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04.11.2019

Lässt sich das Asthma-Risiko am Windelinhalt erkennen?

Ein von Darmbakterien gebildetes Lipid im Stuhl von Neugeborenen könnte auf das Risiko für Asthma und Allergien der heranwachsenden Kinder hinweisen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forschende aus San Francisco, Augusta und Detroit.

Die mikrobielle Darmflora von Babys, die ein erhöhtes Asthma-Risiko haben, ist gestört. Das haben Wissenschaftler um Susan Lynch von der University of California in San Francisco sowie aus Augusta und Detroit bereits in vorangegangenen Studien nachgewiesen. Im Detail konnten sie damals zeigen, dass ein spezielles von Bakterien gebildetes Fettmolekül (ein Lipid namens 12,13-diHOME) in Stuhlproben dieser Babys in besonders großen Mengen vorhanden war. Vermutlich fördere dieses Lipid die Fehlfunktion des ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
, indem es sowohl die Zahl als auch die Aktivität der regulatorischen T-Zellen vermindert. Diese speziellen Immunzellen tragen normalerweise dazu bei, allergische Entzündungen zu unterdrücken.

Um nachzuweisen, dass tatsächlich 12,13-diHOME das Risiko für Allergien und Asthma erhöht, brachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der aktuellen Studie das Lipid in den Darm von Mäusen ein. Mit der Folge, dass die Zahl der regulatorischen T-ZellenT-Zellen
T-Lymphozyten oder T-Zellen kommen hauptsächlich in der Lymphflüssigkeit vor und reifen im Thymus (daher das T) heran. Sie sorgen (wie die B-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen", weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Fremdstoffe (bzw. deren Antigene), mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen.
in der Lunge der Tiere zurückging - ein wesentliches Merkmal für allergische Entzündungsmechanismen in den Atemwegen.

Anschließend untersuchten sie die Stuhlproben von einen Monat alten Babys nochmals genauer. Es zeigte sich, dass das Risiko, mit zwei Jahren an einer Allergie oder mit vier Jahren an Asthma zu erkranken, nicht nur anhand der 12,13-diHOME-Konzentration vorhergesagt werden konnte, sondern auch anhand der Kopienzahl der bakteriellen Gene, mittels derer das Lipid gebildet wird.

Die Ergebnisse konnte das Team sowohl für 41 Kinder aus Detroit, als auch für 50 Babies aus dem Raum San Francisco bestätigen. Sie vermuten daher, dass sich der Zusammenhang zwischen bakteriellem Lipid und kindlichem Allergie- und Asthmarisiko möglicherweise auf eine breitere Bevölkerungsgruppe übertragen lässt. Dies muss allerdings in größeren Studien erst noch überprüft werden.

Die Forschenden betonen auch, dass 12,13-diHOME wahrscheinlich nur einer von vielen mikrobiellen Stoffen sei, die das kindliche Immunsystem negativ beeinflussen und somit das Risiko für Allergien und Asthma erhöhen könnten. In Zukunft wollen sie anhand dieser Moleküle ein Screeningprotokoll entwickeln, anhand dessen Kinder mit erhöhtem Allergie- und Asthma-Risiko frühzeitig erkannt werden können. Ein weiterer Ansatzpunkt könnte die Entwicklung vorbeugender Maßnahmen sein, die eine gesunde Darmflora unterstützen, sodass schädliche Substanzen erst gar nicht gebildet werden.

Quelle: Lungeninformationsdienst