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20.12.2017

Gegen schweres, unkontrolliertes Asthma können maßgeschneiderte Antiköper helfen

Monoklonale AntikörperMonoklonale Antikörper
Diese Antikörper-Zellen (AK) sind Nachkommen von so genannten Zellhybriden, die durch künstliche Verschmelzung von B-Lymphozyten mit geeigneten Tumorzellen entstanden sind, wobei die B-Lymphozyten zuvor gegen ein ganz bestimmtes Antigen sensibilisiert wurden. Monoklonale AK sind gegen ausschließlich eine einzige der zahlreichen unterschiedlichen Andockstellen eines gegebenen Antigens gerichtet. Demgegenüber sind an der Immunantwort gegen ein herkömmliches Antigen meist viele verschiedene B-Lymphozyten und entsprechend viele AK beteiligt.
 
 
(Biologika) bieten neue Ansatzpunkte für eine individualisierte Therapie des schweren, unkontrollierten Asthma bronchiale. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung aufmerksam.

Einige Asthmatiker haben ihre Krankheit trotz hochdosierter Inhalationstherapie nicht unter Kontrolle und leiden täglich unter asthmatischen Beschwerden wie pfeifender Atmung, Husten, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit oder Luftnot, die oft nachts oder in den frühen Morgenstunden auftreten und auch den Schlaf stören. Aufgrund der Überempfindlichkeit ihrer Bronchien kann es auch zu mitunter lebensbedrohlichen Asthma-Anfällen kommen. „Bei den Betroffenen gilt es als erstes zu unterscheiden, ob es sich um ein tatsächlich schweres, therapierefraktäres Asthma handelt, das sich also durch die üblichen Behandlungsmethoden nicht oder nur schwer beeinflussen lässt – oder aber um ein schwierig zu behandelndes Asthma“, erläutert Prof. Adrian Gillissen, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung und Direktor der Abteilung für Innere Medizin und PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
von der Ermstalklinik Reutlingen-Bad Urach. Häufige Gründe für das schwierig zu behandelnde Asthma sind mangelnde Therapietreue bzw. Inhalationsfehler, oder aber Rauchen, unbehandeltes starkes Übergewicht oder eine Allergenbelastung im Beruf oder zum Beispiel durch die Haltung eines Haustiers trotz bestehender Allergie. „Solche Faktoren - und ob es sich nicht vielleicht um eine chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) handelt - müssen zunächst abgeklärt und gegebenenfalls behoben werden, bevor ein schweres, therapierefraktäres Asthma diagnostiziert wird“, betont Prof. Gillissen.

Das schwere Asthma ist ein sehr heterogenes Krankheitsbild – nur maßgeschneiderte Antikörper sind erfolgversprechend

Für solche Patienten mit schwerem Asthma gibt es mittlerweile aufgrund der Entwicklung monoklonaler AntikörperAntikörper
Antikörper werden auch Immunglobuline (Ig) genannt und sind Eiweißstoffe (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden. Die so entstehenden Immunkomplexe werden dann unschädlich gemacht. Erhöhte Ig-Mengen weisen allgemein auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
(Biologika) zunehmend Hoffnung, ohne eine Dauertherapie mit systemischen Kortikosteroiden auszukommen. „Allerdings ist Asthma ein sehr heterogenes Krankheitsbild. Erfolgversprechend ist daher nur der gezielte Einsatz eines passenden Antikörpers nach sorgfältiger Patientencharakterisierung und -selektion“, bekräftigt Prof. Gillissen. Vor einem Biologika-Einsatz erfolgt deshalb eine so genannte Phänotypisierung, bei der festgestellt wird, welche Immunzellen (Eosinophile, Neutrophile oder TH2-Zellen) und Entzündungsmarker (ImmunglobulineImmunglobuline
Das sind Antikörper in Form von Eiweißstoffen (Glykoproteine), die der menschliche Körper nach Kontakt mit einem Fremdstoff (Antigen) bildet. Diese Antikörper können dann gezielt (in der so genannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an die Antigene binden und die so entstehenden Immunkomplexe unschädlich gemacht werden.
Erhöhte Ig-Mengen weisen auf eine gesteigerte Immunabwehr hin, wie sie bei akuten oder chronischen Infektionskrankheiten (allergischen und parasitären Krankheiten) häufig auftritt. Man unterteilt die Immunglobuline in vier verschiedene Klassen (Ig A, Ig E, Ig G und Ig M). Je nachdem welcher Typ vermehrt vorliegt, erlaubt dies Rückschlüsse auf die vorliegende Krankheit.
) beim Patienten dominieren. Dementsprechend kann dann ein passendes Biologikum ausgewählt werden. Aktuell stehen Antikörper, die gegen Immunglobulin E (IgE)Immunglobulin E (IgE)
Das sind Antikörper der Klasse E, die gezielt (in der sogenannten Antigen-Antikörper-Reaktion) an bestimmte Antigene andocken können und dann durch eine Brückenbindung an so genannte Mastzellen zu einer Ausschüttung von Histamin führen (siehe auch Allergie vom Soforttyp, Allergietyp I). Dies verursacht eine Entzündungsreaktion. Erhöhte Ig E-Spiegel im Blut treten vor allem bei allergischen und parasitären Krankheiten auf. 
und gegen Interleukin-5 (IL-5) gerichtet sind, zur Behandlung des schweren allergischen oder eosinophildominierten Asthmas zur Verfügung. Eine Erweiterung des Therapiespektrums ist absehbar, da aktuell viele weitere Antikörper in Studien untersucht werden bzw. schon in der Pipeline stehen.

Weniger systemische Kortikosteroide erforderlich

„Die therapeutischen Antikörper bieten neue Ansatzpunkte für eine individualisierte Therapie des schweren Asthma bronchiale und können die Behandlung somit bereichern. Bei geeigneten Patienten lässt sich dadurch der Einsatz systemischer Kortikosteroide verringern und gleichzeitig der Allgemeinzustand der Betroffenen verbessern. Es sind auch keine Wechselwirkungen mit der klassischen Asthmatherapie zu befürchten, die natürlich unverändert das Standbein der Asthmatherapie bleibt“, fasst Prof. Gillissen zusammen. Künftig dürften hierzulande zehntausende bis hunderttausende Patienten mit schwerem Asthma von der Therapie mit Biologika profitieren.

Was ist das Anliegen der Deutschen Lungenstiftung?

Der Deutschen Lungenstiftung liegt die Förderung von Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Lungen- und Atemwegserkrankungen sehr am Herzen, da die Pneumologie im Vergleich zu anderen Fachgebieten zu wenig unterstützt wird. Auch in den Medien wird die Lungenheilkunde zu selten erwähnt. Deshalb investiert die Deutsche Lungenstiftung einen guten Teil der eingehenden Spenden in die Förderung der öffentlichen Aufklärung über pneumologische Themen sowie in die Förderung von Forschung auf dem Gebiet der Lungenheilkunde.

Quelle: äin-red

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