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10.01.2018

Frühere Diagnose von schwerer Lungenerkrankung bei Säuglingen möglich

Ein Verfahren, mit dem erstmals eine frühe und sichere Diagnose der Bronchopulmonalen Dysplasie (BPD) – einer schweren Lungenerkrankung bei Babys - möglich erscheint, haben Forscher in München gefunden.

Wer als Baby diese Lungenerkrankung bekommt, wird sie sein Leben lang höchstwahrscheinlich nicht mehr los: Die Bronchopulmonale Dysplasie, kurz BPD genannt, ist eine ernste Krankheit. Meist trifft es Frühgeborene, die mit nicht einmal 1.500 Gramm Gewicht geboren wurden. Aber auch reife Neugeborene können daran erkranken.

Ein Verfahren, mit dem erstmals eine frühe und sichere Diagnose der BPD möglich erscheint, haben jetzt Forscher aus München gefunden (siehe American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2017, Online-Vorabveröffentlichung am 20. Oktober). Das berichten Privat-Dozentin Dr. Anne Hilgendorff (Leiterin des Zentrums für Comprehensive Developmental Care am Dr. von Haunerschen Kinderspital und dem integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum am Klinikum der Universität München sowie am Institut für Lungenbiologie (ILBD) des Helmholtz Zentrums München) und Dr. Kai Martin Förster (Neonataloge am Perinatalzentrum des Klinikums der Universität München).

Die Lunge zählt beim heranwachsenden Baby zu den am spätesten entwickelten Organen. Das bedeutet, dass sie bei Frühgeburten noch nicht vollständig ausgereift und anfällig für Komplikationen wie das Atemnotsyndrom und später einer chronischen Lungenerkrankung wie der BPD ist. Den kleinen Patienten mangelt es bei Geburt an voll ausgebildeten Lungenbläschen und den entsprechenden Blutgefäßen, die den Sauerstoff aus den Lungenbläschen aufnehmen. Das führt zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf und einer klinisch auffällig großen Atemanstrengung.

Zwar sichert die künstliche Beatmung ähnlich wie die Langzeitbehandlung mit Sauerstoff das Überleben der Kinder, weil sie die akute Atemnot der Kinder bekämpft. Trotzdem ist sie ein zweischneidiges Schwert. „Die künstliche Beatmung und Sauerstoffzufuhr tragen signifikant zur Entwicklung der chronischen Komplikation, der BPD bei“, erklärt Anne Hilgendorff.

Bisher können Ärzte die BPD nicht sicher und nicht rechtzeitig genug erkennen, um bereits nach der Geburt wichtige Therapien einzuleiten. Die Kinder werden bisher nur gemäß ihres möglichen Risikos aufmerksam begleitet.

Bei einer Analyse von Blutplasmaproben, die in der ersten Lebenswoche von 35 Frühgeborenen gewonnen wurden, haben die Forscher mit einer innovativen Hightech-Methode nach Veränderungen aller detektierbaren Proteine gefahndet und diese Untersuchung am 28. Lebenstag wiederholt. Zur Analyse der Daten wurde ein statistisches Model entwickelt, mit dem sich bestimmen lässt, welche Proteine wie ein Orakel bereits direkt nach der Geburt eine drohende BPD verraten.

Resultat: Genau drei Eiweiße sind in der Analyse auffällig geworden. „Und zwar tatsächlich Proteine, die im Verdacht stehen, zur Krankheitsentstehung beizutragen“, erklärt Anne Hilgendorff. Sie gehören zu den Systemen, die den Umbau der Lungenbläschen, den Stand der Gefäßentwicklung und die Entzündungsreaktion anzeigen. Die Forscher wollen jetzt in einer weiteren Studie die ersten Ergebnisse bestätigen. Sollten die Resultate abermals positiv sein, müsste ein simpler Test entwickelt werden können, der ausschließlich die drei Marker-Proteine analysiert und nicht, wie im aufwändigen Procedere, alle 1129 Eiweiße.

Falls das Verfahren alle Hürden nähme, würde die Frühdiagnose die Therapie der kleinen Patienten erheblich erleichtern und den Erfolg möglicher Behandlung begünstigen. Als Therapieoptionen zur Verfügung stehen Kortison, das jetzt womöglich effektiver eingesetzt werden kann, Vitamin A sowie unterstützende Maßnahmen wie die Optimierung der Flüssigkeitszufuhr und der Beatmungssituation. Aber auch Studien zu neuen Behandlungen werden möglich, falls die Proteine eine Risikozuordnung direkt nach der Geburt ermöglichen.

Quelle: Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München