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05.07.2021

Lüften kann vor Infektion mit Tuberkulose schützen

Beim Taxifahren das Fenster zu öffnen, kann in Ländern mit hohen Tuberkulose-Fallzahlen ein probates Mittel zum Schutz vor dieser Infektionskrankheit sein.

Das Tuberkulose (TB)-Risiko auf Reisen wurde wegen des selten engen Kontakts zu Einheimischen bisher eher gering eingeschätzt. Bei Übernachtung im Mehrbettzimmer, etwa in Herbergen oder Krankenhäusern, kann das Infektionsrisiko allerdings hoch sein. Gleiches gilt für Fahrten in Bussen und Bahnen über längere Strecken.

Entsprechend rät Dr. Andreas Leischker von der Alexianer-Klinik in Krefeld, in Ländern mit hoher TB-Prävalenz vom Übernachten in Mehrbettzimmern und von Bahn- und Busfahrten ab. Das gilt umso mehr in Ländern mit einem hohen Anteil extrem arzneimittelresistenter (XDR) TB-Stämme wie Indien, China, asiatische Länder, die russische Föderation oder Südafrika.

Auch im Taxi kann ein TB-Risiko bestehen: In Thailand seien 20 Prozent aller Taxifahrer an TB erkrankt, berichtete Leischker beim diesjährigen Internistenkongress. Lüften ist also nicht nur sinnvoll, um sich vor SARS-CoV-2 zu schützen, sondern auch ein probates Mittel gegen TB. In einer südafrikanischen Untersuchung in Minibussen reduzierte das Öffnen von mindestens zwei Fenstern deutlich das TB-Infektionsrisiko. Der beste Sitzplatz sei derjenige direkt neben oder hinter dem geöffneten Fenster, berichtet Leischker.

Auch bei Typhus werden ja multiresistente und XDR-Stämme unterschieden: Multiple ResistenzenResistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln - das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam.
Resistente Erreger entwickeln sich - insbesondere bei großen Erregermengen - entweder durch spontane Genveränderungen (Mutationen) oder durch selektive Vermehrung (Selektion) von natürlich vorkommenden resistenten Bakterien-Subpopulationen, z.B. aufgrund einer unzureichenden oder zu früh abgebrochenen Therapie.
betreffen mindestens alle Erstlinien-Antibiotika zur Typhustherapie, XDR-Stämme sind gegen alle empfohlenen Antibiotika resistent.

Bei Indien- oder Pakistan-Reisen wird wegen der hohen Prävalenz von XDR-Stämmen die Typhus-Vakzine empfohlen, wenngleich die hierzulande verfügbaren Vakzinen nicht gut wirksam sind. Ein indischer Konjugat-Impfstoff gegen Typhus ist wohl deutlich effektiver, in der EU aber nicht zugelassen. Ansonsten bleibt der wichtigste Rat für Reisende: auf gute Nahrungsmittelhygiene achten!

Quelle: Ärztezeitung am 20.4.2021