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19.10.2020

Muskelschwäche bei Intensivstation-Patienten möglicherweise vermeidbar

Bei länger intensivmedizinisch behandelten Patienten tritt häufig eine Muskelschwäche (Critical Illness Myopathy = CIM) auf. Forscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster haben jetzt einen potenziellen Ansatz für die Behandlung der CIM gefunden.

Bei einer schwer verlaufenden Covid-19-Infektion, müssen viele Patienten künstlich beatmet werden. Bei bis zu 30 Prozent tritt darauffolgend eine Muskelschwäche - die sog. Critical Illness Myopathy (CIM) - ein. So bezeichnen Fachleute eine Muskelschwäche, die häufig bei länger intensivmedizinisch behandelten Patienten auftritt. Ein Forscherteam der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), hat jetzt einen potenziellen Ansatz für die Behandlung einer CIM gefunden (siehe Nature Communications, Online-Veröffentlichung am 8.9.2020).

Das Team beschreibt erstmals, was in einem Organismus geschieht, wenn man im SkelettmuskelSkelettmuskel
Besonderheit im Vergleich zu anderen Muskeln: Sie sind quergestreift und sitzen meist am Skelett fest. 
 
die Produktion des Muskelproteins Titin unterbindet. Dieses ist das größte Protein von Menschen und Wirbeltieren, das im Muskel Stabilität sowie Elastizität gewährleistet und als Sensor der Muskelkraft wirkt. Die Forscher deaktivierten Titin in den Organismen von Mäusen und konnten nachweisen, dass nach drei bis vier Wochen die Muskelkraft der Tiere stark absank. Diese Erkenntnisse können nun in der Forschung zur CIM angewandt werden.

Bei beatmeten Patienten führt die teilweise wochenlange und vollständige Ruhigstellung dazu, dass im Muskel kein Anreiz mehr für die Muskelproteinproduktion – und somit für das Muskelwachstum – besteht; die Titinfeder ist defekt. Die Folge: Das Muskelgewebe schwindet.

Die jetzt veröffentlichte Studie legt nahe, dass man einer CIM vorbeugen könnte, indem die peripheren Muskeln der Patienten während der Beatmungsphase gedehnt werden. Gerade im Hinblick auf die CoronaCorona
-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
und damit mehr zu beatmenden Menschen stimmen die Ergebnisse der Forscher aus Münster optimistisch.

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster