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20.09.2022

Macht Feinstaub Lungenkrebs?

Ja, aber nicht in den Mengen, wie FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
gewöhnlich in Städten vorkommt, sondern erst in exzessiven Dosen, wie sie zum Beispiel starke Raucher über Jahre hinweg inhalieren. Den Feinstaub-Dosisbereich, ab dem das Lungenkrebsrisiko tatsächlich steigt, erläutert Prof. Dieter Köhler.

Es werden immer wieder Studien veröffentlicht, die auf ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch Luftverschmutzung hinweisen. Am 16.9.2022 zum Beispiel brachte die BILD einen Artikel mit dem Titel „Feinstaub verursacht Lungenkrebs bei Nichtrauchern“ heraus, der auf Studienergebnissen basiert, die auf dem ESMO Congress 2022 in Paris vorgestellt wurden.

„Das Problem, dem alle diese Feinstaubstudien unterliegen, ist, dass in solchen epidemiologischen Bobachtungsstudien viele Störfaktoren nicht erfasst werden, die aber die Lebenserwartung deutlich beeinflussen können. Selbst wenn sich eine Studie nur mit echten Nichtrauchern befasst, kann sich das Krebsrisikoprofil der Studienteilnehmer schon aufgrund ihrer individuellen Lebensweise im Hinblick auf die Ernährung, das Ausmaß körperlicher Aktivität oder den Konsum von Alkohol u.a. erheblich voneinander unterscheiden - ganz zu schweigen von genetischen und epigenetischen Einflüssen, die natürlich auch eine Rolle bei der Entwicklung von Krebs spielen“, erläutert Prof. Dieter Köhler, ehem. Ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg, der sich als Forscher fast sein halbes Leben lang mit Feinstaub und seine gesundheitlichen Auswirkungen beschäftigt hat.

Ein weiteres Problem sind die Feinstaubkonzentrationen, die draußen, zum Beispiel auf einer vielbefahrenen Straße in einer Großstadt, gewöhnlich vorliegen. „In Experimenten mit Zellkulturen kann man Effekte nämlich erst bei Konzentrationen sehen, die in einer Größenordnung von 10.000- bis 100.000-fach darüber liegen. Das heißt: Um die Hypothese „Feinstaub macht Krebs“ zu beweisen, müsste man viel höhere Dosen benutzen als sie in der Umwelt existieren“, erläutert  Prof. Köhler. 

„Das erklärt auch, warum zum Beispiel Raucher, die beim Konsum von Tabak immerhin rund 100.000 Mal mehr - und dabei auch noch weitaus toxischere - FeinstaubpartikelFeinstaubpartikel
Genauer gesagt geht es um lungengängigen Feinstaub mit einem Durchmesser von kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5).
im Vergleich zu menschengemachtem Feinstaub (insbesondere durch Kraftwagenverkehr) inhalieren, nicht schon nach wenigen Zigarettenpackungen Krebs bekommen. Würde man bei Tabakkonsumenten, die ja eine der schlimmsten Formen von Feinstaub inhalieren, rein rechnerisch die lebenslang inhalierten Dosen an Feinstaub hochrechnen, müssten alle Raucher eigentlich innerhalb eines Jahres sterben – was aber nicht der Fall ist! Zigarettenrauch ist zwar karzinogen, das wird aber – wie beim Feinstaub durch Kraftwagenverkehr – erst nach größeren Dosen deutlich, wobei für das Lungenkrebsrisiko wie schon gesagt die individuelle Lebensweise zusätzlich eine bedeutende Rolle spielt, die aber das Ganze kompliziert macht und den Nachweis einzelner Faktoren erschwert“, betont Prof. Köhler. 

Quelle: äin-red