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22.01.2020

Forschungsprojekt zum Gender Gap bei Mukoviszidose läuft an

Wieso Frauen mit MukoviszidoseMukoviszidose
Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert ist und dadurch ein abnormal zähflüssiger Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gebildet wird, der die Bronchien und Verdauungswege verstopft. Atemnot, chronischer Husten, aber auch eine gestörte Verdauung und Infektanfälligkeit sind die Folgen. 
 
meist stärker betroffen sind als Männer mit der gleichen Krankheit. (sog. Mukoviszidose-Gender Gap), wurde bislang wenig untersucht.

© Dan Race_Fotolia.com

Frauen mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose – CF) sind im klinischen Verlauf durchschnittlich stärker betroffen als Männer mit Mukoviszidose. Die Ursachen für diese in der Literatur als Mukoviszidose-Gender Gap bezeichneten Unterschiede sind bislang wenig untersucht. Ein im Januar startendes Projekt geht der Frage nach: Welche Rolle spielt das Sexualhormon Östrogen bei den unterschiedlichen klinischen Verläufen?

Im Detail wird die Humanbiologin Dr. Mareike Müller von der Universität Siegen in ihrem aktuellen Projekt die Biofilmbildung von Pseudomonas aeruginosa-Isolaten von Mukoviszidose-Patienten in Abhängigkeit von Östradiolspiegel und Geschlecht untersuchen. Ermöglicht wurde die Durchführung dieses Mukoviszidose-relevanten Projektes von der Christiane Herzog Stiftung, die einmal jährlich den mit 50.000 Euro dotierten Christiane Herzog Preis an engagierte, junge Forscher vergibt.  

„Mit Taten helfen.“ - unter dieses Motto stellte Christiane Herzog 1985 ihre Aktivitäten für Menschen mit Mukoviszidose. 1997 bündelte sie ihr Engagement in der Christiane Herzog Stiftung mit dem Ziel, den Betroffenen und ihren Familien das Leben mit dieser tragischen Krankheit zu erleichtern und ihnen Hoffnung und neue Kraft im Kampf gegen die Mukoviszidose zu geben. Die Stiftung macht die Bevölkerung auf das komplexe Krankheitsbild aufmerksam und wirbt für Verständnis und Solidarität mit den Mukoviszidose-Betroffenen. Dabei arbeitet sie eng mit der Patientenorganisation Mukoviszidose e.V. zusammen.

In Vorexperimenten konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass die von Mukoviszidose-Patienten isolierten Pseudomonas aeruginosa-Stämme ein unterschiedliches Biofilmwachstum zeigen, wenn Östradiol zum Kulturmedium zugegeben wird. Ersten Untersuchungen nach verstärkt Östradiol möglicherweise das Biofilmwachstum. Diese Frage soll nun an einer größeren Zahl an P. aeruginosa-Isolaten aus Mukoviszidose-Patienten systematisch untersucht werden: Dabei werden P. aeruginosa-Isolate von männlichen und weiblichen Mukoviszidose-Patienten hinsichtlich ihres Wachstums verglichen und vor allem die Fähigkeit untersucht, Biofilme zu bilden. In einem zweiten Schritt wird in diesen Untersuchungen getestet, ob die Zugabe von Östradiol das Wachstum und die Biofilmbildung von verschiedenen P. aeruginosa-Stämmen beeinflusst.

Sollte sich herausstellen, dass die Isolate von Frauen und/oder die Zugabe von Östrogenen das Wachstum der Bakterien beeinflussen, so könnte dieser geschlechtsspezifische Unterschied einen ersten Hinweis zur Erklärung des Gender Gaps bei Mukoviszidose bieten. Der mikrobiologische Kontext könnte dann weiterhin hinsichtlich des Gender-Gaps untersucht werden und dabei langfristig helfen, diese Informationen bei der Therapie zu berücksichtigen.

Quelle: Mukoviszidose e.V.