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09.10.2019

Influenza-Viren anpassungsfähiger als gedacht

Influenza-Viren aus Fledermäusen besitzen eine überraschend hohe Anpassungsfähigkeit. Übertragungseffekte zu anderen Tieren und Menschen sind daher schwer vorherzusehen.

Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Freiburg, des Friedrich-Löffler-Instituts und der US-amerikanischen Colorado State University und Kansas State University haben das Infektionspotential des in Fledermäusen entdeckten Influenza-Virus H18N11 untersucht. Dieser Virustyp weist eine überraschend hohe Anpassungsfähigkeit auf, was die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf weitere Tierarten und Menschen schwer vorhersagbar macht (siehe Nature Microbiology, Online-Veröffentlichung am 19.9.2019).

Influenza-Viren besitzen generell eine hohe Mutationsrate“, berichtet Prof. Dr. Martin Schwemmle, Studien- und Forschungsgruppenleiter am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Dennoch waren wir überrascht, in wie kurzer Zeit Viren des Typs H18N11 in Zellkultur genetische Veränderungen entwickeln.“ Insbesondere stellten die Forscher Genveränderungen fest, die die Verbreitung des Virus fördern. Dabei fanden sie Belege für die bislang unbekannte Funktion des viralen, Neuraminidase-ähnlichen Proteins: Indem es die Konzentration des Immunproteins MHC-II an der Zelloberfläche reguliert, ermöglicht es eine effiziente Freisetzung infektiöser Viren aus infizierten Wirtszellen.

Das mögliche Ansteckungsrisiko des Influenza-Virustyps H18N11 für Menschen beurteilt Schwemmle vorsichtig optimistisch: „Frettchen haben sich als Tiermodell für die Übertragungswahrscheinlichkeiten anderer Influenza-Viren auf Menschen bewährt. Wenn das auch für unseren Virus-Typ der Fall ist, gibt es unseres Wissens keine Anzeichen für ein relevantes Infektionsrisiko. Eine natürliche Übertragung ist aber nicht auszuschließen. Besonders schwierig ist die Risiko-Einschätzung aufgrund der hohen genetischen Anpassungsfähigkeit des Virus.“ Die exakte Funktionsweise des Neuraminidase-ähnlichen Proteins, sowie die Anpassungsfähigkeit des Virustyps H18N11 an weitere Rezeptoren, die einen Eintritt in Wirtszellen ermöglichen könnten, untersuchen die Forscher um Schwemmle derzeit in detaillierten Folgestudien.

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg