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23.04.2006

Mehr Zurückhaltung beim Einsatz von Antibiotika ist ratsam

Babys, die im ersten Lebensjahr mit Antibiotika behandelt werden, haben offenbar ein doppelt so hohes Risiko, später an Asthma zu erkranken, wie unbehandelte Kinder. Das wurde bei der Auswertung verschiedener großer Untersuchungen festgestellt.

Häufig liegen Mittelohrentzündungen und Atemwegserkrankungen wie eine Infektion der oberen Atemwege oder eine Bronchitis vor, wenn Säuglingen Antibiotika verordnet werden. Diese medikamentösen Bakterienkiller können allerdings bislang unbekannte Nebenwirkungen haben: So verdoppeln sie offenbar das Risiko der kleinen Patienten, später an einem Asthma bronchiale zu erkranken, wenn sie in den ersten zwölf Lebensmonaten verabreicht werden. Zu diesem Ergebnis kommen kanadische Wissenschaftler der Arbeitsgruppe von Carlo Marra an der „University of British Columbia“ in Vancouver, nachdem sie sieben verschiedene Studien mit insgesamt mehr als 12.000 Kindern ausgewertet haben. Rund 1800 der Kinder waren asthmakrank. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal Chest.

Offenbar könne eine einzige frühkindliche Antibiotika-Kur bereits ausreichen, um das Asthmarisiko derart zu erhöhen. Jede weitere Antibiotika-Therapie im ersten Lebensjahr würde das Risiko zusätzlich um das 1,16-fache steigern, wie eine Auswertung weiterer Studien mit mehr als 27.000 Kindern ergab. Die Forscher vermuten, dass antbiotische Medikamente nützliche Bakterien im Darm abtöten und dadurch die Entwicklung des kindlichen Immunsystems stören. Andererseits räumen sie ein, dass auch ein ganz anderer Zusammenhang zu Grunde liegen könnte: Kinder, die eine Veranlagung für Asthma haben, würden häufiger Atemwegsinfekte bekommen und müssten daher öfter mit Antibiotika behandelt werden. Doch unabhängig davon sollte die Notwendigkeit einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen grundsätzlich künftig sehr viel sorgfältiger abgewogen werden, empfiehlt Fawziah Marra, eine Mitautorin der aktuellen Chest-Studie. So müsse längst nicht jede Infektion im Kindesalter mit Antibiotika behandelt werden. „Für die meisten Infekte der oberen Atemwege sind schließlich Viren – und nicht Bakterien - verantwortlich. Gegen Viren sind Antibiotika aber wirkungslos“, betont Fawziah Marra.

Quelle: Chest (2006), Vol.129, Seite 610-618 , Zusammenfassung (abstract)