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29.09.2011

Kreuzallergien bei Heuschnupfen häufig

Pollenallergiker vertragen häufig auch bestimmte Nahrungsmittel nicht. Diese Reaktion bezeichnen Fachleute als Kreuzallergie. Meist hilft nur der Verzicht auf das betreffende Lebensmittel. Allerdings sollte man dabei nicht auf eigene Faust handeln.

Löst der Biss in den Apfel unangenehmes Kribbeln im Mund aus, folgen dem Genuss von Sellerie Bauchkrämpfe oder ist die Haut nach dem Verzehr einer Mango mit juckenden Quaddeln übersät? Solche Reaktionen auf ein Nahrungsmittel können die Folge einer bereits vorhandenen Pollenallergie sein. Mediziner sprechen von einer pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie oder Kreuzallergie: Das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
ist auf ein Pollen-AllergenAllergen
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
sensibilisiert und reagiert dann auch auf ähnliche Strukturen aus anderen Pflanzen.

„Im Erwachsenenalter spielen Kreuzallergien eine große Rolle“, erläutert Jörg Kleine-Tebbe von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGKAI). „Wir schätzen, dass allein fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung auf Birkenpollen allergisch sind.» Verantwortlich ist ein Stresseiweiß, mit dem sich die Birke gegen Viren, Bakterien und Umweltstress schützt. Dieses Eiweiß enthalten andere Baumpollen und pflanzliche Nahrungsmittel in ähnlicher Form. Das menschliche Immunsystem wird so getäuscht. „70 Prozent der Birkenpollenallergiker reagieren deshalb allergisch auf Äpfel, Haselnüsse, Kirschen, Pfirsiche, Karotten, Sellerie und sogar auf Soja.“ Damit stehen birkenpollenassoziierte Nahrungsmittelallergien ganz oben auf der Liste der Kreuzallergien.

Dann kämen mit großem Abstand Allergien, die auf einer Reaktion auf Latex beruhen, und solche, bei denen Kreuzallergien auf exotische Früchte auftreten, erklärt Thomas Werfel, Professor für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Auch Reaktionen auf Beifuß, denen dann Nahrungsmittelallergien auf exotische Früchte, Sellerie oder Gewürze folgen, seien häufig.

Vielfach rufen nur rohe Nahrungsmittel Kreuzreaktionen hervor. Die allergieauslösenden Eiweiße werden in ihrer natürlichen Form durch Kochen oder auch die Magensäure zerstört. „Die körperlichen Reaktionen auf den Genuss der Nahrungsmittel sind meist lokale Reaktionen wie Rötung, Anschwellen oder Juckreiz der Schleimhaut im Mund und Rachen. Man spricht auch vom Oralen Allergiesyndrom“, berichtet Werfel. Anders als bei klassischen Nahrungsmittelallergien sind Reaktionen wie Asthmaanfälle vergleichsweise selten. „Sie können im Einzelfall jedoch auch sehr gefährlich werden, wenn zum Beispiel der Hals komplett zuschwillt“, warnt Kleine-Tebbe.

Eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie kann in jedem Lebensalter beginnen - immer dann, wenn der Körper auf die primären Auslöser sensibilisiert ist. „Viele Patienten entwickeln den Heuschnupfen auf Birkenpollen und gleichzeitig die Nahrungsmittelallergie“, sagt Werfel. Außerdem gebe es viele Patienten, bei denen die Symptome der Nahrungsmittelallergie besonders gravierend in den Jahreszeiten auftreten, in denen die zugrundeliegenden Pollen fliegen.

„Bei Heuschnupfen wird üblicherweise eine Pollendiagnose gemacht. Die Nahrungsmittel werden dabei leicht vernachlässigt“, meint Sabine Schnadt vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach. Es habe jedoch keinen Sinn, immer gleich auf alle verdächtigen Nahrungsmittel zu verzichten. „Dieser Verzicht wäre unnötig groß und könnte auch zur Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen führen.“ Denn wie bei jeder Allergie gilt: „Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die eindeutige Diagnose“, ergänzt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Der erste Schritt ist eine ausführliche Anamnese. „Dabei kann ein Ernährungstagebuch mit Aufzeichnungen über verzehrte Nahrungsmittel und körperliche Reaktionen ein wichtiges Hilfsmittel sein.“

Schritt zwei ist der Nachweis der SensibilisierungSensibilisierung
Darunter versteht man eine erhöhte Abwehrbereitschaft gegenüber bestimmten Antigenen (Allergenen), die beim ersten Kontakt mit einer Fremdsubstanz ausgelöst wird und zur Bildung von Antikörpern gegen deren Antigene führt (primäre Immunantwort). Beim nächsten Kontakt mit dem Allergen kann dann eine verstärkte Abwehrreaktion erfolgen unter Bildung großer Mengen von passenden Antikörpern gegen die Substanz-Antigene (sekundäre Immunantwort). Hierzu reicht bereits eine geringe Menge des Allergens aus. Eine Sensibilisierung kann vom Arzt mittels Allergietest (Nachweis von Antikörpern) festgestellt werden. Es kommt aber auch vor, dass sich Menschen sensibilisiert haben, ohne allergische Symptome aufzuweisen.
. Bei Erwachsenen werde Kleine-Tebbe zufolge häufig zuerst ein PricktestPricktest
Hauttest zur Bestimmung allergieauslösender Stoffe. Nachdem ein Tropfen der Testsubstanz mit allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) auf die Haut aufgebracht wurde (meist auf die Innenseite des Unterarms), drückt der Arzt mit einem stumpfen Impfstempel auf die Haut, ohne dass sie blutet. Zum Vergleich macht er das Gleiche mit einer 0,01-0,1%igen Histaminlösung (Positivkontrolle) und einer Glycerin-Kochsalzlösung (Negativkontrolle).
Der Pricktest weist lediglich nach, ob ein Mensch sensibilisiert ist, d.h. Antikörper gegen die getesteten Allergene aufweist. Über eine allergische Reaktion sagt dieser Hauttest noch nichts aus.
auf der Haut durchgeführt. Die Alternative ist eine Blutuntersuchung, auch als IgE-Test bezeichnet. Ein so genannter IgG-Test mit vielen hundert Nahrungsmitteln, wie er von manchen Laboren angeboten wird, lehnt die DGAKI nachdrücklich als Diagnose-Instrument ab. Und nur wenn die Anamnese und die Testergebnisse nicht stimmig sind, wird eine Provokation mit Nahrungsmitteln in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt.

Die Therapie verläuft mehrgleisig: Der Patient sollte auf das Nahrungsmittel verzichten, auf das er reagiert, oder, falls ihn nur rohe Zutaten plagen, diese nur in gekochter Form verzehren. Nüsse oder Sellerie sind allerdings oft verdeckt in Lebensmitteln enthalten, was den Verzicht erschwere. „Für eine solche Umstellung ist eine Ernährungsberatung sehr hilfreich“, findet DAAB-Expertin Schnadt. Sie verweist zudem auf aktuelle Studien, in denen untersucht wird, ob und wie sich bei Patienten, die eine Hyposensibilisierung gegen ihre Pollenallergie machen, die Symptome der Nahrungsmittelallergie reduzieren. Bei schweren Symptomen ist allerdings der Griff zu antiallergischen Medikamenten häufig unumgänglich.

Quelle: dpa