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09.11.2016

Lungenärzte warnen vor COPD-Epidemie in den nächsten Jahrzehnten

Obwohl die Zahl der Raucher hierzulande langsam abnimmt, wird die Anzahl COPD-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, in den nächsten zwanzig Jahren um mehr als 150 Prozent ansteigen. Darauf machen die Lungenärzte der DGP aufmerksam anlässlich des diesjährigen Welt-COPD-Tags am 16. November 2016.

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Obwohl die Zahl der Takakkonsumenten (insbesondere unter Männern) hierzulande langsam abnimmt, ist in den nächsten zwanzig Jahren mit einer regelrechten COPD-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
zu rechnen, die unser Gesundheitssystem herausfordern dürfte. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) anlässlich des diesjährigen Welt-COPD-Tags am 16. November 2016 hin. „Von 2010 bis 2030 wird die Anzahl der COPD-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen - trotz des abnehmenden Tabakkonsums - um mehr als 150 Prozent ansteigen, wobei insbesondere ältere Menschen über 75 Jahren betroffen sein werden, bei denen sogar ein Anstieg um 220 Prozent zu erwarten ist“, erklärt Prof. Dr. med. Berthold Jany, Präsident der der DGP und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. Das geht aus einer aktuellen Studie kanadischer Forscher hervor, die anhand einer Analyse von Populationsstatistiken über Bevölkerungswachstum und Altersstrukturen sowie der Gesundheitsdaten von 4,7 Millionen Kanadiern zu dieser Prognose für Kanada kommen (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Online-Vorabveröffentlichung am 14.9.2016). Den Wissenschaftlern zufolge sind die Studienergebnisse aber auch auf viele andere Industrienationen übertragbar, weil diese eine vergleichbare Entwicklung aufweisen.

Das zunehmende Alter der Patienten beeinflusst die Prognose maßgeblich
COPD wird in den Industrienationen also nicht bald ein Problem der Vergangenheit sein, nur weil tendenziell weniger Menschen in der westlichen Welt rauchen. „Nicht nur Rauchen ist ein Risikofaktor für COPD: Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle, denn mit zunehmendem Alter nimmt die Lungenfunktion ab – ein natürlicher Prozess, den wir als Lungenalterung bezeichnen, und der jeden alternden Menschen betrifft. Dies hat aber natürlich umso mehr negative Auswirkungen für den Betroffenen, wenn seine Lunge bereits vorgeschädigt ist, wie z.B. durch jahrelanges Rauchen oder eine chronische Lungenerkrankung“, erläutert Prof. Jany. In den Populationen der Industrienationen wird sich wegen der steigenden Lebenserwartung u.a. aufgrund einer besseren medizinischen Versorgung ein stärkerer Zuwachs in den höheren Altersklassen - die so genannte Alterspyramide - abzeichnen. Das wird auch die Belastung des Gesundheitssystems erhöhen: Mehr alternde Patienten mit altersbedingt mehr Begleiterkrankungen werden zu versorgen sein. Dabei dürfte die größte Krankheitslast den Forschern zufolge aber von COPD ausgehen, da COPD unter den zehn häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen die einzige ist, deren Häufigkeit konstant zunimmt. Außerdem seien im Vergleich zu anderen Krankheiten bestehende Versorgungslücken bei COPD aufgrund der noch nicht ausreichenden Vorbeugung und möglichst frühzeitigen Behandlung weitaus größer. Bereits jetzt ist COPD weltweit die dritthäufigste Todesursache nach ischämischer Herzerkrankung und SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
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Aktive und Ex-Raucher sollten regelmäßig zum Lungentest gehen
Auch wer mit dem Rauchen aufgehört hat, kann noch an COPD erkranken: Unter ehemaligen Rauchern weist schätzungsweise jeder siebte eine noch nicht diagnostizierte Atemwegsverengung auf – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Hong Kong (siehe International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease 2016, Band 1/1, Seite 2391-2399). Um eine Erkrankung an COPD möglichst früh zu erkennen, wird aktiven und ehemaligen Rauchern empfohlen, regelmäßig ihre Lungenfunktion vom Arzt überprüfen zu lassen. „COPD ist zwar nicht heilbar, in einem frühen Stadium lässt sich diese chronisch fortschreitende, entzündliche Lungenerkrankung aber noch gut behandeln: Die Entzündungsprozesse in den Atemwegen lassen sich dann medikamentös noch in den Griff bekommen und ein Fortschreiten der Erkrankung mit zunehmenden Atembeschwerden, Husten und Atemnot somit aufhalten. Voraussetzung ist selbstverständlich ein gleichzeitiger Rauchstopp, sonst können die besten Medikamente nicht helfen. Zur Raucherentwöhnung gibt es medikamentöse und psychologische Unterstützung“, betont Prof. Jany. Bleibt die Atemwegsentzündung hingegen unbehandelt, nehmen die Lungenbläschen mit der Zeit Schaden und verlieren zusehends ihre Elastizität, so dass sie weniger Sauerstoff ins Gewebe abgeben und Kohlendioxid abtransportieren können. So entsteht die Atemnot. Auch die den Lungenbläschen Sauerstoff zuführenden Atemwege verstopfen zunehmend durch Anschwellen und Schleimbildung infolge der Entzündungsprozesse. So kommt es zu immer mehr Atembeschwerden und Husten und einer immer stärkeren Atemwegsverengung, die sich beim Lungenfunktionstest detailliert nachweisen lässt. Symptome der COPD, die anfänglich nur bei körperlicher Anstrengung auftreten, werden so immer häufiger und belasten den Patienten schließlich ständig – das heißt auch im Ruhezustand und sogar nachts beim Schlafen!

Motto und Anliegen des diesjährigen Welt-COPD-Tags
Der Welt-COPD-Tag wurde im Jahr 2002 von der The Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) ins Leben gerufen, um mehr Bewusstsein über die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD zu schaffen und sich weltweit für eine bessere Vorbeugung und Behandlung dieser Volkskrankheit einzusetzen. Das diesjährige Motto des Welt-COPD-Tags am 16. November lautet „breathe in the knowledge“ – im Sinne einer Aufforderung, das Wissen über die Erkrankung COPD gleichsam wie mit jedem Atemzug zu verinnerlichen und somit besser zu etablieren.