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25.12.2017

Gibt es bald einen Impfstoff gegen Lungenentzündung durch Myloplasmen?

Bestimmte Immunzellen sind zur erfolgreichen Abwehr einer bakteriellen Lungeninfektion mit Mykoplasmen nötig. Dies könnte helfen, spezifische Impfstoffe zu entwickeln, die das ImmunsystemImmunsystem
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
auf die Abwehr von Mykoplasmen vorbereiten und eine Infektion verhindern.

Mykoplasmen zählen zu den häufigsten Erregern der bakteriellen Lungenentzündung bei Kindern. Wie sich diese Krankheit entwickelt, ist allerdings nach wie vor unklar. Nun zeigen Forschende um den Infektiologen Patrick Meyer Sauteur am Universitäts-Kinderspitals Zürich und an der Universität Zürich: Spezifische Immunzellen, sogenannte B-ZellenB-Zellen
Sie gehören zu den Abwehrzellen des humoralen Immunsystems. B-Zellen oder B-Lymphozyten reifen im so genannten Bursa-Äquivalent (daher das B) heran - das sind lymphatische Organe, zu denen zum Beispiel auch lymphatisches Darm-Gewebe gehört. B-Lymphozyten sorgen (wie die T-Lymphozyten auch) für die Immunabwehr: Auf ihrer Oberfläche tragen sie so genannte Immunglobuline. Bei Kontakt mit einem bestimmten Antigen entwickeln sie sich entweder zu Antikörper produzierenden Plasmazellen (Plasmazellreaktion) oder zu Gedächtniszellen" („Memory-Zellen"). Bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Antigen werden die Gedächtniszellen - unter Mitwirkung von so genannten T-Helfer-Zellen (CD4-positiv) und Makrophagen („Antigen-präsentierende Zellen") - wieder aktiv, geben ihre gespeicherte Information an die B-Zell-Reihe weiter (Keimzentrumsreaktion) und führen rasch zu Antikörper (vor allem Ig G) produzierenden Plasmazellen.
, sind für die Heilung der Infektion essentiell. Die von ihnen produzierten AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
eliminieren die Mykoplasmen in der Lunge. Demgegenüber bleiben die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum wochenlang bestehen (siehe Journal of Infectious Diseases, Online-Veröffentlichung am 1.11.2017). Das Forscherteam konnte die Erreger während der Infektion visuell in der Lunge und den oberen Atemwegen verfolgen, da es die Bakterien mit einem Fluoreszenzstoff kultivierte. Ihre Ergebnisse bestätigen klinische Beobachtungen bei Kindern, deren obere Atemwege im Anschluss an eine Infektion mit Mykoplasmen besiedelt blieben.

Die Forscher zeigen auf, dass sich die Immunabwehr nach der Infektion zwischen Lunge und oberen Atemwegen wesentlich unterscheidet. In der Lunge fanden sie mehr sogenannte IgM- und IgG-Antikörper sowie eine deutliche Zunahme und Aktivierung von B-Zellen in den lokalen Lymphknoten – wodurch die Erreger in der Lunge innerhalb von Wochen zerstört werden konnten. Im Gegensatz dazu fanden sie in den oberen Atemwegen IgA-Antikörper, keine Aktivierung von B-Zellen und demzufolge ein Fortbestehen des Erregers. Experimente mit Mäusen ohne B-Zellen lieferten letztlich den Beweis, dass die in die Mäuse überführten Antikörper die Bakterien in der Lunge effektiv zerstörten, diese aber den Erreger in den oberen Atemwegen nicht eliminieren konnten.

„Dies sind die ersten Daten, die beweisen, dass die durch Antikörper vermittelte Immunantwort für eine Lungeninfektion mit Mykoplasmen essentiell ist“, erklärt Patrick Meyer Sauteur. Die Resultate könnten helfen, spezifische Impfstoffe zu entwickeln, die das Immunsystem auf die Abwehr vorbereiten und eine Infektion verhindern: „Unsere Arbeit legt den Grundstein für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Mykoplasmen. Dies in einer Zeit, in der es aufgrund der starken Zunahme von resistenten Bakterien in gewissen Weltregionen für Kleinkinder oft keine geeigneten Antibiotika gegen Mykoplasmen mehr gibt“, fasst Meyer Sauteur zusammen.

Quelle: Universität Zürich