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04.02.2019

Krankenhauskeime mit Bakterienfressern in Schach halten

Angesichts der zunehmenden Antibiotika-ResistenzenResistenzen
Bakterien können eine Resistenz gegen bestimmte Arzneistoffe entwickeln - das heißt, sie werden unempfindlich gegenüber diesen Medikamente. Die Medikamente, vor allem Antibiotika, sind nicht mehr gegen diese Bakterien wirksam.
Resistente Erreger entwickeln sich - insbesondere bei großen Erregermengen - entweder durch spontane Genveränderungen (Mutationen) oder durch selektive Vermehrung (Selektion) von natürlich vorkommenden resistenten Bakterien-Subpopulationen, z.B. aufgrund einer unzureichenden oder zu früh abgebrochenen Therapie.
könnten Kliniken künftig im Kampf gegen den Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa möglicherweise Bakteriophagen einsetzen.

Bild: pixabay

Bakteriophagen oder kurz Phagen sind Viren, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind. Sie befallen ausschließlich Bakterien und nutzen diese für ihre eigene Vermehrung. Dabei gehen die Bakterien zugrunde.

Ziel des Forschungsverbunds Phage4Cure ist es, Bakteriophagen gegen den typischen Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa therapeutisch nutzbar zu machen, da Antibiotika gegen diesen immer weniger wirken. Pseudomonas aeruginosa ist die weltweit häufigste bakterielle Ursache von Lungenentzündungen, aber auch Harnwegsinfekten und anderen Infektionskrankheiten und kann zu Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Der größte Vorteil der Phagen ist ihre spezifische Wirksamkeit: Im Unterschied zu Antibiotika greifen Phagen nur ihr spezielles Wirtsbakterium an. Andere, nützliche Bakterien, zum Beispiel der Darmflora, hingegen nicht.  

Ein von der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (Leibniz-Institut DSMZ) unter der Leitung der Phagen-Forscherin Dr. Christine Rohde durchgeführtes Screening von Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen. Eine Auswahl erfolgsversprechender therapeutischer Phagen wird nun weiter erforscht, erläutert Dr. Rohde.

Die Phagen-Therapie kann eine Alternative im Kampf gegen Bakterien sein, bei denen Antibiotika „scheitern“, betont Dr. Rohde. Bisher ist die Therapie mit Phagen in Deutschland aber noch nicht zugelassen und das zu ändern, ist Ziel des Phage4Cure-Forschungsverbundes, dem das DSMZ mit angehört. Im Jahr 2017 bewilligte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Fördermittel für den Forschungsverbund Phage4Cure. In diesem arbeiten das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Braunschweig und Hannover und die Charité- Universitätsmedizin Berlin sowie die Charité Research Organisation GmbH in Berlin an dem klinischen Einsatz von Phagen. Ziel ist es, Phagen als zugelassene Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen in Deutschland zu etablieren.

Wissenschaftliche Beschäftigte der DSMZ haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa aus verschiedenen Ursprungsorten isoliert und charakterisiert. Das Phagen-Screening führte zu drei therapeutisch vielversprechenden Phagen. Diese gingen zur weiteren pharmazeutischen Hochaufreinigung an das Fraunhofer-Institut in Braunschweig. Bei einem Treffen der Projektbeteiligten in Berlin wurde jetzt auch das toxikologische Programm der präklinischen Phase abgestimmt. Ziel ist es, zu gewährleisten, dass weitere Projektabschnitte frühzeitig zwischen den Partnern harmonisiert und an regulatorische Anforderungen angepasst werden, damit die präklinischen Entwicklungsarbeiten zeitnah und geordnet ablaufen können. Am Ende des Phage4Cure-Projekts können die Phagen dann in der ersten klinischen Studie mit Phagen in Deutschland getestet werden, informiert Dr. Christine Rohde abschließend.

Quelle: Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH