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17.02.2011

Medizinische Trainingstherapie und Atemphysiotherapie bei COPD

Körperliches Training und Atemphysiotherapie sind bei der COPD unverzichtbare Komponenten einer Langzeittherapie. Jeder Betroffene sollte diese Maßnahmen nutzen können. Drei Schlüsselfragen zur erfolgreichen Umsetzung – nämlich das Warum, Wie und Wo - werden Dr. med. Karin Taube und Jan Kaufmann von der Atem-Reha Hamburg GmbH auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen näher erläutern.

COPD-Patienten wird empfohlen, bei ihrer Langzeittherapie unbedingt auch körperliches Training und Atemphysiotherapie im Rahmen einer Trainings- und Atemphysiotherapie zu integrieren. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen setzt aber auch voraus, dass die Betroffenen wissen warum, wie und wo.

Warum sind nicht-medikamentöse Maßnahmen ein unverzichtbarer Therapiebaustein?
Die COPD wird nicht mehr nur als lokalisierte Erkrankung der Lunge aufgefasst, sondern sie geht einher mit entzündlichen Veränderungen und deren Auswirkungen in anderen Organsystemen, z.B. in der gesamten Körpermuskulatur. Es entsteht eine Abwärtsspirale mit atemnotbedingter Inaktivität, zunehmendem Fitness-Verlust (Dekonditionierung), Immobilität und Depression. Eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie kann zwar eine Besserung erzielen, unverzichtbar und manchmal auch wirkungsvoller sind allerdings die nicht-medikamentösen Maßnahmen. Ein Eckpfeiler ist das körperliche Training, denn nur dadurch können die krankhaften Veränderungen der Muskulatur gebessert werden. Darüber hinaus wird eine depressive Stimmungslage positiv beeinflusst und die Atemnot vermindert.

Wie sollen körperliches Training und Atemphysiotherapie durchgeführt werden?
Körperliches Training
Bei der Durchführung muss zum einen berücksichtigt werden , inwiefern die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge und zum anderen die krankhaft veränderte Funktion der Muskulatur eingeschränkt ist. Als Trainingskomponenten spielen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination eine Rolle. Dabei kommt es wiederum auf drei Fragen an. Wie intensiv, wie lange und wie oft soll körperliches Training durchgeführt werden?
Training der Ausdauer
Günstige Ausdauersportarten für den COPD-Kranken sind Gehen, Walken, Laufen sowie Fahrrad-, Laufband- und Handkurbel-Ergometer. Bei der ‚Dauermethode’ wird ca. 20 Minuten trainiert. Die Intensität soll 50-70% der im Belastungstest erreichten Spitzenleistung betragen.
Bei der ‚Intervallmethode’ wechseln mehrere kurze Belastungen mit Erholungs-pausen ab. Diese Methode ist also schonender als die Dauermethode; sie wird zunehmend eingesetzt.
Training der Kraft
Die muskulären Veränderungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Leistungsfähigkeit, der Atemnot und bei den Verrichtungen des täglichen Lebens. Neben der häufig besonders geschwächten Beinmuskulatur soll auch die Muskulatur der Arme und des Rumpfes trainiert werden. Dazu werden Übungen an Kraftmaschinen sowie mit Hanteln und Theraband durchgeführt.

Atemphysiotherapie
Sog. Sekretretention
können die Erkrankung komplizieren du bedeuten für die Betroffenen, dass sie schlecht abhusten können und daher mehr Atem- und weitere Beschwerden haben. Mithilfe der Atemphysiotherapie lässt sich hierbei in drei Schritten eine Verbesserung erzielen. Dabei geht es jeweils um Methoden zur
- Sekretverflüssigung
- Sekretmobilisation
- Sekretelimination

Husten kann viele Ursachen haben und ist unbedingt abzuklären. Bleibt aber ein quälender, unproduktiver Reizhusten (d.h. ohne Auswurf) bestehen, so können Husten vermeidende Selbsthilfetechniken eingesetzt werden.

Atemnot in Ruhe oder bei Belastung hat verschiedene Ursachen:
- Die Verengung der Atemwege durch Instabilität und Elastizitätsverlust der Lunge ist bei COPD eine der wichtigen krankhaften Strukturveränderungen. Die Ein- und Ausatmung wird behindert, die Atemarbeit steigt.
- Die behinderte Ausatmung fördert die Überblähung der Lunge, besonders bei Belastung.
Zum Einsatz kommt hauptsächlich die sog. ‘dosierte Lippenbremse’ sowie die Ausatmung gegen ein Strohhalmstück. Dabei wird auch die Sauerstoffsättigung des BlutesSauerstoffsättigung des Blutes
Die Pulsoximetrie ist ein nicht-invasives Verfahren (d.h. für den Patienten schmerzlos, völlig ungefährlich und unblutig), mit dem die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes (Oximetrie) und die Herzfrequenz (Puls) ermittelt werden, ohne dabei ein Blutgefäß punktieren zu müssen.   
Die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff wird durch die Beladung des Hämoglobins mit Sauerstoff wiedergegegebn. Um die Sauerstoffsättigung zu ermitteln, macht man sich zunutze, dass das Hämoglobin in Abhängigkeit von der Beladung mit Sauerstoff das Licht bestimmter Wellenlängen unterschiedlich absorbiert.
Das Pulsoximeter ist ein kleines Gerät in Form eines Clips, der an einen Finger (Finger-Pulsoximeter) des Patienten oder an sein Ohrläppchen geklippt wird. Es rechnet die unterschiedlichen Abschwächungsgrade der Lichtabsorption in einen Wert um, der in Prozent angegeben wird. Zusätzlich kann es den Herzschlag bzw. peripheren Puls messen und die Frequenz über ein Display oder akustisch über einen Piep-Ton ausgeben.
verbessert. Ebenfalls zur Minderung von Atemnot kommen sog. ‚atemerleichternde Körperstellungen‘ (Kutschersitz, Torwarthaltung, Abstützen gegen eine Mauer) zum Einsatz.

Wo können nicht-medikamentöse Maßnahmen durchgeführt werden?
a. Frührehabilitation
Besteht bei schwerkranken Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt noch stationärer Behandlungsbedarf, so ist eine Frührehabilitation notwendig. Diese wird in einigen dafür spezialisierten Einrichtungen durchgeführt.
b. Atemphysiotherapie und gerätegestützte Krankengymnastik als Heilmittelverordnung
Atemphysiotherapie kann im ambulanten Bereich als Heilmittel verordnet werden. Dabei ist wichtig, dass der/die Physiotherapeut/in eine ausreichende Qualifikation besitzt und angemessene Räumlichkeiten und geeignete Trainingsgeräte zur Verfügung stehen.
c. Medizinische Rehabilitation
Die beste Möglichkeit, ein strukturiertes und intensives körperliches Training durchzuführen, ist während einer Rehabilitationsmaßnahme gegeben. In diesem Rahmen kann ein individueller Trainingsplan für den COPD-Kranken erarbeitet und eingeleitet werden. Auch atemphysiotherapeutische Inhalte können am besten in einer Reha vermittelt werden.
Die Effektivität der überwiegend stationären Rehabilitation bei COPD konnte hinsichtlich körperlicher Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und Gesundheitsverhalten direkt nach der Reha und auch noch bis zu 12 Monate später wissenschaftlich gesichert werden. Wohnortnahe, ambulante ganztägige Rehabilitation in der Lungenheilkunde gibt es bisher in Deutschland nur an wenigen Orten. Diese wird in der Regel über 15 Tage durchgeführt. Eine wissenschaftliche Untersuchung konnte auch hier signifikante Verbesserungen nachweisen.
d. Lungensport
In Deutschland besteht durch den Rehabilitationssport die Möglichkeit, die körperliche Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Teilnehmer/innen am Lungensport zeigten auch neun Monate nach Beendigung einer ambulanten Rehabilitationsmaßnahme eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit sowie eine verminderte Atemnot bei Alltagsaktivitäten. Rehabilitationsteilnehmer dagegen, die kein weiteres Training betrieben hatten, waren in ihrer Leistung wieder eingeschränkt und klagten verstärkt über Atemnot.
e. Häusliche Trainingstherapie in Eigenverantwortung
COPD-Patienten, die keine Möglichkeit haben, nach einer Rehabilitationsmaßnahme am Lungensport teilzunehmen, können eigenverantwortlich durch ein regelmäßiges Gehtraining die positiven Effekte der Reha aufrechterhalten. Das tägliche Üben einer zusätzlichen Gehstrecke, die aus dem Ergebnis des ‚6-Minuten-Gehtests’errechnet wird, ist dabei ausreichend, um die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten.

Quelle: Dr. med. Karin Taube und Jan Kaufmann von der Atem-Reha Hamburg GmbH, die auf dem Symposium Lunge 2011 am 7.5.2011 in Hattingen zum Thema Lungentransplantation einen Vortrag halten werden.

4. Symposium Lunge
"COPD und Lungenemphysem" - Von der Diagnose bis zur Lungentransplantation. Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen den Betroffenen heutzutage zur Verfügung?“ am Samstag, 7. Mai 2011 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte - Gebläsehalle - Werksstraße 31-33
45527 Hattingen/Ruhr

Anfragen bezüglich des Symposiums Lunge 2011 richten Sie bitte an die Organisationsleitung Jens Lingemann Lindstockstraße 30
45527 Hattingen
Telefon: 02324 - 999 959
symposium-org@lungenemphysem-copd.de
www.lungenemphysem-copd.de/pages/oeffentlich/pages/symposium-lunge-2011/symposium-lunge-2011.php