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02.08.2006

Feinstaub vermindert die Lungenfunktion bei Kindern

Gesundheitliche Auswirkungen von FeinstaubFeinstaub
Feinstaub gilt als giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich zahlreichen  Europäern das Leben. Mit einer Größe von weniger als 10 µm können Feinstäube in der Luft schweben (sog. Schwebstäube) und vom Menschen eingeatmet werden, so dass die Feinstaubteilchen in die Lunge gelangen und über die Lungenbläschen (Alveolen) in den Körper übergehen können. So stoßen sie u.a. bis in die Leber vor.
 
 
auf die Atemwege lassen sich jetzt individuell nachweisen und sind bei Kindern besonders bedenklich.

Feinstaub kann in Form von Zigarettenrauch – durch aktiven Konsum oder durch Passivrauchen – oder anderen Arten der Luftverschmutzung wie zum Beispiel Auspuffgase im Straßen- und Luftverkehr auf den Menschen einwirken. Eine ungeklärte Frage in der Forschung war bislang, wie sich die individuelle Belastung mit Feinstaub genauer messen lässt. Nun haben britische Wissenschaftler um Dr. Jonathan Grigg von der „Queen Mary’s School of Medicine and Dentistry“ in London eine spezielle Methode entwickelt, um den Staubgehalt in den Atemwegen direkt messen zu können – und zwar bei Kindern. Dabei stellten sie - wie sie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine berichten – den folgenden, direkten Zusammenhang fest: Je mehr Feinstaub in den Atemwegen von Kindern nachzuweisen ist, umso schlechter fällt die Lungenfunktion der Betroffenen aus. Dieses Untersuchungsergebnis stellt einen weiteren Beweis dafür dar, dass das Einatmen von Feinstaub tatsächlich der Gesundheit schadet.

An der Untersuchung von Grigg und seinem Team nahmen 114 gesunde Kinder teil. In deren Sputum (provozierter Auswurf) wurde der Feinstaubgehalt bestimmt – und zwar anhand der jeweiligen Kohlenstoffmenge, die in den im Sputum vorkommenden MakrophagenMakrophagen
Fresszellen des Immunsystems, die in den Lungenbläschen (Alveolen) vielerlei Funktionen erfüllen, zum Beispiel die Reinigung der Lunge, indem sie sich Fremdpartikel (Erreger, Staub, Ruß etc.) einverleiben. Sie sind u.a. aber auch an Entzündungs- und Überempfindlichkeitsreaktionen beteiligt.
enthalten ist und unter dem Lichtmikroskop sichtbar gemacht und abgeschätzt werden kann. Gleichzeitig maßen sie die LungenfunktionLungenfunktion
der Kinder mittels Spirometrie und berechneten die vorherrschende PM10PM10
PM ist die Abkürzung für das englische „particulate matter“ und bezeichnet Teilchen mit einer Größe kleiner als 10 µm im Durchmesser – das heißt etwa ein Siebtel so groß wie der Durchmesser eines menschlichen Haares. 
- Belastung der Luft mit Feinstaub mithilfe eines Standardmodells. Im Einzelnen war für jeden Quadratmicrometer mehr an Kohlenstoffbelastung ein Verlust verschiedener Messparameter zu verzeichnen - beim FEV (forciertes ausgeatmetes Luft-Volumen) um 17%, bei der Vitalkapazität um 13% und beim FEF (forcierter ausgeatmeter Luft-Fluss) um 35%. „Im Gegensatz zu Rauchern, die ihren Feinstaub selbst verursachen, müssen Kinder unfreiwillig schlechte Luft einatmen. Dabei sind gerade Einflüsse, die während der Kindheit zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion führen, besonders bedenklich, weil ihre Auswirkungen möglicherweise ein Leben lang bestehen bleiben“, kommentiert Dr. James Gauderman von der „University of Southern California“ in Los Angeles das Untersuchungsergebnis im zugehörigen Editorial.

Quelle: New England Journal of Medicine (2006), Band 355, Seite 21-30
Zusammenfassung (abstract)
Editorial