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26.11.2009

Impfeffekt kann durch manche Medikamente deutlich abgeschwächt werden

Viele besonders gebräuchliche und rezeptfreie Schmerzmittel - wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen - können sich negativ auf das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
auswirken und somit den Effekt von Schutzimpfungen herabsetzen. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) in Hannover unter Berufung auf eine aktuelle Studie.

Viele rezeptfreie Schmerzmittel können sich negativ auf das Immunsystem auswirken und somit den Effekt von Schutzimpfungen herabsetzen. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) in Hannover unter Berufung auf eine aktuelle Studie (siehe The Lancet (2009), Band 374/9698, Seite 1339 – 1350). „Forscher aus Tschechien haben nachgewiesen, dass das Schmerzmittel Paracetamol die Immunantwort von Kindern auf eine Impfung hin abschwächt“, berichtet Prof. Dr. A. Gillissen, Vorstandsmitglied der DLS und Leiter der Robert-Koch-Klinik in Leipzig. Dies war bei verschiedenen Schutzimpfungen zu beobachten, z.B. gegen PneumokokkenPneumokokken
Das sind kugelförmige Bakterien, die (im Gegensatz zu Legionellen) mit dem Antibiotikum Penicillin meistens gut in den Griff zu bekommen sind. Gegen die von Pneumokokken verursachte Lungenentzündung gibt es auch eine vorbeugende Impfung.
, Diptherie, Tetanus und KeuchhustenKeuchhusten
Schwere, anfallsartige Hustenanfälle kennzeichnen Keuchhusten bei Kindern. Bei Erwachsenen können auch Erbrechen, Rippenbrüche, Gewichtsverlust, Atempausen oder Schlafstörungen auf eine Keuchhustenerkrankung hinweisen. D. besten Schutz bietet eine Impfung
. Paracetamol zählt neben Arzneimitteln, die Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen enthalten, weltweit zu den gebräuchlichsten Medikamenten, die vorübergehend gegen Schmerzen, Fieber aber auch gegen ernsthafte entzündliche Erkrankungen eingenommen werden. Diese Mittel gehören zur Gruppe der so genannten nicht-steroidalen anti-inflammatorischen Medikamente (NSAID), deren Wirkung zum Teil darauf beruht, dass sie ein bestimmtes Enzym blockieren (Cox-2 = Cyclooxigenase-2). „Im Kontext einer Impfung ist dies allerdings kontraproduktiv, da Cox-2 für eine optimale Produktion von Antikörpern (B-LymphozytenB-Lymphozyten
Sie gehören zu den Abwehrzellen des humoralen Immunsystems. B-Zellen oder B-Lymphozyten reifen im so genannten Bursa-Äquivalent (daher das B) heran - das sind lymphatische Organe, zu denen zum Beispiel auch lymphatisches Darm-Gewebe gehört. B-Lymphozyten sorgen (wie die T-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr: Auf ihrer Oberfläche tragen sie so genannte Immunglobuline. Bei Kontakt mit einem bestimmten Antigen entwickeln sie sich entweder zu Antikörper produzierenden Plasmazellen (Plasmazellreaktion) oder zu Gedächtniszellen" („Memory-Zellen"). Bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Antigen werden die Gedächtniszellen - unter Mitwirkung von so genannten T-Helfer-Zellen (CD4-positiv) und Makrophagen („Antigen-präsentierende Zellen") - wieder aktiv, geben ihre gespeicherte Information an die B-Zell-Reihe weiter (Keimzentrumsreaktion) und führen rasch zu Antikörper (vor allem Ig G) produzierenden Plasmazellen.
) notwendig ist“, erläutert Gillissen. „Nicht nur Paracetamol, sondern alle Medikamente der Gruppe der NSAID stehen daher in Verdacht, B-LymphozytenLymphozyten
Diese Zellen sorgen für die Immunabwehr und sind sogenannte „immunkompetente Zellen“, weil sie die Fähigkeit besitzen, diejenigen Antigene, mit denen sie in Kontakt kommen, individuell zu erkennen und speziell zu bekämpfen. Man unterscheidet B- und T-Lymphozyten
 
in ihrer Fähigkeit, AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
zu bilden, zu beinträchtigen und somit den erwünschten Effekt einer Impfung – also die Bildung von Antikörpern gegen Bestandteile des Impfstoffes – zu verringern.“

Nicht vorbeugend oder direkt nach der Impfung einnehmen!

Viele Menschen nehmen NSAID auch präventiv gegen Schmerzen, Herzinfarkt, SchlaganfallSchlaganfall
Schlaganfälle ereignen sich gehäuft während des Blutdrucktiefs gegen 3 Uhr nachts (midnight stroke) oder während des zweiten Blutdrucktiefs am Nachmittag. Die Krankheitsanzeichen setzen meist plötzlich ein und hängen vom Ort des Infarktes ab. Erste Anzeichen können heftige Kopfschmerzen, ausgeprägte Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit sein. Es entwickelt sich eine meist im Arm- und Gesichtsbereich betonte einseitige Lähmung. Zunächst ist die gelähmte Seite erschlafft (im Gesicht z.B. als hängender Mundwinkel und Aufblähung der Wange auf der gelähmten Seite beim Ausatmen = "Tabakblasen"), später können auch unkontrollierte Zuckungen hinzu kommen. Eine Hirndurchblutungsstörung ist entweder Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses (ischämischer Hirninfarkt) oder eines spontanen Gefäßrisses mit nachfolgender Einblutung (hämorraghischer Hirninfarkt).
Ischämischer Schlaganfall: Hirninfarkt, der durch eine Blutstauung aufgrund verstopfter Gefäße verursacht wird und deshalb zu einer Unterversorgung der Hirnzellen mit Sauerstoff führt. Ein ischämischer Hirninfarkt auf Grund von Minderdurchblutung eines Endarterienareals bei plötzlichem Gefäßverschluss der Arterie ist mit 80-85% die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. 
Hämorraghischer Schlaganfall: Verkalkte Blutgefäße im Gehirn brechen auf, was zu Gehirnblutungen führt. Dabei wird die Blutzufuhr und damit Sauerstoffversorgung der betroffenen Gehirnzellen unterbrochen bzw. abgebrochen und sie sterben ab.
 
 
, oder Arthritis ein. Es dürfte aber auch viele geben, die mögliche unerwünschte Nebenwirkungen einer Impfung – wie Schmerzen an der Injektionsstelle oder Fieber – mit NSAID bekämpfen möchten. „Davon ist unbedingt abzuraten, zumal die massivste Eindämmung der Immunabwehr in der genannten Untersuchung zu beobachten war, wenn Paracetamol gleichzeitig mit dem Auftreten der ersten Anzeichen einer Entzündungsreaktion (Rötung, Schwellung, Schmerzen oder Fieber) eingenommen wurde“, warnt Gillissen.