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01.07.2008

Mehr Schmerzen im Rücken

Bei langjährigen Rauchern ist das Risiko für die Entwicklung von chronischen Rückenschmerzen erheblich erhöht. Denn NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
fördert den Knochenabbau, was sich nach einem zehnjährigen Zigarettenkonsum bereits deutlich bemerkbar macht.

Der Zusammenhang zwischen Rauchen und der Verursachung von Krebs, Herz- und Atemwegserkrankungen ist hinlänglich bekannt und belegt. Langjähriges Rauchen kann aber auch zu chronischen Rückenschmerzen führen, wie eine Forschergruppe um Marcus Schiltenwolf von der Universität Heidelberg jetzt in einer Studie nachgewiesen haben, die im Deutschen Ärzteblatt (2008, Band 105/24, Seite 441-8) veröffentlicht wurde. Entscheidend sei dabei vor allem die Konsumdauer, also die Anzahl der Jahre, in denen Zigaretten geraucht wurden: Wer seit mehr als 16 Jahren raucht, hat bereits ein doppelt so großes Risiko, chronische Rückenbeschwerden zu bekommen, wie jemand, der weniger als 10 Jahre geraucht hat. Demgegenüber scheinen das Einstiegsalter oder die durchschnittliche Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten weitaus weniger ausschlaggebend zu sein. Das ergab eine Auswertung der Daten zur Gesundheit und zum Lebensstil von mehr als 8000 Menschen, die das Robert-Koch-Institut in Berlin erhoben hat.

Der schädigende Einfluss des Nikotins auf die Knochen lässt sich nach Angaben der Forscher folgendermaßen erklären: Nikotinkonsum führt kurzfristig zu einer Gefäßverengung und langfristig zu einer Gefäßverkalkung. Das führt zu einer verminderten Durchblutung und Mangelernährung nicht nur der inneren Organe, sondern auch der Knochen. Insbesondere der Knochenaufbau, der eigentlich stets im Gleichgewicht zum erfolgenden Knochenabbau erfolgen sollte, wird gestört. Dadurch kommt es eher zu degenerativen Veränderungen insbesondere im Bereich der Bandscheiben und der Rückenmuskulatur. Darüber hinaus sind im Tabakrauch zahlreiche giftige und Krebs erregende Stoffe enthalten, die zusätzlich zu einem beschleunigten Knochenabbau führen.

Theoretisch ist es möglich, dass viele Menschen, die unter chronischen Rückenschmerzen leiden, auch aus dem Grund rauchen, um ihre Schmerzen (vermeintlich) besser bewältigen zu können. Wie groß ihr Anteil unter den Rauchern ist, bleibt noch festzustellen. Nach Ansicht der Forscher würden solche Patienten ihren Zigarettenkonsum aber vermutlich eher aufgeben, wenn ihnen alternative Methoden der Schmerzbewältigung angeboten würden. Und: wenn ihnen der Zusammenhang zwischen Rauchen und noch mehr chronischen Rückenschmerzen bekannter und bewusster wäre.