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25.08.2014

Mögliche Blockade für das MERS-Virus

Das MERS-Virus gehört wie der SARS-Erreger zu den gefährlichen Coronaviren. Bisher gibt es dagegen keine Medikamente, geschweige denn eine Impfung. Nun hat eine internationale Forschergruppe einen möglichen Weg entdeckt, wie sowohl das MERS- als auch das SARS-Virus blockiert werden könnten.

MERS - die Abkürzung steht für Middle East Respiratory Syndrome – ist ein Virus, das dem SARS-Erreger ähnelt, und zu Nierenversagen und Lungenentzündung führen kann. Mehr als 40 Prozent der infizierten Patienten sterben – eine Impfung gibt es bislang nicht. Seit 2012 steckten sich im Mittleren Osten über 500 Menschen an. Sprunghaft angestiegen sind die Infektionen seit März dieses Jahres. Am stärksten betroffen mit fast 700 Fällen und 282 Todesopfern ist Saudi-Arabien. Aus den USA wurden jüngst zwei Infektionsfälle gemeldet.

Auf der Suche nach einem Mittel gegen Coronaviren, zu denen sowohl das MERS- als auch das SARS-Virus gehören, hat ein internationales Team unter der Führung von Prof. Volker Thiel, Universität Bern, und Prof. Edward Trybala, Universität Göteburg, Schweden, eine Substanz entdeckt, die sie K22 nennen (siehe PLOS Pathogens, Online-Veröffentlichung am 29.5.14). Die Forscher haben zunächst beobachtet, dass K22 die Vermehrung eines relativ harmlosen Coronavirus, das im Menschen Schnupfen hervorruft, hemmt. Anschließende Experimente zeigten jedoch, dass die Substanz gegen alle getesteten Coronaviren, einschließlich MERS- und SARS-Coronavirus, wirkt. Die Forscher konnten auch zeigen, dass die Viren auf menschlichen Lungenepithelzellen, die in den oberen Atemwegen die Eintrittspforte von MERS- und SARS-Erregern darstellen, effektiv gehemmt werden können.

Auf der Suche nach dem Mechanismus der Hemmung konnten sie beobachten, dass K22 in menschlichen Zellen bereits sehr früh in den viralen Lebenszyklus eingreift. Menschliche Zellen sind in zahlreiche Bereiche (sog. Kompartimente) aufgeteilt. Zum Beispiel den Zellkern, der das Erbmaterial enthält, oder Mitochondrien, die das Kraftwerk der Zelle darstellen. Jedes Kompartiment ist von Membranen umhüllt. Um sich in der Zelle zu vermehren, benutzen Viren solche Membranen und formen sie nach ihren Bedürfnissen um. Dadurch schaffen sie sich eine optimale Umgebung, in der sie sich geschützt vor den Zell-Abwehrmechanismen vervielfältigen können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass K22 gezielt die Umformung der zellulären Membranen hemmt und somit das Entstehen von Virusfabriken in der Zelle schon im Ansatz verhindert.

„Die außerordentliche Effizienz, mit der K22 die Virusvermehrung hemmt, bestätigt, dass die Viren bei der Umformung von zellulären Membranen zur Virusvermehrung angreifbar sind“, erläutert Volker Thiel. Dieser Prozess stellt laut den Autoren der Studie sozusagen die Achillesferse des viralen Lebenszyklus dar.

Da viele Viren sich auf dieselbe Art vermehren wie Coronaviren, sollte es möglich sein, so genannte Inhibitoren zu finden, die auch bei zahlreichen anderen Viren gleich wirken. Die Autoren geben allerdings zu bedenken, dass es sich bei der Entdeckung von K22 und des neuartigen Wirkungsmechanismus nur um einen ersten, präklinischen Schritt auf dem Weg zu einer therapeutischen Anwendung handle. „Eine wichtige Lektion der vergangen SARS- und der momentanen MERS-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
ist jedoch, dass dringend Mittel in die Entwicklung von effizienten Medikamenten investiert werden müssen – damit wir in der Zukunft auf Coronavirus-Ausbrüche besser vorbereitet sind und diese Infektionen behandeln können“, meint Thiel.

Quelle: Universität Bern