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06.10.2014

Lungensport verringert Atemnot

Lungenkranke meiden große Anstrengungen in aller Regel. Ein Fehler. Denn je mehr sich Betroffene schonen, desto häufiger leiden sie an Luftnot. Vielmehr sollten sie sich gezielt körperlich belasten, sagen Experten. Zum Beispiel beim Lungensport.

Oft ist schon die Treppe in die Wohnung zu steil, jeder Schritt wird zur Qual, die Luft bleibt weg. Menschen mit chronisch-obstruktiver Bronchitis (COPD) leiden bei körperlicher Belastung schnell an Atemnot. „Das führt dazu, dass sie sich weniger belasten und an Muskelkraft und Kondition verlieren“, sagt Prof. Heinrich Worth, Chefarzt der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen am Klinikum Fürth. Genau darin liegt aber das Problem: Je mehr sich Betroffene schonen, desto häufiger leiden sie an Luftnot. Manchmal überkommt diese sie schon bei einfachen Arbeiten im Haushalt. Und irgendwann leiden sie auch dann, wenn sie gar nichts Anstrengendes tun. Auch Osteoporose, Diabetes oder Gefäßerkrankungen seien häufig die Folge, erklärt der Sportwissenschaftler Oliver Göhl.

COPD ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit, bis zum Jahr 2020 könnte sie nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die dritthäufigste Todesursache sein. In Deutschland sind nach Schätzungen der Deutschen Atemwegsliga etwa drei bis fünf Millionen Menschen daran erkrankt. Lungensport kann Betroffenen helfen.

Was nach Leistungssport klingt, ist eine spezielle Bewegungstherapie für Patienten mit Asthma, COPD oder anderen Lungenerkrankungen. „Die Art des Sports ist eher nebensächlich“, erläutert der Lungenfacharzt Prof. Dieter Köhler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
. „Grundsätzlich gilt: Der Puls sollte ansteigen, man sollte möglichst ins Schwitzen geraten und mindestens zweimal in der Woche trainieren.“ Letzteres sei Voraussetzung dafür, dass der Sport Wirkung zeige.

Mediziner Worth rät zur Teilnahme an einer Lungensportgruppe. Der Aufbau und Ablauf einer Übungseinheit folgt dort meist einem bestimmten Schema, dazu gehören Ausdauer- und Krafttraining sowie Koordinations- und Dehnübungen. „Man fängt meist mit Dehnübungen an, um den Brustkorb zu lockern und die Beweglichkeit zu verbessern“, erklärt Worth, der auch Vorsitzender der Arbeitsgruppe Lungensport ist. Beim anschließenden Krafttraining könnten Patienten zum Beispiel mit leichten Hanteln oder Thera-Bändern üben.

„Spiele sind am Anfang gefährlich, weil ehrgeizige Patienten sich dabei leicht überschätzen“, gibt er zu bedenken. Oft seien Lungenkranke schon über lange Zeit weniger körperlich aktiv gewesen. „Je schwerer der Patient erkrankt ist, umso geringer ist die Anfangsbelastung.“ Der Betroffene dürfe nur ganz langsam beginnen.

Lungenpatienten sollten lernen, vor einer starken Belastung eine Pause zu machen, rät Köhler. „Also beim Wandern zum Beispiel für kurze Zeit pausieren, wenn die Strecke steiler wird“, erklärt er. „Viele machen den Fehler, dass sie weitergehen und dann auf halber Strecke stehen bleiben müssen, weil sie Luftnot haben.“

Das ist der Vorteil einer Lungensportgruppe: Der Übungsleiter kann darauf achten, dass die Teilnehmer sich nicht übernehmen und die Aufgaben genau ihrer Leistungsfähigkeit angepasst sind. Und die Motivation ist möglicherweise größer: „Über die Gruppenzugehörigkeit ist man gezwungen, regelmäßig was zu tun“, sagt Köhler. Patienten fühlten sich auch sicherer, weil im Notfall schneller medizinische Hilfe geleistet werden könne. Denn in den Gruppen ist immer ein Arzt in Rufbereitschaft. Der Patient selbst muss ein ärztliches Attest vorweisen. Die Übungsleiter sind speziell geschult, und ein Notfallkoffer muss bereitstehen.

„Was man auch nicht unterschätzen darf, ist, dass viele Patienten Depressionen bekommen, unabhängig davon, wie schwer die Krankheit bei ihnen ist. Das haben Studien gezeigt“, erläutert Göhl. Das Gefühl von Miteinander in der Gruppe sei daher sehr wichtig. Der Patient treffe dort auf Gleichgesinnte, von denen er einen Rat möglicherweise eher annehme als von einem Arzt, ergänzt Worth.

Was aber bringt der Sport für die Gesundheit? „Es ist nachgewiesen, dass die Luftnot bei regelmäßigem Training später eintritt“, sagt Köhler. Er nennt ein Beispiel: Gesunde Menschen könnten im Durchschnitt innerhalb von sechs Minuten 600 Meter weit gehen. Ein mittelschwer Lungenkranker schaffe normalerweise 300 Meter. Trainiere er regelmäßig, komme er im Schnitt auf 400 Meter. „Seine Kondition wird besser“, ergänzt Worth.

In einer Studie mit rund 2390 COPD-Patienten haben Wissenschaftler im Jahr 2006 herausgefunden, dass die Betroffenen bei regelmäßiger sportlicher Aktivität seltener ins Krankenhaus mussten (siehe Thorax 2006, Band 61(9), Seite: 772–778). Laut Worth gibt es Hinweise darauf, dass Bewegungstherapie bei Asthma und COPD dazu führt, dass die Entzündung in den Atmungsorganen zurückgeht. Aber bewiesen ist das noch nicht“, fügt er hinzu.

Wenn ein Patient lange trainiere, könne dies eventuell auch zu einer Abnahme der Infektanfälligkeit führen. „Im Rahmen des Lungensports raucht der Patient häufiger nicht mehr und ernährt sich gesünder.“

In der Regel fällt für die Sportgruppen eine monatliche Kursgebühr an. Diese wird aber anteilig oder komplett von den Krankenkassen übernommen. Vor der Teilnahme fragen Patienten am besten bei ihrer Krankenversicherung nach.

Quelle: dpa