LUNGENÄRZTE

im Netz

In Zusammenarbeit mit:

Herausgeber:

24.03.2013

Immer mehr Lungenpatienten müssen während ihrer Wartezeit auf eine Spenderlunge sterben

Mindestens eine halbe Million Menschen (davon etwa ein Viertel unter 65 Jahren) benötigen hierzulande dringend eine Lungentransplantation. Da es an Spenderorganen mangelt, können aber nur 300 Lungentransplantationen pro Jahr durchgeführt werden. Viele Patienten müssen daher während ihrer Wartezeit auf eine Spenderlunge sterben, obwohl sie gute Überlebenschancen nach einer Transplantation hätten. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) anlässlich ihres Jahreskongresses vom 20.-23. März in Hannover aufmerksam.

In Deutschland sind mindestens 500.000 Menschen von einem chronischen Lungenversagen bedroht (davon ist etwa ein Viertel unter 65 Jahren). Eine Lungentransplantation stellt für viele dieser Patienten die einzige Therapieoption dar – es können aber nur 300 Lungentransplantationen pro Jahr in Deutschland durchgeführt werden, weil es an Spenderlungen mangelt. Darauf haben die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) auf ihrem Jahreskongress, der vom 20.-23. März in Hannover stattfand, hingewiesen. „Selbst diese marginale Zahl an Lungentransplantationen, die ja nur einen Tropfen auf den heißen Stein bewirkt, kann nur erreicht werden, indem auch Organe von älteren Spendern akzeptiert werden, die allerdings das Risiko eines komplikationsreicheren Verlaufs nach der Transplantation mit sich bringen“, erläutert Prof. Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, bisheriger Vizepräsident und jetzt frisch gewählter, amtierender Präsident der DGP. „Dieser Mangel an Spenderlungen ist besonders beklagenswert, weil wir zum einen innerhalb der Pneumologie und Transplantationsmedizin erhebliche medizinische Fortschritte gemacht haben, so dass sich die Überlebenschancen der Patienten nach einer Lungentransplantation grundsätzlich deutlich verbessert haben. Zum anderen ist der Erfolg unserer Bemühungen – just zu einem Zeitpunkt, wo wir Regelungen zur Organvergabe nach größter Dringlichkeit entwickelt haben und künftig eine Steigerung der Organspenden durch Gesetzesänderung erreichen wollten - durch wiederholte Skandale bei der Lebertransplantation im Jahr 2012 erheblich geschädigt worden. Die bedauerliche Folge ist, dass die Zahl der Organspenden nun noch weiter zurückgeht und viele Patienten, die eigentlich auf eine lebenswerte Überlebenschance hoffen könnten, während ihrer Wartezeit auf eine Spenderlunge sterben müssen.“

Überlebensraten nach Lungentransplantation erheblich verbessert

Patienten können infolge verschiedener Lungenerkrankungen (z.B. COPD, Mukosviszidose, LungenhochdruckLungenhochdruck
Typisch für das Fortschreiten dieser Erkrankung ist, dass die verschiedenen Zellarten in den Wänden der Lungengefäße zu wuchern beginnen und so die Blutgefäße verengen - ein Vorgang, den die Wissenschaftler Remodeling (struktureller Umbau) nennen. In der Folge muss die rechte Herzkammer das Blut gegen den zunehmenden Widerstand der enger werdenden Gefäße in die Lunge pumpen, was wiederum zu Umbauprozessen des Herzmuskels und schließlich zum Versagen des Herzens führt.
 
oder Lungenfibrosen unterschiedlicher Ursache) eine dauerhafte Atemstörung (sog. chronische respiratorische Insuffizienz) erleiden – dann stellt eine Lungentransplantation die einzige Therapieoption dar. 1987 wurde die erste Lungentransplantation in Deutschland in der Klinik für Herz-/Thorax und Transplantationschirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durchgeführt, die sich mittlerweile zu einem der weltweit größten Zentren für Lungentransplantationen etabliert hat, in dem rund 50 Prozent der Lungentransplantationen hierzulande vorgenommen werden. „Nach knapp 25 Jahren konnten wir das Verfahren zur Behandlung von Patienten mit chronisch respiratorischer Insuffizienz kontinuierlich verbessern – insbesondere die Operationstechnik, die immunsuppressive Therapie zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen und die Prävention infektiologischer Komplikationen durch prophylaktisch verabreichte Medikamente“, berichtet Prof. Welte. „Dazu wurden neue, effizientere Medikamente entwickelt und auch die Diagnostik wurde optimiert, um Patienten mit chronischer Abstoßung frühzeitig zu erkennen. Dadurch hat sich die Überlebensrate der Patienten in den großen Transplantationszentren insgesamt erheblich verbessert - und das obwohl die Patienten für die Transplantation zunehmend älter werden.“

Manipulationen bei Lungentransplantationen nahezu ausgeschlossen

Umfangreiche Kontrollen der Bundesärztekammer zeigen, dass solche Unregelmäßigkeiten, wie sie im Zusammenhang mit Lebertransplantationen öffentlich geworden sind, nur in einer Minderzahl der Transplantationszentren vorkamen. „Demgegenüber arbeiten die meisten Zentren regelkonform und sind für Manipulationen nicht anfällig“, betont Prof. Welte. „Gerade die Auswahl und Vergabe von Spenderlungen lief schon immer nach dem Mehraugenprinzip. Beispielsweise wurde bereits 2011 ein für die Lungentransplantation maßgebliches Bewertungsverfahren (Scoring System) eingeführt, um die Dringlichkeit für eine Transplantation festzustellen - der sogenannte Lung Allocation Score (LAS). Damit können Patienten mit einem besonders hohen Risiko, auf der Warteliste zu versterben, schneller erkannt werden, so dass sie eher ein Organ zugewiesen bekommen. Tatsächlich ist die Wartelistensterblichkeit nach Einführung des LAS zurückgegangen. Die Parameter, die für den LAS notwendig sind, können nur in Zusammenarbeit mit mehreren Fachdisziplinen gewonnen werden, sodass eine umfangreiche und unabhängige Kontrolle von jeher gegeben war und dies auch weiterhin sein wird. Darüber hinaus sind inzwischen überall Lungentransplantationskonferenzen eingeführt worden, in der Mitarbeiter aus drei voneinander unabhängigen Fachgebieten die Aufnahme von Transplantationskandidaten auf die Warteliste und die Vergabe von Spenderlungen überprüfen und Ihre Entscheidungen protokollieren.“

Notwendigkeit zur Organtransplantation kann jeden betreffen

Die Bevölkerung sollte sich bewusst sein, dass prinzipiell jeder Mensch mittelbar auf eine Organspende angewiesen sein kann. „Ein chronisches Organversagen kann jeden jederzeit treffen, ohne eigenes Verschulden und aus voller Gesundheit heraus“, warnt Prof. Welte. „Unser dringendes Anliegen ist es, die Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende wieder zu erhöhen. Um das verlorene Vertrauen der Bevölkerung in die Organtransplantation wieder zu gewinnen, ist es ganz wichtig, alle Prozesse, die die die Organvergabe und die Auswahl der Patienten zur Lungentransplantation betreffen, transparent und nachprüfbar zu machen. Die nachvollziehbaren Ängste der Bevölkerung vor Manipulationen beim Umgang mit Organspenden und Transplantationen müssen ernst genommen und offen diskutiert werden, um das erschütterte Vertrauen in die Transplantationsmedizin wiederherstellen – mit dem wesentlichen Ziel, die Zahl der dringend benötigten Organspenden wieder zu erhöhen.“