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21.08.2008

Frühchen leiden als Erwachsene eher unter chronischen Lungenproblemen

Kinder, die zu früh auf die Welt kommen und beatmet werden müssen, haben im Erwachsenenalter überdurchschnittlich oft unter chronischen Lungenerkrankungen zu leiden. Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für PneumologiePneumologie
Die Atemwegs- und Lungenheilkunde (Pneumologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung und fachärztlichen Behandlung von Krankheiten der Lunge, der Bronchien, des Mediastinums (Mittelfell) und der Pleura (Rippen- und Lungenfell) befasst.
und Beatmungsmedizin (DGP) aufmerksam.

Kinder, die zu früh geboren werden, neigen als Erwachsene eher zu chronischen Lungenerkrankungen. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hin unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift European Respiratory Journal (2008, Band 32, Seite 321 - 328). „Extrem früh geborene Kinder, die beatmet werden müssen, neigen zu Fehlentwicklungen in der Lunge – eine bekannte Komplikation, die wir als bronchopulmonale Dysplasie bezeichnen“, erklärt Prof. Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Rat der DGP und Leiter der Lungenklinik Kloster Grafschaft im nordrheinwestfälischen Schmallenberg. „Bisher sind allerdings die Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter noch nicht untersucht worden. Für die aktuelle Studie aus Australien wurden nun erstmals 21 Erwachsene im Alter zwischen 17 bis 33 Jahren untersucht, die bis zu vier Monate zu früh mit einem Gewicht unter 1500 Gramm auf die Welt gekommen waren und auf der Frühgeborenenstation mehr als 28 Tage beatmet werden mussten. Wie die lungenfachärztlichen Untersuchungen ergaben, wiesen durchweg alle Studienteilnehmer strukturelle Abnormalitäten in den Lungen auf. 71 Prozent litten unter anhaltenden Lungenproblemen wie Atemnot, Giemen oder chronischem Husten. Bei 75 Prozent war die Lungenfunktionsuntersuchung (Spirometrie) messbar beeinträchtigt. Bei 84 Prozent der Studienteilnehmer hatte sich in bestimmten Bereichen der Lunge sogar bereits ein Lungenemphysem entwickelt – dort kommt es zu einer Lungenüberblähung, weil die betroffenen Lungenbläschen ihre Flexibilität verloren haben und insbesondere das Ausatmen für die Betroffenen erschwert ist.“

Mehr Betroffene infolge Fortschritte in der Pränatalmedizin

Infolge der Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten in der pränatalen Medizin gemacht worden sind, haben in der Vergangenheit zunehmend mehr Frühgeborene – selbst wenn sie extrem verfrüht zur Welt kamen – überlebt. „Darauf müssen wir Ärzte uns jetzt einstellen, indem wir bei der Befragung der Patienten zur Anamnese ihrer Lungenerkrankungen auch gezielt nachfragen, ob eventuell eine Frühgeburt vorlag“, berichtet Köhler. „Andererseits sind zum Glück gerade in den letzten Jahren weitere, entscheidende Verbesserungen in der Pränatal- und Beatmungsmedizin erzielt worden. Insofern können wir hoffen, dass wir in Zukunft auftretende Komplikationen auf den Frühgeborenenstationen viel besser unter Kontrolle haben werden als in der Vergangenheit. Das heißt, bereits in einigen Jahren sollten wir erwarten können, dass Patienten mit pränatal bedingten Lungenprobleme wiederum weniger häufig auftreten.“

Rauchverzicht unbedingt erforderlich

Betroffene Frühchen, die jetzt ins Erwachsenenalter kommen, sollten sich bewusst sein, dass sie ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung chronischer Lungenerkrankungen haben. „Insbesondere ist ihnen im Hinblick auf ihre vorgeschädigten Lungen dringend anzuraten, nicht mit dem Rauchen anzufangen“, betont Köhler. „Falls sie bereits rauchen sollten, ist es besonders wichtig, ihnen Unterstützung bei der Raucherentwöhnung anzubieten und sie zum sofortigen Rauchstopp zu bewegen.“