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06.11.2020

Hohes Risiko für Beinvenenthrombosen und Lungenembolien bei COVID-19-Patienten

Zwischen 18 und 28% der COVID-19-Patienten mit schwerem Verlauf erleiden eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie. Das haben Forschende aus Wien ermittelt. Auch das Risiko einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie ist im Vergleich mit anderen schweren Erkrankungen deutlich erhöht und liegt zwischen 10 und 18% bei Patienten, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigen.

Genaue Daten zum Thromboserisiko von hospitalisierten COVID-19 PatientInnen haben Forschende der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Wien jetzt in einer systematischen Übersichtsarbeit aller weltweit publizierten Daten zum Thema „Thrombose und Lungenembolie bei COVID-19-PatientInnen“ ermittelt. Während Patienten, die zwar stationär, aber nicht auf einer Intensivstation betreut werden müssen, ein Risiko von 5-11% haben, erleiden zwischen 18 und 28% der COVID-19-Patienten mit schwerem Verlauf eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie.

„Bereits zu Beginn der COVID-19-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
berichteten einige Studien von einer erhöhten Rate von Thrombosen und Lungenembolien. Auf Basis dessen, aber ohne entsprechende Evidenz aus kontrollierten Interventionsstudien, wurden internationale Therapiekonzepte erstellt und eine forcierte Gabe von blutverdünnenden Medikamenten empfohlen. Unsere Studie dient nun dem besseren Verständnis dieses Risikos und soll helfen, mit Hilfe einer genauen Risikoeinschätzung individuelle Therapieentscheidungen in den einzelnen Patientengruppen zu treffen“, berichtet Studienleiter Ay.

Für diese Übersichtsarbeit analysierten und begutachteten die Autoren insgesamt 5.951 Studien, davon berichteten 86 Studien über Thrombose- und Lungenembolie-Raten bei COVID-19-PatientInnen. Von diesen wiederum konnten 66 Studien (28.173 Patienten) für eine Meta-Analyse herangezogen werden, um eine robuste Einschätzung des Thromboserisikos zu berechnen.

Insgesamt liegt die Prävalenz von venösen Thromboembolien (VTE) bei 14%, obwohl in vielen der Studien eine Thromboseprophylaxe verabreicht wurde. In den Subgruppen zeigte sich eine gewisse Heterogenität. Während mit 23% die VTE-Rate bei intensivpflichtigen COVID-19-Patienten am höchsten war, lag die VTE-Rate bei Patienten auf der Normalstation bei 8%, ein Risiko, das höher ist als bei sonst hospitalisierten Patienten mit anderen internistischen Erkrankungen.

Ein weiteres besonderes Augenmerk der Meta-Analyse wurde auf die Bewertung des Risikos einer potenziell lebensbedrohlichen Lungenembolie gelegt. Das Resultat: „Dieses Risiko ist im Vergleich mit anderen schweren Erkrankungen deutlich erhöht und liegt zwischen 10 und 18% bei Patienten, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigen. Erstaunlicherweise konnten außerdem bei beinahe der Hälfte der stationären COVID-19-Patienten, bei denen ein systematisches Thrombose-Screening mittels Ultraschall durchgeführt wurde, eine Thrombose detektiert werden.“

Dies unterstreicht neuerdings den Einfluss von COVID-19 auf das Blutgerinnungssystem. Zudem konnte gezeigt werden, dass Patienten, die im Verlauf der Erkrankung eine Thrombose oder Lungenembolie entwickelt haben, eine deutlich erhöhtes D-Dimer bei der Krankenhausaufnahme aufweisen - ein Laborwert, der auf ein aktiviertes Gerinnungssystem hinweist. Diese Erkenntnisse, so die Autoren, bieten nun eine Grundlage, um in Abhängigkeit vom Schweregrad der COVID-19-Erkrankung das Risiko einer Thrombose abzuschätzen. Ob ein erhöhtes D-Dimer bei stationärer Aufnahme eine Intensivierung der Blutverdünnung rechtfertigt, muss in zukünftigen Studien gezeigt werden.

Quelle: Medizinische Universität Wien