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31.10.2022

Lungenhochdruck aufhalten

Die pulmonale Hypertoniepulmonale Hypertonie
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
auf der Basis einer interstitiellen Lungenerkrankung (PH-ILD) war bislang nicht behandelbar. Mit einem neuen inhalativ anwendbaren Prostazyklinanalogon sollte das anders werden.

Im Alltag erleiden PH-ILD-Patienten häufig klinische Verschlechterungen. Denn diese Form des Lungenhochdrucks (pulmonale Hypertonie) auf der Basis einer interstitiellen Lungenerkrankung war bislang keiner Therapie zugänglich. Dass die pulmonale Hypertonie bei interstitieller Lungenerkankung (PH-ILD) auf die Behandlung mit dem inhalativen Prostacyclinanalogon Treprostinil gut anspricht, wurde bereits gezeigt (in der Phase-3-Studie INCREASE - siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, online seit 11.11.2021). Je 163 Patienten mit PH-ILD bekamen mehrfach täglich die Substanz oder ein Scheinmedikament (Placebo). Nach 16 Wochen zeigte sich eine erheblich verbesserte körperliche Leistungsfähigkeit infolge des Wirkstoffes Treprostinil.

Die Gehstrecke im Sechs-Minuten-Gehtest war im Vergleich zur Kontrollgruppe um 31 Meter länger. Zudem hatte die aktive Therapie die Zeit bis zu einem ersten Ereignis, das für eine klinische Verschlechterung sprach, hinausgezögert.
Da Verschlechterungen (Exazerbationen) in der Primäranalyse der Studiendaten unberücksichtigt blieben, gingen Prof. Dr. Steven Nathan vom Inova Fairfax Hospital in Falls Church, Virginia, und Kollegen im Rahmen einer post hoc-Analyse der Frage nach, inwiefern Treprostinil den Erkrankungsverlauf nach einer ersten Verschlechterung beeinflusst. Letztlich versuchten sie zu klären, ob die Substanz abgesetzt oder weiter angewendet werden sollte (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, online seit 2.12.2021).

In den Blick nahmen die Studienautoren die folgenden, für ein Fortschreiten der Erkrankung sprechenden Ereignisse:

  • Verschlechterung im Sechs-Minuten-Gehtest um ? 15 %
  • Exazerbation
  • Rückgang der FVC um ? 10 %
  • Hospitalisation aufgrund kardiopulmonaler Komplikationen
  • Lungentransplantation
  • Tod innerhalb der viermonatigen Studienphase

In der Treprostinilgruppe hatten 55 % Teilnehmer mindestens ein solches Ereignis, in der Placebogruppe waren es 67 %. Nach der ersten Verschlechterung erlitten 22 % der mit Treprostinil, aber 36 % der mit Placebo Behandelten weitere den Progress definierende Ereignisse. Bezüglich der einzelnen klinischen Endpunkte inklusive der Mortalität erwies sich die Therapie mit dem Wirkstoff ebenfalls als überlegen.

Selbst wenn die PH-ILD unter Treprostinil fortschreitet, so das Fazit der Studienautoren, ist ein Fortführen der inhalativen Therapie gerechtfertigt. Prof. Dr. Jürgen Behr, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V am LMU Klinikum München ist derselben Meinung: Mit Treprostinil bestehe nun erstmals die Chance, die Erkrankung deutlich zu lindern. Die Forschung müsse jedoch klären, ob die beeindruckenden Therapieeffekte von Dauer seien.

Quelle: Dr. Judith Lorenz in Medical Tribune vom 31.7.2022