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18.06.2008

Können probiotische Lebensmittel Heuschnupfen lindern?

Täglich ein probiotisches Milchgetränk – damit lässt sich die übersteigerte Immunantwort von Heuschnupfen-Patienten offenbar dämpfen. Das haben britische Forscher festgestellt. Ob Probiotika auch dazu dienen könnten, Allergiebeschwerden messbar zu verringern, muss aber erst noch näher untersucht werden.

15 bis 20 Prozent der Europäer leiden unter Heuschnupfen, der durch AllergeneAllergene
Das sind Stoffe, die vom Immunsystem des Körpers als „fremd" eingestuft und deshalb angegriffen werden, was zu einer übersteigerten Abwehrreaktion (= Allergie mit Überempfindlichkeit des Körpers gegen das jeweilige Allergen) führt.
Man unterscheidet tierische, pflanzliche und chemische Allergene, wobei fast jede Umweltsubstanz eine Allergie auslösen kann. Ein potenzielles Allergen ist eine Substanz, die aufgrund ihrer biochemischen Beschaffenheit häufiger als andere Substanzen eine allergische Reaktion hervorrufen kann.
 
 
 
wie Gräser- oder Baumpollen oder auch Pilzsporen ausgelöst wird. Diese AntigeneAntigene
Antigene sind bestimmte Oberflächenstrukturmerkmale (chemische Moleküle), die für jeden Erreger und jede Substanz charakteristisch sind, vom körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) als fremd („not self") erkannt werden und eine Abwehrreaktion (Immunreaktion) auslösen.
bewertet das körpereigene Immunsystem von Allergikern fälschlicherweise als „bedrohliche Eindringlinge“ und bekämpft sie entsprechend, indem es AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
(IgE) gegen die fremden Antigene bildet. Gleichzeitig wird zur Abwehr Histamin ausgeschüttet, um eine Entzündungsreaktion in den Atemwegen anzustoßen, die zu den typischen Heuschnupfen-Beschwerden führt. Nun berichten Forscher vom britischen Institute of Food Research (IFR) in Norwich, dass der tägliche Verzehr eines probiotischen Milchgetränkes diese übersteigerte ImmunabwehrImmunabwehr
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
der Betroffenen dämpfen kann. Allerdings sei es noch zu früh, Heuschnupfen-Patienten eine regelrechte Empfehlung auszusprechen – dazu müsse erst noch weiter geforscht werden.

Die Forscher hatten in einer kleinen Pilotstudie über 5 Monate untersucht, welche Wirkung der tägliche Verzehr eines probiotischen Milchgetränks, das Milchsäurebakterien der Art Lactobacillus casei shirota enthält, im Vergleich zu einem Getränk ohne solche Bakterien auf das Immunsystem von Heuschnupfen-Patienten hat. Dabei wussten weder die Patienten noch die Forscher, wer welche Art von Getränk erhält (doppelblinde, Placebo kontrollierte Studie). Wie sich bei der Auswertung der regelmäßig entnommenen Blutproben aller Studienteilnehmer herausstellte, wurde die körpereigene Immunantwort derjenigen Patienten, die das probiotische Getränk getrunken hatten, gedrosselt: Ihre IgE-Spiegel waren während und nach der Gräserpollenflugzeit im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich gesunken. „Die Probiotika haben die Produktion von Molekülen, die mit dem Auftreten von Allergien in Zusammenhang stehen, signifikant vermindert“, erläutert Studienleiter Claudio Niocletti. Gleichzeitig hatten die Probanden mehr ImmunglobulinImmunglobulin
Das sind Antikörper in Form von Eiweißstoffen (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der so genannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden und die so entstehenden Immunkomplexe unschädlich gemacht werden.
Erhöhte Ig-Mengen weisen auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
G (IgG) gebildet – das ist eine andere Art von Antikörper, von der man annimmt, dass sie im Gegensatz zum IgE eine vor Allergien schützende Funktion hat. „Offenbar hat die probiotische Kultur, die in dieser Studie untersucht wurde, die Art und Weise, wie die körpereigenen Immunzellen auf Gräserpollen reagieren, so verändert, dass insgesamt eine ausgeglichene Immunantwort entsteht“, fasst IFR-Forscher Kamal Ivory das Ergebnis zusammen. In einer nächsten Untersuchung wollen die Wissenschaftler nun prüfen, ob und inwieweit die von ihnen beobachteten immunologischen Veränderungen auch zu einer messbaren Verringerung der klinischen Symptome des Heuschnupfens führen.

Probiotika sind wegen ihrer möglicherweise Allergie-vorbeugenden Wirkung schon seit einiger Zeit Gegenstand der Forschung. „Allerdings gibt es viele unterschiedliche Sorten von Probiotika - grundsätzlich müssten für jede Bakterienart eigene Studien durchgeführt werden“, erklärt Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) und praktizierender Lungenfacharzt im Lungenzentrum Ulm. „Auch scheint die Menge der Keime, die nach dem Verzehr eines probiotischen Lebensmittels vom Magen tatsächlich bis in den Magen-Darm-Trakt gelangen, entscheidend dafür zu sein, ob sich eine protektive Wirkung einstellt oder nicht. Verallgemeinerungen sind angesichts des derzeitigen Stands der Forschung noch nicht möglich, daher können auch noch keine expliziten Empfehlungen für bestimmte probiotische Produkte ausgesprochen werden“, betont Barczok.