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03.04.2008

Musizieren mit Blasinstrumenten hilft gegen Atemnot

Durch das Spielen bestimmter Blasinstrumente können Patienten mit Asthma, Schlafapnoe oder MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
ihre Atemmuskulatur trainieren und dadurch ihre LungenfunktionLungenfunktion
wie auch ihre Lebensqualität steigern. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin hin.

Kinder mit Asthma bronchiale können durch Blasinstrumentspielen ihre körperliche und psychische Leistungsfähigkeit steigern und damit ihre Lebensqualität trotz chronischer Erkrankung verbessern. Das Erlernen eines Blasinstruments ist Asthma-Patienten daher durchaus zu empfehlen, raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). „Viele betroffene Eltern haben bisher befürchtet, dass ein Musizieren mit Blasinstrumenten die Atemwege zu sehr beanspruchen könnte, so dass sich das Asthma eher verschlechtern würde“, erläutert Lungenfacharzt Dr. Michael Kreuter von der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. „Im Gegensatz dazu konnte in verschiedenen wissenschaftlichen Studien gezeigt werden, dass asthmatische Kinder, die regelmäßig Blasinstrument spielen, ihre Lungenfunktion im Vergleich zu Nichtbläsern deutlich verbessern können. Das steigert die körperliche Leistungsfähigkeit, zudem erleiden solche Patienten auf Grund der besser trainierten Atemmuskulatur seltener eine Verschlechterung ihrer Erkrankung. Sogar Asthma bedingte Skelettverformungen – wie die so genannte Trichterbrust – bildeten sich bei jugendlichen Blasinstrumentalisten im Verlauf der Jahre wieder zurück! Darüber hinaus hat das Musizieren auf Blasinstrumenten aber auch einen psychologischen Nutzen, insbesondere bei Jugendlichen: So scheinen musizierende Patienten, die Spaß an der Erzeugung von Musik und der Kontrolle über das Instrument haben, emotional leistungsfähiger zu sein als Patienten, die kein Musikinstrument spielen, und können daher auch ihre Erkrankung psychisch besser bewältigen.“

Klarinette und Trompete besonders geeignet

Vor allem hohe Blasinstrumente wie Klarinette, Oboe und Trompete sind für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen geeignet. „Das liegt daran, dass je nach Blasinstrument ganz unterschiedliche Drücke in den Atemwegen erzeugt werden“, erklärt Kreuter. „Während bei den tiefen Blechbläsern, wie zum Beispiel Tuba, relativ niedrige Anblasdrücke ausreichen, um einen Ton zu erzeugen, erfordert das Spielen einer Oboe oder Klarinette das Erzeugen höherer Luftdrucke – und erzielt damit auch einen größeren Trainingseffekt für die Atemmuskulatur. Daher sind vor allem hohe Blasinstrumente bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen im Kindesalter empfehlenswert.“

Didgeridoo gegen Schlafapnoe, Mundharmonika bei Mukoviszidose

Auch das australische Didgeridoo, das den Blechinstrumenten von der Art der Tonererzeugung her ähnelt, ist bei der Therapie von obstruktiven Atemwegserkrankungen viel versprechend - und zwar zur Behandlung von Atemaussetzern im Schlaf (der so genannten obstruktiven Schlafapnoe). „Das Spielen auf diesem obertonreichen Blasinstrument ist ein ausgezeichnetes Training für die Hals-, Mund- und Atemmuskulatur“, berichtet Kreuter. „Patienten mit Schlafapnoe können durch tägliches Didgeridoospielen sowohl ihre Tagesmüdigkeit als auch die Häufigkeit von nächtlichen Atemaussetzern senken. Ein weiteres, nennenswertes Blasinstrument ist die Mundharmonika, die bei der Therapie junger Mukoviszidose-Patienten eingesetzt wird. Das beim Mundharmonika-Spielen intensivierte Atmen und die erzeugten Vibrationen können ähnlich effektiv wie eine Sporttherapie zur Sekretlockerung in den Atemwegen beitragen. Das Musizieren auf Blasinstrumenten ist also sowohl aus atemphysiologischen als auch aus psychosozialen Gründen als eine beachtenswerte, zusätzliche Therapieoption bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen anzusehen und sehr zu empfehlen.“