workshops für Angehörige von COPD- und Lungenemphysem-Patienten angeboten. Der erste Workshop beschäftigte sich mit der Bewältigung von Alltagsproblemen eines (schwer kranken) COPD-Patienten und wurde moderiert von Dr. rer. pol. Helmut Berck, dem Vorsitzenden der Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V. Es wurden praktische und realitätsnahe Lösungsansätze für die alltäglichen Herausforderungen, wie Waschen, Ankleiden, Essen, sowie sinnvolle organisatorische Maßnahmen diskutiert. Auf besonderen Wunsch der Teilnehmer ging Dr. Berck ausführlich auf die Rolle und die wichtigsten Maßnahmen der Angehörigen im Falle eines schweren Atmenotanfalls des Betroffenen ein.

Der zweite Workshop behandelte den psychologischen Umgang mit einem (schwer kranken) COPD-Patienten, Moderator war Dr. med. Michael Köhler, stellvertretender Vorsitzender der Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V. Der Referent Werner Cassel, Diplom-Psychologe in der pneumologischen Abteilung am Universitätsklinikum Gießen, erläuterte einleitend, dass auch ein Mensch mit einer schweren Krankheit wie COPD ein hohes Maß an Lebenszufriedenheit erlangen kann. Wichtig sei, dass er nicht mit seinem Schicksal hadere, gegebenenfalls die (meistens selbstverschuldeten) Ursachen der Erkrankung verdränge und sich in die Zukunft orientiere. Der Angehörige jedoch könne dies dem Betroffenen nicht abnehmen und ein zu vehementes Einfordern des „Blicks nach vorne“ würde häufig das Gegenteil bewirken. Es folgte ein sehr angeregter und persönlicher Austausch der Teilnehmer.

Auch die zusätzlich angebotenen, kostenlosen Serviceleistungen wurden von den Besuchern des Symposiums sehr rege in Anspruch genommen. Im Einzelnen waren dies:
Messungen der Lungenfunktionen

  • Messung des CO-Gehalts in der Ausatemluft
  • Kleine Lungenfunktionsmessung
  • Bestimmung der Sauerstoffsättigung im Blut
  • Test auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  • Messungen des persönlichen Peak-Flow-Wertes, des Blutdrucks, des Blutzuckers und des Körperfettanteils.
  • Bestimmung des Lungenalters und COPD-Klassifizierung gemäß GOLD 2006.

An den jeweiligen Messplätzen bildeten sich während des gesamten Tages lange Warteschlangen. Die Wartezeit wurde durchweg zum Erfahrungsaustausch untereinander genutzt. Ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt für alle Besucher war zudem die mit dem Symposium verbundene Informationsausstellung. Die dreißig Stände der unterschiedlichsten Aussteller waren stets dicht umlagert. Viele persönliche Auskünfte wurden gegeben, umfangreiches Informationsmaterial wurde mit nach Hause genommen. Zu den Ausstellern gehörten:

  • Unternehmen rund um die sichere, dauerhafte Versorgung mit Sauerstoff
  • renommierte Kliniken für die Durchführung von stationären Reha-Maßnahmen
  • Pharmaunternehmen, die über die Ursachen, die Diagnosen und die Therapien von chronischen Atemwegserkrankungen informierten
  • die drei veranstaltenden Patientenorganisationen selbst mit eigenen Informationsständen über ihre Aktivitäten und ihr Informationsmaterial
  • die Deutsche Atemwegsliga e. V. und die Deutsche Lungenstiftung e.V.
  • der Bundesverband der Organtranplantierten e.V.

In seinem Schlusswort dankte Jens Lingemann den Referenten, den Ausstellern, vor allem aber den Besuchern des Symposiums, die den erneuten Erfolg der Veranstaltung erst möglich gemacht haben. Das nächste, 4. Symposium - Lunge wird am 7. Mai 2011 erneut in Hattingen/Ruhr stattfinden.