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24.02.2022

Gerade in mittlerem Alter sterben Raucher häufig ohne jede Vorwarnung

Zwischen 40-59 Jahren sterben Tabakkonsumenten besonders häufig – und nicht selten ohne jede Vorwarnung - an einer Herz-Kreislauferkrankung, wie jetzt eine umfangreiche US-Metastudie über Raucher und Nichtraucher aufgezeigt hat. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung hin.

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Dass Raucher doppelt so oft an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Arteriosklerose erkranken und sterben wie Nicht-Raucher, dürfte bekannt sein. Doch gerade im mittleren Alter (zwischen 40-59 Jahren) sterben Tabakkonsumenten besonders häufig – und nicht selten ohne jede Vorwarnung - an einer Herz-Kreislauferkrankung, wie jetzt eine umfangreiche US-Metastudie über Raucher und Nichtraucher aufgezeigt hat (siehe Journal of the American Heart Association, online seit 17.11.2021): Die Todeshäufigkeit aufgrund eines Herzinfarkts oder Schlaganfalles ist im mittleren Alter bei rauchenden Männern um 79 % und bei rauchenden Frauen sogar um 82 % gegenüber Nichtrauchern erhöht. Das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ist bei Tabakkonsumenten im mittleren Alter um 10 % höher als in anderen Altersgruppen und steigt bei Männern von 35,8 % auf 46 % und bei Frauen von 24.8 % auf 34,7 %. „Rauchen verkürzt also bereits im mittleren Alter deutlich sowohl die Gesamtlebenserwartung als auch die Zahl der Jahre, die man frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt“, betont Prof. Dr. med. Christian Taube, Stellv. Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Klinik für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik in Essen.

Tabakrauch schwächt auch die körpereigene Abwehrkraft

Das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung steigt mit der Anzahl der bisher im Leben gerauchten Zigaretten. Mediziner drücken den Zigarettenkonsum auch in Packungsjahren aus. Ein Packungsjahr bedeutet z.B., dass durchschnittlich über ein Jahr hinweg täglich eine Packung Zigaretten geraucht wurde. „Nach einem Rauchstopp geht dieses Risiko kontinuierlich zurück. Es ist also nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören! Gerade in der Corona-PandemiePandemie
Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit verbreitende und dabei ganze Länder oder Kontinente erfassende Krankheit.
Vermischen sich beispielsweise die Erbinformationen von zwei verschiedenen Influenza-Viren in einem Zwischenwirt (z.B. Schwein), tritt ein neuer Virus-Typ mit noch unbekannten Eigenschaften auf. Dieser so genannte Subtyp kann sich schnell ausbreiten, da die Menschen gegen diesen Erreger weder über natürliche noch infolge einer Schutzimpfung aufgebaute Antikörper verfügen. Der jährliche Grippe-Impfschutz erfasst zwar neue Varianten des Influenza-Virus (d.h. leichteVeränderungen in der Oberflächenstruktur), aber keine komplett neuartigen Subtypen. Bricht eine Pandemie aus, muss daher schnell ein Impfstoff gegen den neuen Subtyp entwickelt werden und/oder ein antiviral wirksames Medikament flächendeckend eingesetzt werden.
ist es wichtig, auf Zigaretten zu verzichten, da Tabakrauch auch die körpereigene Abwehrkraft schwächt“, unterstreicht Prof. Taube. Bereits eine einzige Zigarette setzt die Selbstreinigungsfunktion der Atemwege über die Flimmerhärchen in der Atemwegsschleimhaut, die täglich 12.000 Liter Atemluft von Schadstoffen reinigen, für einen ganzen Tag herab. Auch Viren können leichter eindringen. „Durch die Inhalation der schädlichen Tabakinhaltsstoffe kommt es zu einer chronischen Entzündung in den Bronchien, die auch die ImmunabwehrImmunabwehr
Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
(1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
(2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
(3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
schwächt, außerdem zu einer verstärkten Bildung von Schleim führt, der Viren und Bakterien einen idealen Nährboden bietet. Menschen mit einer Raucherlunge (COPD) haben daher den SARS-CoV-2-Viren viel weniger entgegenzusetzen als Nichtraucher“, erklärt Prof. Taube.

E-Zigaretten oder Verdampfer als Hilfsmittel zur Tabak-Abstinenz eher nicht geeignet

Am erfolgreichsten gelingt ein Rauchstoff mit der „Schlusspunktmethode" durch Teilnahme an einem Raucherentwöhnungskurs in Kombination mit einer Verhaltensänderung (z.B. durch verhaltenstherapeutische Selbstkontrolle), in Einzelfällen können auch bestimmte Medikamente zusätzliche Unterstützung bieten. „Eher ungeeignet zur Tabakentwöhnung ist hingegen der Umstieg auf E-Zigarette oder Verdampfer, da diese das Ritual des Rauchens nicht beenden und ebenfalls Schadstoffe enthalten, die Entzündungen in den Bronchien verursachen oder Krebs erregend sind oder – im Fall von Nikotinsüchtig machen“, erläutert Prof. Taube. Selbst passives Einatmen von E-Zigaretten-Dampf erhöht das Risiko für bronchiale Beschwerden wie Husten, Schleimbildung und Bronchitis sowie Kurzatmigkeit, wie eine weitere US-Studie aus Los Angeles aufgezeigt hat (siehe Thorax, online seit 10.1.2022). Die Belastung mit FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
ist zwar beim Rauchen von herkömmlichen Zigaretten höher als bei E-Zigaretten. E-Zigarettenaerosole enthalten aber Metalle und flüchtige Verbindungen, die das Lungengewebe schädigen können. Studienteilnehmer, die passiv E-Zigarettenaerosolen ausgesetzt waren und dabei angaben, in den letzten 30 Tagen aktiv keine Tabak- oder Cannabisprodukte geraucht zu haben, klagten doppelt so häufig über Kurzatmigkeit und Keuchen sowie dreimal so häufig über bronchiale Symptome wie andere durch E-Zigarettenaerosole Exponierte, die häufig zusätzlich aktiv rauchen. Das zeigt, dass aktives Rauchen die Aktivität der Flimmerhärchen so weit herabsetzt, dass sogar bronchiale Symptome anfänglich unterdrückt werden –bis sie allerdings so zunehmen, dass sie sich nicht mehr unterdrücken lassen.

COPD-Epidemie aufgrund steigenden E-Zigarettenkonsums befürchtet

Manche Experten befürchten, dass der vermehrte E-Zigarettenkonsum in den letzten Jahren eine COPD-EpidemieEpidemie
Tritt eine Erkrankung örtlich und zeitlich stark gehäuft auf, spricht man von einer Epidemie. Trifft beispielsweise eine neue Variante des wandelbaren Influenza-Virus auf eine Bevölkerungsgruppe, die noch keine Abwehr gegen diesen bestimmten Erreger aufgebaut hat, kann diese Virus-Variante sich schnell verbreiten. Die Ausbreitung stoppt erst, wenn der Erreger Menschen befällt, die z.B. aufgrund einer Grippe-Schutzimpfung Antikörper dagegen gebildet haben.
Das amerikanische Center for Disease Control spricht von einer Grippe-Epidemie, wenn die Todesrate durch Influenza und Lungenentzündung (die so genannte Übersterblichkeit) um mehr als 7,5% höher liegt als in einem durchschnittlichen Winter.
Eine Epidemie bleibt im Gegensatz zur Pandemie auf eine bestimmte Region begrenzt.
verursachen könnte - ähnlich wie der Konsum von herkömmlichen Zigaretten. „Besonders fatal dürfte sich das Marketing für die angeblich weniger gesundheitsschädlichen E-Zigaretten auf Jugendliche auswirken, da diese fälschlicherweise glauben, E-Zigaretten seien völlig harmlos. Allein der ausgewiesene Nikotingehalt der E-Zigaretten kann allerdings so stark variieren, dass sie Gefahr laufen, unwissentlich nikotinsüchtig zu werden“, warnt Prof. Taube.

Quelle: äin-red

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