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24.04.2008

Lebenserwartung von jugendlichen Rauchern verkürzt sich um mehr als nur 10 Jahre

Wer bereits mit 14 oder 15 Jahren anfängt zu rauchen, hat möglicherweise mit einer um bis zu 20 Jahre verkürzten Lebenserwartung zu rechnen im Vergleich zu einem Nicht-Raucher. Außerdem wird er eine besonders stark ausgeprägte Nikotinsucht entwickeln, weil NikotinNikotin
Mehrere Gründe sprechen dafür, dass die abhängigkeitserzeugende Substanz in Zigaretten das Nikotin ist:
  * Nikotin dringt ins zentrale Nervensystem (ZNS) ein und ist psychoaktiv.
  * Die physiologischen Effekte von Rauchen und gespritztem Nikotin sind identisch.
  * Nikotin funktioniert als „positiver Verstärker". Menschen (und auch Tiere) fügen sich in Experimenten eigenständig Nikotin zu.
  * Das Ablassen vom Suchtstoff (Tabak-Abstinenz) fällt leichter, wenn Nikotin medikamentös zugeführt (substituiert, also ersetzt) wird.
  * Raucher neigen dazu, ihr Rauchverhalten an die verschiedenen Nikotingehalte von Tabakerzeugnissen anzupassen
das Gehirn auf Dauer verändert. Das sind neue Erkenntnisse über das Rauchen, die auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) in Lübeck vorgestellt wurden.

Wer bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren mit dem Rauchen anfängt, dessen Lebenserwartung ist nicht nur etwa 10 Jahre geringer als die von Nicht-Rauchern, sondern wird möglicherweise sogar um mehr als 20 Jahre verkürzt. „Bislang galt, dass Raucher im Durchschnitt eine um 10 Jahre geringere Lebenserwartung haben - aber wie wir jetzt wissen, gilt das nur für diejenigen Raucher, die erst im Erwachsenenalter mit dem Zigarettenkonsum begonnen haben“, erklärt Prof. Stefan Andreas, Chefarzt an der Lungenfachklinik Immenhausen. Das ist eine der neuen Erkenntnisse über das Rauchen, die auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Lübeck vorgestellt wurden. „Trotzdem ist Rauchen für viele Jugendliche und sogar Kinder nichts Ungewöhnliches“, berichtet Prof. Tobias Welte, Direktor der Abteilung Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. „So rauchen in Deutschland bereits 10 Prozent der Kinder im Alter von 10 Jahren.“

Bleibende Gehirnveränderungen durch Nikotin

Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, umso stärker nikotinabhängig werden die Betroffenen. „Das ist auf die größere Neuroplastizität bei Heranwachsenden zurückzuführen, deren Gehirne sich ja noch in der Entwicklung befinden“, erläutert Prof. Georg Winterer, Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Düsseldorf und wissenschaftlicher Koordinator des DFG Schwerpunktprogramms Nikotin: Molekulare und physiologische Effekte im zentralen Nervensystem (ZNS) des Menschen. „Wer als Jugendlicher oder sogar als Kind schon regelmäßig raucht, entwickelt eine besonders stark ausgeprägte Nikotinsucht. Bei manchen fräst sich die Sucht quasi so tief in das Gehirn, dass sie diese ihr Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Ein Rauchstopp ist dann mit einem starken Willen allein oft nicht mehr zu schaffen, aber Medikamente und Verhaltenstherapien können helfen. Wir wissen mittlerweile auch, dass Nikotin das Gehirn nachweislich verändert und schädigt. So versuchen viele Raucher Stress, mangelnde Konzentrationsfähigkeit oder Depressionen durch den Konsum von Nikotin zu lindern. Die erzielten Effekte durch das Nikotin sind allerdings nur ganz kurzfristig wirksam. In Wahrheit und langfristig gesehen wird die Stresstoleranz und kognitive Leistungsfähigkeit der Betroffenen bei chronischem Nikotinkonsum immer schlechter und ihr Risiko für Depressionen immer größer. Tatsächlich kann Stress nicht durch Rauchen reduziert werden – das ist ein echter Trugschluss! Vielmehr senkt das Rauchen die Stresstoleranz immer weiter herunter, so dass sich ein Teufelskreis entwickelt: Raucher werden mit jeder gerauchten Zigarette immer stressintoleranter und werden immer weniger belastbar, wobei sie fatalerweise immer stärker auf Zigaretten angewiesen sind, um sich selbst zu therapieren und das Leben irgendwie zu meistern. Was sie psychisch und natürlich auch physisch immer weiter in die Misere treibt.“

Aufhören, bevor sich eine Raucherlunge entwickelt

Je früher mit dem Rauchen begonnen wird und je mehr Zigaretten geraucht werden, umso eher im Leben entwickelt sich eine Entzündungsreaktion in der Lunge, die fatalerweise anfänglich kaum Beschwerden bereiten mag und so über viele Jahre unbemerkt dahin schwelt. „Ab einem bestimmten Punkt sind die Entzündungsprozesse in der Lunge dann aber nicht mehr umkehrbar“, warnt Welte. „Das war in früheren Zeiten, als die meisten ihre erste Zigarette frühestens mit 20 Jahren geraucht haben, erst im Alter ab 40 Jahren der Fall, kann aber heutzutage – je mehr „pack years“ (Zahl der Jahre, an denen durchschnittlich eine Zigarettenschachtel pro Tag geraucht wurde) sich angehäuft haben – dementsprechend dann auch schon in einem Alter ab 30 Jahren eintreten. Dann entwickelt sich eine so genannte COPD (Raucherlunge) mit immer stärker zunehmender Atemnot, Husten, Auswurf und weiteren Begleiterscheinungen wie erhöhter Infektanfälligkeit, Depressionen sowie systemischen Auswirkungen auf andere Körperorgane (wie z.B. Muskelabbau, Osteoporose etc.). Das Fortschreiten dieser chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, die im Volksmund verniedlichend auch Raucherhusten genannt wird, lässt sich dann nicht mehr aufhalten - selbst dann nicht, wenn man das Rauchen längst aufgegeben hat. Deshalb wäre es am besten, so bald wie möglich mit dem Rauchen aufzuhören, bevor sich eine COPD entwickelt - spätestens aber mit 30-35 Jahren - und das Rauchen als eine Jugendsünde zu betrachten, die man endgültig hinter sich gelassen hat“, betont Welte.