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13.06.2022

Mit Lungenhochdruck ins Gebirge?

Ein Ausflug in die Berge sollte für Patienten mit LungenhochdruckLungenhochdruck
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
(pulmonaler arterieller Hypertonie) kein Problem sein: die Mehrzahl kann einen Tagesaufenthalt auf 2.500 m Höhe riskieren.

So mancher Patient mit Lungenhochdruck (pulmonaler Hypertonie) würde gerne mal wieder die Aussicht von einem Berggipfel genießen. In Leitlinien wird ihnen jedoch vor dem Aufenthalt in der Höhe abgeraten. Mit steigender Höhe nimmt der Luftdruck ab und der Sauerstoffpartialdruck ebenfalls. Diese Bedingungen in den Bergen (hypobar und hypoxisch) führen zu einem lokalen Sauerstoffmangel an den Lungenbläschen (alveoläre Hypoxie) und zu einer reflektorischen Verengung der Blutgefäße in den betreffenden Lungenabschnitten. Ein Aufenthalt in den Bergen kann insofern zu einer raschen Gefäßverengung in der Lunge (pulmonalen Vasokonstriktion) mit Anstieg des Gefäßwiderstands in der Lunge und damit des Lungendrucks führen. Allerdings mangelte es bisher noch an Daten, was sich tatsächlich pathophysiologisch abspielt, wenn die Luft „dünner“ wird, und was das klinisch für die Patienten bedeutet.

Simon­ Schneider von der Universitätsklinik Zürich und Kollegen wollten dies in einer randomisierten Studie im Cross-over-Design herausfinden (siehe European Respiratory Journal Open Research, online seit 21.6.2021). 28 stabile Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie oder chronischer thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (die in Ruhe einen arteriellen Sauerstoffpartialdruck von ? 7,3 kPa aufwiesen) nahmen an der Studie teil. Sie wurden für die Dauer von 6–7 Stunden auf 2.500 m Höhe gebracht bzw. blieben auf 470 m, d.h. in Zürich. Getestet wurden sie jeweils in Ruhe sowie mit einer symptomlimitierten Fahrradergometrie bei konstanter submaximaler Belastung (60 %).

Nach mindestens drei Stunden Aufenthalt auf 2.500 m Höhe erwies sich die Belastungszeit im Vergleich zu der am Boden erheblich vermindert (um 27,6 %). In der Borg-Dyspnoe-Skala zeigten sich allerdings keine deutlichen Unterschiede. Auf dem Berg lag der arterielle Sauerstoffpartialdruck um 3,2 kPa niedriger als unten in Zürich. Die Herzfrequenz und der echokardiographisch gemessene Parameter TRPG (tricuspid regurgitation pressure gradient) erreichten höhere Werte. Nur drei Patienten (11 %) benötigten während des Höhenaufenthalts wegen eines anhaltenden Sauerstoffmangels (Hypoxämie) Sauerstoff.

Die Studie zeigt, dass die Mehrzahl der Patienten mit pulmonaler Hypertonie einen Tagesaufenthalt auf 2.500 m Höhe riskieren kann und gut verträgt, schlussfolgern die Autoren. Voraussetzung ist, dass sie klinisch stabil sind und keine Langzeitsauerstofftherapie (LOT) benötigen.

Quelle: Medical Tribune vom 17.2.2022