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28.07.2011

Möglichst tief in die kleineren Atemwege

Asthma betrifft das gesamte Bronchialsystem. Medikamente gegen Asthma sollten daher in Form möglichst feiner Partikel vorliegen, damit sie beim Inhalieren auch in die kleineren Atemwege vordringen können. Denn auch in den kleinsten Bronchialästchen sind bei Asthma Entzündungsprozesse und Verengungen anzutreffen, die durch entzündungshemmende und Bronchien erweiternde Medikamente gelindert werden sollen.

Bei Asthma bronchiale sind Entzündungsprozesse und Verengungen der Bronchien im gesamten Bronchialsystem nachzuweisen. Vor allem die kleinen Atemwege tragen wesentlich zur Ausprägung des Krankheitsbildes bei. Darauf haben Experten beim Respiration Day am 26.6.11 in Parma hingewiesen. Sie forderten, die neuen Erkenntnisse therapeutisch zu berücksichtigen und zur Behandlung Präparate zu wählen, die die Situation in den kleinen Atemwegen einbeziehen und ihre Wirkung bis in die Peripherie hinein entfalten. Die Asthmatherapie solle zugleich „personalisiert“, also auf den individuellen Patienten zugeschnitten (bzw. sich am jeweiligen Phänotyp orientierend) erfolgen.

Eine adäquate Asthmakontrolle setzt voraus, dass die verabreichten Wirkstoffe konsequent bis in die kleinen Atemwege hinein gelangen, die infolge ihrer großen Oberfläche die für das Krankheitsgeschehen relevante Region des Bronchialbaums darstellen. „Wir können auch in den kleinen Atemwegen strukturelle Veränderungen im Sinne eines Remodellings nachweisen“, berichtete Dr. Thais Mauad, Sao Paulo beim diesjährigen Respiration Day. Anhand von Autopsiebefunden konnte die Medizinerin darlegen, dass es in den kleinen Atemwegen zu einer Wucherung der oberen Gewebeschicht (Hyperplasie des Epithels) kommt, zu einer verstärkten Bildung von Gefäßen und insbesondere zu einer vermehrten Bildung der extrazellulären Matrix, zu einer Verdickung der Basalmembran und zu einer Zunahme der glatten Muskulatur.

Mittels der üblichen klinischen Diagnostik sind Veränderungen durch Remodelling allerdings nicht zu fassen, räumte die Pneumologin ein: „Auch in der Computertomografie (CT) können wir praktisch nur die großen Atemwege, nicht aber die Situation in der Peripherie darstellen“, sagte sie in Parma. Das dürfe aber nicht so interpretiert werden, als gäbe es diese Veränderungen nicht. Im Gegenteil: Die Situation in den kleinen Atemwegen ist nach Angaben von Dr. Marco Contoli aus Ferrara unbedingt therapeutisch zu berücksichtigen. Nur so sei nach seinen Worten eine möglichst vollständige Asthmakontrolle zu erreichen. Es sei Contoli zufolge daher wesentlich, bei der Therapie Präparate einzusetzen, die eine Inhalation der Wirkstoffe bis in die kleinen Atemwege gewährleisten. Dies setze möglichst feine Wirkstoffpartikel voraus. Nach Angaben von Dr. Christian Taube aus Mainz erreichen Partikel bis zu einer Größe von 5 μm üblicherweise nur Atemwege bis zur dritten Generation und Partikel mit einer Größe zwischen 3 und 5 μm gelangen bis zur achten Generation (siehe Geäst des Bronchialbaums).

Hilfreich bei der Auswahl eines für den Patienten geeigneten Medikaments sei, spezielle Asthma-Phänotypen zu formulieren, berichtete Prof. Dr. Klaus F. Rabe, Großhansdorf. Bedeutsam können dabei unterschiedliche Ausprägungen des Remodellings sein und auch ein unterschiedliches Alter des Patienten bei der Krankheitsmanifestation: „Meist ist die Asthmasymptomatik deutlich stärker ausgeprägt, wenn die Symptome erstmals im Erwachsenenalter auftreten“, sagte der Mediziner. Auch weitere potenzielle Biomarker wie beispielsweise die Frage, ob parallel ein Heuschnupfen (allergische Rhinitis) vorliegt oder nicht und wie häufig Exazerbationen auftreten, könnten nach seinen Worten therapeutisch relevant sein.

Von zentraler Bedeutung für den Therapieerfolg ist zudem die Therapietreue (Compliance) der Patienten, mahnte Prof. Dr. Jørgen Vestbo aus Kopenhagen. „Leider glauben viele Patienten, Medikamente seien Gift“, erklärte der Mediziner. Bei solchen Patienten seien die Voraussetzungen für eine hohe Therapietreue denkbar schlecht. Dann seien intensive Aufklärungsgespräche wichtig und es wäre laut Vestbo unbedingt ratsam, eine Fix-Kombination zu verordnen, damit der Patient tatsächlich neben dem Betamimetikum auch das Steroid inhaliert. „Beim Asthma haben in puncto Compliance Fix-Kombinationen einen Durchbruch erzielt“, pflichtete Prof. Paul M. O´Byrne bei.

Quelle: Journalmed