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03.03.2014

Können Ballaststoffe vor Asthma schützen?

Die westliche Ernährungsweise hat anscheinend mehr mit der grassierenden Asthma-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
zu tun als bisher angenommen. Denn die Entwicklung von Asthma hängt offenbar von der Menge konsumierter Früchte und Gemüse ab. Darmbakterien verdauen die darin enthaltenen Nahrungsfasern. Dadurch gelangen Fettsäuren ins Blut, die die Immunantwort in der Lunge beeinflussen. Das zeigt eine aktuelle Studie aus der Schweiz.

In den letzten fünfzig Jahren sind europaweit immer mehr Menschen neu an allergischem Asthma erkrankt. In derselben Zeitspanne hat sich auch die Ernährungsweise verändert: Früchte und Gemüse stehen immer seltener auf dem Speiseplan. Aktuelle Studienergebnisse legen nahe, dass diese Entwicklungen nicht nur zeitlich zusammentreffen, sondern auch ursächlich miteinander zu tun haben könnten: Forscher um Benjamin Marsland vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) haben zumindest in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen, dass das Fehlen von enzymatisch umwandelbaren (fermentierbaren) Fasern in der Nahrung allergische Entzündungsreaktionen in der Lunge begünstigt (siehe Nature Medicine 2014, Band 20, Seite: 159–166).

Bisher bekannt war, dass die mikrobielle Vielfalt im Darm, wenn sie Fasern verdaut und fermentiert, etwa in der Vorbeugung von Darmkrebs eine wichtige Rolle spielt. „Wir zeigen nun erstmals, dass der Einfluss der Darmbakterien viel weiter, nämlich bis zur Lunge, reicht“, sagt Marsland. Sein Team hat Mäusen entweder eine Standarddiät mit vier Prozent oder eine Niedrigfaserkost mit einem Anteil von nur 0,3 Prozent fermentierbaren Fasern verfüttert. Diese Niedrigfaserkost ist mit der westlichen Ernährungsweise weitgehend vergleichbar, die durchschnittlich nur noch etwa 0,6 Prozent Ballaststoffe enthält.

Als die Forschenden die Mäuse einem Extrakt von Hausstaubmilben aussetzten, entwickelten die Mäuse auf Niedrigfaserkost eine stärkere allergische Reaktion mit weitaus mehr Schleim in der Lunge als die Mäuse auf Standarddiät. Auch der umgekehrte Versuch – der Vergleich von Mäusen auf Standarddiät mit Mäusen, die eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Ernährung erhielten – lieferte den Nachweis für die schützende Wirkung dieser Art von Ballaststoffen.

Der Schutz ist das Resultat einer mehrstufigen Reaktionskette, wie das Team um Marsland herausgefunden hat. Zuerst gelangen die Fasern in den Darm, wo sie von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert werden. Diese werden ins Blut abgegeben und beeinflussen die Reifung von Immunzellen im Knochenmark. Durch den Hausstaubmilbenextrakt angezogen wandern diese in die Lunge, wo sie schließlich eine weniger starke Abwehrreaktion auslösen.

Marsland denkt, dass die Resultate seiner Gruppe klinisch relevant sind, nicht nur weil der Anteil an pflanzlichen Fasern in der westlichen Ernährung mit der Niedrigfaserkost der Mäuse vergleichbar ist, sondern auch weil sich die untersuchten Aspekte des Immunsystems bei Maus und Mensch kaum unterscheiden. Noch sind viele Fragen ungeklärt. „Wir planen nun klinische Studien, um zu untersuchen, wie sich eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Diät auf Allergien und Entzündungen auswirkt“, sagt Marsland. Schon jetzt steht jedoch fest, dass zu den vielen anderen Gründen, mehr Früchte und Gemüse zu essen, nun ein weiteres Argument hinzugekommen ist.

Quelle: Schweizerischer Nationalfonds SNF