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25.02.2007

Gegen eine Rationierung im Gesundheitswesen

Bei der Frage, welche Behandlung ein Patient sinnvoller Weise erhalten sollte, sei das Alter des Betroffenen nach Ansicht der Ärzte der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) nicht entscheidend. Vielmehr müsse der behandelnde Arzt stets die individuelle Situation des Patienten beurteilen. Insofern seien Einschränkungen notwendiger medizinischer Leistungen auf Grund des Lebensalters nicht akzeptabel.

Angesichts der zahlreichen Finanzierungsprobleme drohen dem Gesundheitswesens in Deutschland etliche Rationierungsmaßnahmen. Einschränkungen notwendiger medizinischer Leistungen auf Grund des Lebensalters oder der speziellen Art einer Erkrankung von Patienten dürfe es aber nicht geben. Das ist die Meinung des scheidenden Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Arno Krian, die er kürzlich am Rande der 36. DGTHG-Jahrestagung in Hamburg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) geäußert hat. Die demographische Alterung der Gesellschaft sei im Gegensatz zum öffentlichen Eindruck nicht das entscheidende Problem, denn die höchsten Krankheitskosten entstünden in der Regel im letzten Lebenshalbjahr eines Menschen, unabhängig von seinem Alter. Die Gesundheit der heute 70-Jährigen sei wesentlich besser als die Gleichaltriger vor 15 Jahren. So könne die Prognose für eine bestimmte Operation bei einem ansonsten gesunden 80-Jährigen viel besser sein als bei einem 60-Jährigen mit mehreren Begleiterkrankungen. Daher müsse die Entscheidung zu einer Behandlung immer im Einzelfall getroffen werden. „Der Arzt muss mit Blick auf die individuelle Situation des Patienten entscheiden, ob er sinnvoll behandeln kann“, betont Krian.

Die Chirurgen der DGTHG wünschen sich eine gesellschaftliche Debatte über die Finanzierung des Gesundheitssystems und die Folgen einer Rationierung, bevor politische Entscheidungen getroffen werden: „Die Gesellschaft muss überlegen, welchen Wert Gesundheit hat“, erklärt Krian. Wenn man sich in Deutschland dazu entscheide, einen steigenden Anteil des Sozialprodukts für Gesundheit auszugeben, müsse das nicht zwangsläufig negativ sein.