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12.09.2018

Krankenkassen sollten Rauchentwöhnung bezahlen

Rauchentwöhnung sollte aus Sicht von Tabakforschern von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dies fordern Wissenschaftler anlässlich des Europäischen Tabakkongresses in München.

Eine Rauchentwöhnung sollte aus Sicht von Tabakforschern von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dies fordern Wissenschaftler anlässlich des Europäischen Tabakkongresses, der vom 6.-8. September in München stattfand. Sie plädieren für die Abschaffung des sogenannten Lifestyle-Paragraphen, der das bislang verhindert. Dieser Paragraph 34 des fünften Sozialgesetzbuches, der Medikamente zur Rauchentwöhnung von der Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausschließt, müsse abgeschafft werden, betont Tobias Rüther, Psychiater, Sucht-Experte und Leiter der Tabak-Ambulanz des LMU-Klinikums.

Obwohl das Tabakrauchen den mit Abstand wichtigsten gesundheitlichen Risikofaktor und in vielen Fällen eine Suchtkrankheit darstelle, verweigert die Bundesregierung die notwendigen Konsequenzen, erläutert Rüther. „Tabakabhängigkeit ist eine Suchterkrankung, ihre Behandlung ist die wirksamste und kosteneffektivste Möglichkeit, die Sucht zu behandeln und Folgeerkrankungen abzuwenden.“

Nach Angaben Rüthers sterben pro Jahr 125.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens. „Das ist ungefähr ein Jumbojet am Tag. Wenn jeden Tag ein Flugzeug abstürzte und die Menschen darin sterben würden, dann wäre das Fliegen spätestens ab dem dritten Tag verboten.“ Jeder zweite Raucher werde an seiner Sucht sterben. Rauchen ist gesellschaftspolitisch ein Riesenthema, bekräftigt Rüther.

Andere Länder seien in der Bekämpfung der Nikotinsucht schon viel weiter. In Deutschland rauchen laut der sogenannten Debra-Studie, einer Befragung zum Rauchverhalten der Deutschen, 28 Prozent der Bevölkerung. In Australien, wo Raucher für eine Schachtel Zigaretten inzwischen umgerechnet 16,80 Euro bezahlen müssen, seien es nur noch zwischen fünf und sechs Prozent. Deutschland sei also vergleichsweise ein sehr raucherfreundliches Land.

Ziel des Europäischen Tabakkongresses in München war es, einen Überblick zu schaffen über die Konsumsituation in Deutschland und der Welt, sich mit Themen wie der E-Zigarette oder Apps als Hilfen beim Abschied von der herkömmlichen Zigarette zu befassen und über die Wirksamkeit von Schockbildern auf Zigarettenschachteln zu diskutieren.

Quelle: dpa vom 6.9.2018