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22.12.2005

Mediziner warnen vor Unterschätzung von Allergien

Allergien sollten nicht als Bagatell-Erkrankung abgetan, sondern ernst genommen und ärztlich behandelt werden, fordern Ärzte der Frankfurter Klinikallianz. Für betroffene Patienten gilt es, die Auslöser einer Allergie möglichst zu vermeiden, um zu verhindern, dass die Erkrankung ausbricht bzw. sich verschlimmert, wobei auch ein „Etagenwechsel“ stattfinden kann.

Die Gefährlichkeit von Allergien wird nach Ansicht von Fachärzten häufig unterschätzt. „Das Problem ist nicht in voller Tragweite erkannt - es geht nicht, dass zum Beispiel Heuschnupfen von den Krankenkassen als Befindlichkeitsstörung eingestuft wird“, kritisiert der Frankfurter Allergologe, Prof. Wolf- Henning Boehncke, der die Abteilung „Dermatologische Allergologie und Immunologie“ an der Frankfurter Universitätshautklinik leitet. Auch manche Ärzte seien nicht ausreichend auf die Zunahme von Erkrankungen wie Heuschnupfen , allergisches Asthma oder Neurodermitis vorbereitet. Unter einer Allergie versteht man eine erbliche Veranlagung, bei Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen (AllergenenAllergenen
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
) eine übersteigerte Abwehrreaktion und damit verbundene Erkrankungen des so genannten Atopischen FormenkreisesAtopischen Formenkreises
Zum atopischen Formenkreis gehören: Asthma, Neurodermitis und allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung (Rhinokunjunktivitis) einschließlich Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie. Diese Erkrankungsformen können entweder allein, nacheinander oder auch parallel auftreten. Unter Atopie versteht man eine erbliche Veranlagung (genetische Disposition), bei Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) eine übersteigerte Abwehrreaktion und eine oder mehrere Erkrankungen des atopischen Formenkreis zu entwickeln.
zu entwickeln.

Ohne Therapie kann es zu einem Etagenwechsel kommen
Ohne fachkundige Behandlung kann es zu einem Etagenwechsel kommen - bei Heuschnupfen zum Beispiel von den oberen Atemwegen (Nase) in die unteren (Bronchien) und damit zu Asthma. So entwickeln mindestens 30% der Menschen, die Heuschnupfen haben, aber auf eine gezielte Behandlung (wie eine HyposensibilisierungHyposensibilisierung
Behandlungsform von Allergien, bei der dem Körper das Allergen in steigender Dosis injiziert wird, um die Allergieempfindlichkeit herabzusetzen bzw. ganz auszuschalten; erstreckt sich über mehrere Jahre.
Man spricht auch von spezifischer Immuntherapie mit Allergenen (SIT), Allergen-Immuntherapie, Allergie-Impfung oder Desensibilisierung.
) verzichten, früher oder später auch asthmatische Beschwerden. Deshalb sollte man Heuschnupfen nicht bagatellisieren und sich fachärztlich behandeln lassen. Dabei ist es auch besonders wichtig, die Vorsorgemaßnahmen zu berücksichtigen.

“Wir gehen davon aus, dass 30 Prozent der Europäer unter Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis leiden - die Zahl hat sich innerhalb einer Generation verdoppelt“, erläutert Boehncke. „Das zeigt, dass oft keine genetischen Ursachen zugrunde liegen, sondern dass Umwelteinflüsse und Lebensstil eine ganz entscheidende Rolle spielen.“ So fördere in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet etwa die Luftverschmutzung den Ausbruch von Allergien. „Andererseits leben viele Menschen aber auch zu steril. Studien zur so genannten Hygiene-Hypothese belegen beispielsweise: Wenn Kinder mehr mit Dreck in Kontakt kommen, werden sie weniger krank.“ Die Vermeidung und Behandlung von Allergien war eines der Themen der am 22. November von Boehncke geleiteten Fortbildungsveranstaltung der Frankfurter Klinikallianz, die 250 Ärzte - vor allem Allgemeinmediziner – besucht hatten. Die Klinikallianz ist ein Kooperationsverbund von vier Frankfurter Krankenhäusern.

Quelle: dpa