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21.03.2012

Muskelschwund bei COPD möglichst frühzeitig mit Ernährungstherapie vorbeugen

Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sind häufig mangelernährt. In der Folge kann es zu Muskelschwund mit raschem Gewichtsverlust (Kachexie) und erhöhter Infektanfälligkeit kommen. Sowohl das körperliche Leistungsvermögen als auch das allgemeine Wohlbefinden der betroffenen Patienten nehmen immer weiter ab, ihre Prognose verschlechtert sich zusehends. Um dem vorzubeugen, sollten COPD-Patienten möglichst frühzeitig eine Ernährungstherapie machen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin.

Jeder fünfte Patient mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist mangelernährt, bei Patienten mit schwerer COPD sogar jeder zweite. In der Folge entwickelt sich ein ausgeprägter Eiweiß- und Energiemangel, so dass der Patient verstärkt Muskeleiweiß abbaut und vor allem Muskelmasse, Muskelkraft und Gewicht verliert (Kachexie). Gleichzeitig fehlen ihm Funktionsproteine, dadurch wird das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
geschwächt und die Infektanfälligkeit des Patienten steigt an. Letztendlich nehmen infolge der Mangelernährung sowohl das körperliche Leistungsvermögen als auch das allgemeine Wohlbefinden des Patienten immer weiter ab, und seine Prognose verschlechtert sich. Um dem vorzubeugen, sollten COPD-Patienten möglichst frühzeitig eine Ernährungstherapie machen. Dazu raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin.

Eiweißzufuhr im Vergleich zu Gesunden erhöhen

COPD-Patienten haben meist einen erhöhten Energieverbrauch aufgrund ihrer krankheitsbedingt erschwerten Atmung, nehmen gleichzeitig aber zu wenig Energie in Form von Nahrung zu sich, weil sie häufig unter Appetitlosigkeit, Atemnot beim Essen und Verdauungsproblemen infolge von Medikamenten leiden. „Um einem Verlust der Muskelmasse vorzubeugen, sollten COPD-Patienten die Eiweißzufuhr im Vergleich zu Gesunden erhöhen“, rät Prof. Dr. Joachim Bargon, Pneumologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik am St. Elisabethenkrankenhaus in Frankfurt/Main. Zum Erhalt der Muskelmasse werden 1,2–1,9 g Eiweiß pro kg Körpergewicht empfohlen, zum Muskelaufbau 1,6–2,5 g Eiweiß pro kg Körpergewicht. „Besonders günstig haben sich die folgenden Eiweißkombinationen erwiesen: Getreide mit Milchprodukten (z.B. Brot mit Käse, Nudelauflauf mit Käse, Grießbrei), Getreide mit Ei (z.B. Pfannkuchen, Getreidebratlinge) und Kartoffeln mit Milchprodukten oder Ei (z.B. Pellkartoffeln mit Quark, Kartoffelpüree mit Rührei).“

Genügend Vitamine, n3-Fettsäuren und Kalzium zuführen

Die Ernährung sollte auch vitaminreich sein – empfohlen werden mehr als 400 g Obst und Gemüse pro Tag. „Das lässt sich z.B. erreichen mit Milchshakes, Jogurts oder Quarkspeisen, die mit frischen Früchten, Obstsalat, Nüssen, Sahne und Eiscreme angereichert werden und sich gut als Snack für zwischendurch eignen“, berichtet Prof. Bargon. „Darüber hinaus sollte auf eine gute Versorgung mit n3-Fettsäuren geachtet werden, die anti-entzündliche Effekte haben und sich günstig auf das Immunsystem auswirken. Diese sind vor allem enthalten in fettreichen Salzwasserfischen (wie Lachs, Tunfisch, Hering oder Makrele), aber auch in Lein-, Walnuss- und Rapsöl. Leinöl passt z.B. gut zu Pellkartoffeln mit Quark und schmeckt auch im Müsli. Auch mit Walnüssen lässt sich der Speiseplan bereichern (z.B. in Form von Nusskuchen, Walnuss- oder Leinsamenbrot, Feldsalat mit Walnüssen und Walnussöl, Obstsalat oder Müsli mit Walnüssen). Wegen des hohen Osteoporose-Risikos sollten COPD-Patienten außerdem ausreichend Kalzium zuführen, z.B. in Form von Milch und Milchprodukten, kalziumreichem Mineralwasser, Gemüsesorten wie Grünkohl, Fenchel oder Brokkoli sowie Nüssen und Samen (insbesondere Sesam- und Leinsamen).“

Mit ausreichender Bewegung kombinieren

Wichtig ist es auch, die Ernährungstherapie mit regelmäßiger Bewegung und Lungensport zu kombinieren. „Dadurch können die Patienten ihre körperliche Belastbarkeit und ihre Lebensqualität deutlicher steigern als durch eine veränderte Ernährung allein. Denn ohne ausreichende Bewegung ist kein Muskelaufbau - und damit keine Steigerung der Belastbarkeit - möglich. Ernährungstherapie und Bewegungstherapie gehören also immer zusammen!“